Wochenausblick Aktien

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Coronavirus beherrscht die Märkte

Am vergangenen Wochenende hat sich die Wahrnehmung der Finanzmärkte zum Coronavirus abrupt geändert: Mit dem Anstieg der Fallzahlen in Italien schalteten jetzt auch die Börsen in den USA und Europa in den Krisenmodus. Deutliche Kursverluste an den Aktienmärkten waren die Folge, während sichere Staatsanleihen extrem gesucht waren: Die 30-jährige US-Staatsanleihe markierte mit Werten um 1,80 Prozent neue Rekordtiefs bei der Rendite. Auf die deutlich verlangsamte Ausbreitung der Viruserkrankung in China reagierten asiatische Aktienmärkte insgesamt mit einer erheblich gemäßigteren Abwärtsbewegung. Belastend an den Märkten wirkte sich auch aus, dass mit Microsoft und AB InBev mehrere große Konzerne ihre kurzfristigen Prognosen mit Verweis auf die Einflüsse durch das Coronavirus absenkten.
Positive Wirtschaftsdaten wie günstiger ausgefallene Einkaufsmanagerumfragen und der ifo Geschäftsklimaindex fanden dagegen mit Verweis auf den schon einige Tage zurückliegenden Erhebungszeitpunkt und eine daraus resultierende geringe Aussagekraft kaum Beachtung.

Anleger fragen sich, wie sie in dieser Situation reagieren könnten. Es wird in den nächsten Wochen viel darauf ankommen, wie schnell die Verbreitung des Coronavirus abebbt. Dies ist derzeit nicht seriös prognostizierbar, wenngleich die Dynamik der Erkrankungen in China abnimmt. Grundsätzlich gibt es nach wie vor die Chance auf eine schnelle Erholung, denn bei genauer Analyse ist bei den meisten Unternehmen bisher kaum eine nachhaltige Eintrübung erkennbar.

Mit der Verschärfung der Situation um das Coronavirus dürfte aber auch die ungewöhnlich lange Zeit der „Sorglosigkeit“, ablesbar an sehr niedrigen Schwankungen an den Aktienmärkten, vorerst vorbei sein. Unabhängig davon, wie es die nächsten Wochen weitergeht, ist klar, dass die für dieses Jahr prognostizierte Wachstumsrate von drei Prozent für das Weltwirtschaftswachstum kaum zu halten sein wird. Es dürfte also zu neuen Rezessionsdiskussionen kommen. Dies sollte dann ähnlich wie in der Vergangenheit verstärkte Phantasien über ein Gegensteuern von Notenbanken (geldpolitisch) und Regierungen (in erster Linie fiskalisch) zur Ursache haben. Die Aktienmärkte würden dann auch mit einem vorübergehend etwas niedrigeren Ergebnisniveau eine solide fundamentale Unterstützung finden können. Wir gehen aktuell davon aus, dass unser langfristiger Ausblick (schwaches Wachstum und extrem niedrige Zinsen) und damit auch unsere strategische Vermögensallokation keiner Veränderung bedarf. Das heißt, gerade in der jetzigen Situation bewährt sich eine gute Mischung aus Aktien, Immobilien, Gold, Zinsanlagen und Liquidität. Für größer angelegte Zukäufe in Aktien ist es derzeit wohl noch zu früh. Alles in allen halten wir an unserer im Jahresausblick genannten Kursbandbreite zwischen 12.000 und 14.500 DAX-Punkten fest. Da sich eine Erholung in unserem Hauptszenario sehr schnell einstellen könnte, ist es empfehlenswert, sich schon eine „Einkaufsliste“ für gedrückte Qualitätsaktien etwa aus dem Feld der internationalen Wachstumswerte oder aus dem Bereich der deutlich niedriger notierenden zyklischen Aktien zurechtzulegen.

Stand 27.02.2020