Wochenausblick Aktien: Hohe Nervosität an der Wall Street

veröffentlicht am 19. Mai 2022

Wochenausblick Aktien: Hohe Nervosität an der Wall Street

 

Mit dem größten Tagesverlust seit zwei Jahren reagierten die US-Aktienmärkte am Mittwoch auf schlechter als erwartet ausgefallene Quartalsgewinne großer US-Einzelhandelskonzerne. Damit lösten sich die in den Vortagen aufgebauten Gewinne wieder in Luft auf. Der Deutsche Aktienindex (DAX) fiel deutlich unter die zu Wochenbeginn überwundene 14.000-Marke zurück. Die veröffentlichten Wirtschaftsdaten zeigten im Wochenverlauf ein uneinheitliches Bild. Negativ überraschten am Freitag Signale vom US-Verbrauchervertrauen, während die zeitlich etwas nachlaufenden Daten der Einzelhandelsumsätze und der Industrieproduktion ein solides Bild der US-Wirtschaft zeichneten.

Wie geht es weiter?

Auffällig gegenüber dem Verlauf der vergangenen Woche ist die Ruhe an den Anleihe-Märkten. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe blieb in einer engen Spanne um 2,9 Prozent. Anders als in den Vormonaten kann die Schwäche an den Aktienmärkten weniger mit den Sorgen um einen weiteren Zinsanstieg, sondern eher mit Befürchtungen einer schnelleren konjunkturellen Abkühlung begründet werden. Das inflationäre Umfeld nimmt den Verbrauchern Kaufkraft und schwächt die Konsum-nachfrage. Während wir davon ausgehen, dass die aktuelle wirtschaftliche Schwäche in China vorübergehender Natur sein dürfte, könnte das Damoklesschwert eines russischen Gaslieferstopps wohl noch länger über der europäischen Konjunktur schweben.

Die bereits in den vergangenen Monaten beobachteten Zinssteigerungen an den Anleihemärkten führen in Verbindung mit einem etwas unsichereren Aktienmarktausblick zu Allokationsverschiebungen. Große Investoren wie Pensionsfonds, die in den vergangenen Jahren aufgrund der Nullzinsphase „unfreiwillig“ höher in Aktien investiert waren, haben begonnen, Aktien zulasten festverzinslicher Papiere zu verkaufen. Unter der Annahme, dass das vorrangige Ziel der Notenbanken jetzt darin liegen dürfte, die derzeit weit über dem Normalmaß liegenden Inflationsraten in einem überschaubaren Zeitraum in den Griff bekommen, macht dieses Verhalten Sinn.

Andererseits haben die Aktienmärkte aber auch schon deutlich korrigiert. Geht man davon aus, dass ein Abtauchen in eine Rezession vermieden werden kann, sind Aktien in vielen Marktsegmenten auch unter Zugrundelegung eines leicht höheren Alternativzinses nicht mehr hoch bewertet.

Anleger sind deshalb weiter gut beraten, auf der Aktienseite eher defensiv vorzugehen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt sich weiterhin die Anlage in eher schwankungsarmen, dividendenstarken Aktien aus wenig konjunkturempfindlichen Branchen. Eine gute Ergänzung können dabei auch Aktienfonds sein, die in gering schwankenden Aktien (Minimum-Vola-Strategien) investieren. Ansonsten sollte der Fokus eher auf der festverzinslichen Anlageseite liegen. Nachdem der Zinsanstieg schon weit fortgeschritten sein dürfte, sollte jetzt mit dem Aufbau eines wieder etwas stärker nach Fälligkeiten strukturierten diversifizierten Portfolios begonnen werden.

Stand 19.05.2022