Wochenausblick Aktien: Rezessionssorgen dominieren das Geschehen

veröffentlicht am 7. Juli 2022

Wochenausblick Aktien: Rezessionssorgen dominieren das Geschehen

 

Der Blick in den Rückspiegel fiel zum Halbjahreswechsel äußerst trübe aus. Ein Sammelsurium von Belastungsfaktoren ließ die Anlegerschaft in den ersten sechs Monaten des Börsenjahres 2022 im Grunde zu keiner Zeit zur Ruhe kommen. Unter dem Strich summierten sich die Abschläge von Januar bis Juni auf rund 20 Prozent in Bezug auf den Deutschen Aktienindex (DAX), aber auch auf das führende US-Barometer S&P 500. Und auch der Start in die zweite Jahreshälfte missglückte. Der inländische Leitindex lotete zuletzt unter saisonal typisch dünnen Umsätzen gar ein neues Jahrestief knapp unterhalb von 12.400 Punkten aus, bevor sich die Kurse wieder berappelten.

Verantwortlich für den negativen Grundton zeichnen mehr noch als zuvor die grassierenden Rezessionsängste. Alleine an den teilweise stark nachgebenden Rohstoffpreisen manifestieren sich die gesamtwirtschaftlichen Befürchtungen der Marktteilnehmer.

Einzelne Datenpunkte – egal in welcher Ausprägung – konnten diese Sorgen nicht auflösen bzw. die dunklen Rezessionswolken in den Handelssälen zur Seite schieben. So hatte unter anderem die stark verbesserte Stimmung in Chinas Dienstleistungssektor schon einmal mehr Aufmerksamkeit verdient.

Unter Druck stand zudem die europäische Gemeinschaftswährung. Die sich verstärkende Anspannung auf dem Gasmarkt drückte den Euro gegenüber dem US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit fast zwei Dekaden.

Unter den Einzeltiteln fielen die Notierungen vieler konjunktur-sensitiver Unternehmen noch weiter zurück. Auf der Gegenseite behauptete sich der wenig zyklische Gesundheitssektor in diesem turbulenten Umfeld sehr gut.

Wie geht es weiter?

Auf Sicht dürften die Energieversorgung in Europa und die damit verbundenen Konjunkturrisiken insbesondere für den Alten Kontinent der dominierende Themenkomplex auf dem Börsenparkett bleiben und die Investoren auf Trab halten. Kurzum, die Nervosität sollte vorerst nicht abebben.

Bei dem Blick über den Atlantik unterstrichen die jüngsten Sitzungsprotokolle der US-Notenbank deren weitere Stoßrichtung. Die ausgeuferte Inflation wird mit den zur Verfügung stehenden geldpolitischen Mitteln mit aller Konsequenz bekämpft.

Wenige Tage vor dem Start der Unternehmensberichtssaison gehen wir davon aus, dass die Gewinnschätzungen vor dem Hintergrund der abflauenden Nachfrage bei gleichzeitig deutlich erhöhten Inputkosten anfällig für negative Revisionen sind. Die Konsensprognosen erscheinen aus unserer Sicht ein gutes Stück zu hoch. Aus dieser Richtung dürfte sich die Stimmung also nur schwerlich verbessern.

In den intakten charttechnischen Abwärtstrends sind zwischen-zeitliche Erholungen immer wieder an der Tagesordnung. Handfeste und nachhaltige Einstiegssignale in den Aktienmarkt sind gleichwohl momentan nur schwer ableitbar. Eine breite Streuung der Investitionsmittel über die Anlageklassen scheint in diesem fragilen Umfeld also essentiell.

Stand 07.07.2022