Wochenausblick Aktien

veröffentlicht am 26. November 2020

Wochenausblick Aktien

 

Das Umfeld hellt sich auf

Eine sich abzeichnende jetzt möglicherweise relativ reibungslose Amtsübergabe bei der US-Präsidentschaft, ein mit dem Produkt von AstraZeneca und der Universität Oxford weiterer COVID-19-Impfstoff kurz vor dem Zulassungsantrag sowie starke Einkaufsmanagerdaten aus den USA haben dafür gesorgt, dass die Aktienmärkte weltweit eine freundliche Woche verzeichneten. In Amerika konnte der Dow Jones sogar erstmals die 30.000-Punkte-Marke überschreiten, bevor er kurz vor dem langen Feiertagswochenende (Thanksgiving) etwas nachgab. Zu der positiven Stimmung in den Vereinigten Staaten dürfte zudem beigetragen haben, dass der gewählte Präsident mit der ehemaligen Notenbankpräsidentin Yellen eine an den Finanzmärkten sehr bekannte Persönlichkeit an einflussreicher Stelle in seine Kabinettsplanung mit aufnahm. Der Deutsche Aktienindex (DAX) konnte trotz dieser positiven Einflussfaktoren mit dem Tempo nicht ganz mithalten und kämpfte weiterhin damit, seinen starken, zwischen 13.200 und 13.300 Punkten liegenden Widerstand zu überwinden. Zu dem nicht ganz so guten Verlauf des heimischen Index trug auch bei, dass sich die Pandemie-Situation in Europa nach wie vor schwierig gestaltet und Einschränkungen verlängert und teilweise verschärft wurden. Zudem fielen Frühindikatoren wie der ifo Geschäftsklimaindex und das GfK-Verbrauchervertrauen angesichts der Pandemie-Welle schwächer als im Vormonat aus.

Wie geht es weiter?

Auch wenn mittlerweile Gewissheit darüber besteht, dass COVID-19-Impfstoffe in 2021 bereitstehen werden, ist es noch ein langer Weg zur Überwindung der Pandemie. Starken Nachholeffekten in der zweiten Jahreshälfte, die möglicherweise in einigen Bereichen boomartigen Charakter entfalten könnten, stehen schmerzhafte Folgeeffekte der wirtschaftlichen Belastungen aus der Pandemie in 2020 gegenüber. So dürften mit dem Enden von Hilfszahlungen und Moratorien Insolvenzen deutlich zunehmen. Die Aktienmärkte scheinen in der jetzigen Situation stärker auf die positiven Argumente zu setzen.

Diese Sichtweise spiegelt sich auch in der stärkeren Berücksichtigung konjunkturempfindlicherer Aktien in den Depots wider, nachdem diese lange Zeit gemieden worden waren und eine große Bewertungslücke zu Wachstumstiteln aufgebaut hatten. Grundsätzlich wird in den nächsten Jahren schon wegen der absehbar expansiven Notenbankpolitik viel für Aktienanlagen sprechen. Einen möglichen Rücksetzer, der nach der starken Euphorie der vergangenen Wochen nicht unwahrscheinlich erscheint, würden wir daher mit Blick auf die mittelfristig positiven Argumente dafür nutzen, das Depot wieder etwas ausgeglichener zu gestalten. Dies sollte dann im Zukauf zyklischerer Titel (z. B. aus den Bereichen Chemie, Finanzen, Automobil oder Industrie) geschehen. Für Anleger, die ihre Aktienquote schon ausgeschöpft haben, bietet sich zur Finanzierung eine Reduktion ihrer Positionierung in eher defensiv orientierten Aktieninvestments, etwa im Bereich des Basiskonsums an. An einer insgesamt ausgeglichenen Aufstellung, etwa was die Berücksichtigung struktureller Wachstumsthemen und von unterschiedlichen Regionen angeht, sollte dabei in jedem Fall festgehalten werden.

Stand 26.11.2020