USA: Moderater Lohnanstieg trotz Vollbeschäftigung

Veröffentlicht am 7. Juni 2019

USA: Moderater Lohnanstieg trotz Vollbeschäftigung

Der Arbeitsmarkt in den USA zeigte sich im Mai in gemischter Verfassung. Die Anzahl der Arbeitsplätze nahm um 75.000 auf insgesamt 151,1 Mio. zu, deutlich weniger als erwartet. Die Arbeitslosenquote blieb jedoch bei 3,6% und die Stundenlöhne legten um 3,1% zu.

Vollbeschäftigung

Mit einer Arbeitslosenquote von 3,6% bleibt der Zustand der Vollbeschäftigung erhalten. Die unter besonderer Beobachtung der Notenbank stehenden Stundenlöhne legten im Mai lediglich um 0,2% zum Vormonat zu. Im Vorjahresvergleich stiegen sie um 3,1%. Etwas weniger als erwartet.

Keine Lohn-Preis-Spirale in Sicht 

Dies ist ganz im Sinne der US-Notenbank (Fed), denn die gefürchtete Lohn-Preis-Spirale ist auch weiterhin nicht in Sicht.

Gemäß Lehrbuch steigen die Löhne umso schneller, je geringer die Arbeitslosigkeit ist. Höhere Löhne bewirken höhere Verkaufspreise (= Inflation), diese wiederum höhere Löhne usw.

Es bildet sich eine Spirale aus steigenden Löhnen und Preisen, die letztendlich von der Notenbank mit Hilfe höherer Leitzinsen zum Einsturz gebracht wird. Es folgt meist eine Rezession.

Globalisierung und Digitalisierung dämpfen die Preise

Das Phänomen der Lohn-Preis-Spirale ist in den vergangenen Jahren kaum noch aufgetreten. Trotz gut ausgelasteter Arbeitsmärkte, Fachkräftemangel und einer steigenden Zahl offener Stellen sind die Löhne weder in den USA noch in Deutschland bisher nach oben geschnellt. Ursächlich dafür werden insbesondere die preisdämpfenden Effekte der Globalisierung und der Digitalisierung gemacht.

Fed signalisiert Leitzinssenkungen

Die US-Notenbank hat in den vergangenen Tagen mehrfach signalisiert, dass der nächste Zinsschritt nach unten geht. Sie will mit sinkenden Leitzinsen mögliche negative Folgen des eskalierenden Handelsstreits mit China abfedern.

Enorme Zinsfantasie

Dies führte am Markt zu ausgeprägten Zinsfantasien, die mittlerweile vier (!) Zinsschritte nach unten umfassen. Wir halten dies für übertrieben, können uns allerdings eine Zinssenkung vorstellen.

Eigentlich besteht kein Zinssenkungsbedarf

Nimmt man die Zielerfüllung der Fed als Maßstab, so gibt es eigentlich keinen Bedarf für sinkende Leitzinsen. Die sich für 2020 abzeichnende Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts liegt mit knapp 2% im Bereich des Potenzialpfades und am Arbeitsmarkt dürfte die Vollbeschäftigung erhalten bleiben.

Handelt die Fed unabhängig?

Allerdings fordert der US-Präsident seit Monaten vehement niedrigere Leitzinsen, um im Wahljahr 2020 ein starkes konjunkturelles Umfeld zu haben. Bisher betonte die Fed ihre Unabhängigkeit von der Politik und sprach sich für eine geduldige geldpolitische Haltung aus. Wird es dabei bleiben?