Wochenausblick Aktien

veröffentlicht am 28. Mai 2020

Wochenausblick Aktien

 

Liquidität treibt die Aktienmärkte

In der vergangenen Woche legten die Aktienmärkte weltweit deutlich zu. Der US-amerikanische Leitindex S&P 500 konnte dabei sogar schon wieder seine 200-Tage-Durchschnittslinie überwinden. Der Deutsche Aktienindex (DAX) kam mit einem Zuwachs von rund 700 Punkten fast wieder in die Sichtweite dieser bei ihm aktuell bei rund 12.100 Punkten verlaufenden technischen Marke. Kursunterstützende Nachrichten gab es zuhauf: Die Covid-19-Zahlen insbesondere aus Europa verbesserten sich stetig, volkswirtschaftliche Frühindikatoren signalisieren, dass der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Aktivität im April erreicht gewesen sein dürfte.

Von besonderer Bedeutung für die Finanzmärkte sind aber in dieser Krisensituation die Reaktion von Regierungen und Notenbanken. So hat die japanische Regierung das bestehende Maßnahmenpaket noch einmal verdoppelt, so dass nun ein Betrag von 40% des BIP (!) zur Stimulierung der Wirtschaft zur Verfügung steht. Die EU-Kommission überraschte mit einem Vorschlag, den EU-Haushalt für 2021-2027 um nun sogar 750 Milliarden EUR aufzustocken, nachdem Deutschland und Frankreich in der Vorwoche eine Aufstockung um 500 Mrd. EUR vorgeschlagen hatten. Die französische Regierung gab ein neues Hilfsprogramm für den Automobilabsatz bekannt. Spannungen zwischen China und den USA in Bezug auf den Status von Hongkong konnten die Marktteilnehmer dagegen kaum beeindrucken.

Wie geht es weiter?

Die momentane Aktienmarktrallye scheint schwer mit dem fundamentalen Datenkranz in Einklang zu bringen sein: Zwar liegt der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Aktivität nun wohl in der Tat hinter uns, die jetzt langsam einsetzende Erholung wird aber von einer ganzen Reihe von Fragezeichen begleitet.

Die wichtigste Determinante sind dabei die Verbraucher und ihr Verhalten in Bezug auf die noch nicht geklärten Fragen in den Bereichen Gesundheit (wann gibt es einen Impfstoff/Medikament gegen Covid-19?), Arbeitsmärkte und der langfristigen Finanzierung der Schulden (dauerhaft über die Notenbanken oder über einen direkten Kaufkraftentzug?).

Der Absturz war zudem extrem tief, was dessen Wirkung auf die Unternehmensgewinne und die Einschätzung des Pfades ihrer Erholung sehr schwer macht. Die Reaktion der Finanzmärkte in den vergangenen Wochen hat viele Marktteilnehmer, auch uns, auf dem falschen Fuß erwischt: Wichtiger als die Fundamentaldaten scheint eindeutig der Faktor Liquidität. Das Zusammenspiel von Notenbanken und Regierungen entwickelt sich offenbar extremer, als man es sich vor einiger Zeit hätte vorstellen können.

In einem Negativzinsszenario verlieren fundamentale Bewertungsrelationen an Bedeutung: Gefragt ist nur, was in irgendeiner Weise langfristig eine positive Rendite verspricht. Dies erklärt zumindest die Marktbewegungen der vergangenen Wochen. Anleger sollten sich diesem Auseinanderlaufen von liquiditätsgetriebener Hausse und fundamental „fairem” Bewertungsniveau bewusst sein und weiter mit einem möglichen Rückschlag rechnen.

Was heißt das nun? Grundsätzlich halten wir im Aktienbereich an unserer defensiven Positionierung fest. Dies äußert sich beispielsweise in einer Bevorzugung von Titeln aus Branchen mit einer guten Vorhersehbarkeit bei den Gewinnen wie Basiskonsum, Gesundheit, Technologie und Telekommunikation. Gleichzeitig muss man aber auch konstatieren, dass sich das markttechnische Bild an den Aktienmärkten zuletzt aufgehellt hat und ein weiterer kurzfristiger Anstieg – unabhängig von der Frage seiner mittelfristigen fundamentalen Belastbarkeit – wahrscheinlicher geworden ist. In diesem Szenario kann für risikobewusst agierende flexible Anleger auch der Blick insbesondere auf niedrig bewertete zyklische Titel interessant sein.

Stand 28.05.2020