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Quelle: Bloomberg
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Rückblick:
In der ablaufenden Woche schwankte die Stimmung hinsichtlich der Geopolitik zwischen „Nacho“ (not a chance Hormus opens = keine Chance, dass Hormus geöffnet wird) und Deeskalations-Hoffnungen. Erst überwog die Enttäuschung über das ergebnisarme Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping, von dem sich einige Marktteilnehmer eigentlich Entspannungssignale hinsichtlich des Kriegs im Iran erhofften. Zuletzt gab es dann doch ein paar positive Signale. Weniger die Aussage Trumps, dass man in den finalen Zügen einer Einigung stünde, als vielmehr die Nachricht über Satellitenbilder, wonach am Mittwoch drei Supertanker mit jeweils 2 Mio. Barrel Öl die Straße von Hormus durchfuhren. Zwei davon Richtung China und eines nach Südkorea. Zeigt dies doch, dass die Meerenge bei Zustimmung beider Parteien (Iran und USA) grundsätzlich befahrbar ist.
Hinsichtlich der ökonomischen Indikatoren enttäuschten die Einkaufsmanagerindizes aus Europa größtenteils. In den USA überraschte der Index für das Verarbeitende Gewerbe dagegen positiv. In China sank das Wachstum des Einzelhandelsumsatz auf den niedrigsten Wert seit Dezember 2022 und auch die Industrieproduktion war schwächer als erwartet. Spannend sind auch die Inflationsdaten aus Japan gewesen. Anders als in den meisten anderen Industrieländern sank die Headline-Inflation (inklusive Energiepreise) auf 1,4 %. Im Oktober lag sie noch bei 3,0 %. Dass es von Februar auf März trotz des Ölpreisschocks keinen sichtbaren Teuerungsanstieg gab liegt an Energiesubventionen des Staates. So wurde der Benzinpreis bei 170 Yen pro Liter fixiert. Für den Rückgang in den Monaten davor gibt es vor allem zwei Gründe. Rein rechnerische führen die hohen Werte des Vorjahres zu niedrigeren Vergleichswerten (Basiseffekt). Fundamental sind zudem die Lebensmittelpreise wieder ein Stück von ihrem Extremniveau heruntergekommen.
Ausblick:
Die Lage im Nahen Osten und der Ölpreisschock werden auch in der nächsten Woche den Hauptfokus auf sich ziehen. Eine Annäherung bzw. Einigung zwischen den USA und Iran (und China) würde nicht sofort den physischen Engpass beim Öl beheben. So brauchen Öltanker rund 3 Wochen bis sie ihre Zielhäfen erreichen, strategische und kommerzielle Reserven müssten wieder aufgebaut werden und es würde insgesamt einige Monate dauern, bis sich die Lieferketten wieder in einen stabilen Zustand eingeschwungen hätten. Nichtsdestotrotz wird am Kapitalmarkt vor allem die Zukunft gehandelt, weshalb der Ölpreis recht schnell reagieren dürfte. Insgesamt bleibt aber die Frage, wann es einen Waffenstillstand geben könnte. Denn mit jedem Tag ohne Fortschritte steigt das Risiko für Zweitrundeneffekte und einen länger anhaltenden Inflationsschub. Damit verbunden steigt die Wahrscheinlichkeit eine Leitzinserhöhung durch die EZB. Wir gehen davon aus, dass sich durch den Teuerungsanstieg nur „hindurchsehen“ lässt, wenn sich bis zum Monatswechsel Mai/Juni eine Entspannung abzeichnet, denn nach 1-2 Quartalen steigt die Wahrscheinlichkeit für Zweitrundeneffekte deutlich an.
Bei den ökonomischen Indikatoren ist in der kommenden Woche der Blick vor allem auf die Inflation gerichtet. Die Euroländer Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland veröffentlichen die Zahlen für Mai. Die USA publizieren den Core-PCE Wert für April.
USA: Verbrauchervertrauen Conference Board
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Das Verbrauchervertrauen in den USA ist weiterhin auf einem äußerst niedrigen Niveau. Der Index für das Konsumklima der Universität Michigan erreichte mit 48,2 Punkten zuletzt sogar einen historischen Tiefpunkt seit dem Start der Zeitreihe. Das Verbrauchervertrauen gemäß Conference Board korreliert stark mit dem Index der Uni Michigan, schreitet aber nicht zwangsläufig immer im Gleichlauf voran. So erholte sich dieser Index zuletzt etwas von seinem Zwischentief im Januar. Ein Grund für die Abweichung ist, dass das Conference Board sich etwas mehr auf die Arbeitsmarkt-Situation fokussiert, während bei der Uni Michigan das Preisniveau bzw. die Inflation stärker gewichtet ist. Für den Mai-Wert geht der Konsens weitgehend von einer Seitwärtsbewegung aus.
Euroraum: Inflationsraten
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Die Inflationsraten der Euroländer sind im März und April deutlich nach oben gesprungen. Ausschlaggebend war der Ölpreisschock aufgrund der Schließung der Straße von Hormus . So sprang die Teuerungsrate in Frankreich von 0,3 % auf 2,2 % und in Deutschland stieg sie von 1,9 % auf 2,9 %. Die Kernraten, die die schwankungsintensiven Energie- und Lebensmittelpreise ausklammern, verhielten sich etwas stabiler. In Frankreich legte sie nur moderat auf 1,2 % zu, in Deutschland sank sie zuletzt sogar und lag im April bei 2,3 %.
Die Kernfrage ist nun, ob es sich nur um einen temporären Inflationsschub handelt, der sich im wesentlichen auf die Energiepreise beschränkt oder ob Zweitrundeneffekte und letztlich eine Wiederholung von 2022 droht. Obwohl es ein paar Gemeinsamkeiten mit der vorangegangenen Episode gibt (z.B. steigen bereits auch schon die Erzeugerpreise deutlich), gibt es auch wesentliche Unterschiede. Zum einen waren sowohl Fiskal- als auch Geldpolitik damals extrem expansiv, heute dagegen eher neutral. Zum anderen befand sich die Konjunktur 2022 gerade in einer kräftigen Erholung vom Corona-Schock, die Arbeitslosenquote war niedrig und die Verhandlungsposition von Gewerkschaftern gut und die Lohnforderungen und Tarifabschlüsse entsprechend hoch. Heute hat sich der Arbeitsmarkt in Deutschland deutlich abgekühlt, weshalb Zweitrundeneffekte in Form von deutlichen Lohnsteigerungen unwahrscheinlicher sind. Nichtsdestotrotz steigt mit jedem Tag der weiteren Blockade der Meerenge am Golf das Risiko für eine länger anhaltende Inflationsperiode. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass anhaltende Effekte ab 1-2 Quartalen zu erwarten sind und spätestens nach einem Jahr die Zweitrundeneffekte unvermeidlich sind. Entsprechend dürften die Inflationserwartungen im Sommerquartal (Juni-August) ansteigen und die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion der Geldpolitik steigen.


