Wochenausblick Aktien: Anleihemärkte zeigen immer stärker Abschwung an

veröffentlicht am 24. November 2022

Wochenausblick Aktien: Anleihemärkte zeigen immer stärker Abschwung an

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Die Notierungen an den Aktienmärkten legten in der abgelaufenen Woche weiter zu. Der Deutsche Aktienindex (DAX) lag mit Zählerständen um 14.500 Punkte zuletzt im oberen Terrain unseres auf Basis der Gewinnschätzungen als „fair“ erachteten Bandes. Der richtungsweisende US-amerikanische S&P kam vor dem heutigen Feiertag (Thanksgiving) knapp unterhalb seiner bei rund 4.060 Punkten liegenden 200-Tage-Durchschnittslinie zum Stehen. Im Monatsvergleich rückläufige deutsche Erzeugerpreise stützten dabei die Erwartungen am Markt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrem geldpolitischen Straffungskurs im Dezember mit einer Zinserhöhung von „nur“ 0,5% statt wie zuletzt 0,75% vorliebnehmen könnte. Die Tatsache, dass diverse Einkaufsmanagerindizes sowie der ifo Geschäftsklimaindex etwas besser ausfielen als erwartet, quittierten die Aktienmärkte mit Kursgewinnen.

An den europäischen Anleihemärkten gingen die Renditen zurück, wobei sich bei den Bundesanleihen die Inversität, d. h. kurze Anleihen weisen eine höhere Verzinsung auf als längere, ausbaute. Damit haben nun auch die deutschen Staatsanleihen die Entwicklung nachvollzogen, die ihre US-amerikanischen Pendants schon länger aufweisen. Eine Inversität der Zinskurve wird allgemein als ein Anzeichen für eine bevorstehende Rezession gesehen.

Wie geht es weiter?

Nach wie vor wird sich an den Finanzmärkten alles um die Frage drehen, wie stark sich die Wirtschaft abschwächen muss, damit die Notenbanken ihre Ziele bei der Inflationsbekämpfung mittelfristig erreichen können. Auch wenn jüngste Indikatoren wieder etwas in Richtung eines milderen Verlaufes deuten, dürfte der Weg schmerzhaft sein. Nach dem starken Anstieg in den vergangenen Wochen scheinen die Aktienmärkte schon sehr stark durch bekannte Negativfaktoren „hindurchzuschauen“. Dies ist nicht untypisch für derartige Phasen, kommt aber, da die Gewinnschätzungen für die Unternehmen noch kaum gesenkt wurden, möglicherweise verfrüht. Auch könnten – hier fällt die starke Divergenz zwischen den Aktienmärkten in Europa, wo die Kurse stärker zulegten, und dem US-Aktienmarkt ins Auge – technische Faktoren wie die Eindeckung von zuvor eingegangenen Leerverkaufspositionen verstärkend gewirkt haben.

Insbesondere aus einer fundamentalen Sicht – der DAX befindet sich nun am oberen Rand des von uns auf Basis der Gewinnschätzungen erachteten fairen Bewertungsbereichs – würden wir Gewinne auf der Aktienseite aus taktischen und kurzfristigen Überlegungen vorübergehend realisieren.

Im festverzinslichen Segment zahlt sich nun für Anleger der von uns propagierte Aufbau einer Fälligkeitenstruktur aus. Nach dem Zinsrückgang im längeren Laufzeitenbereich sollten Zukäufe vorübergehend auf das kürzere Ende fokussiert werden.

Stand 24.11.2022