Einkaufsmanagerindizes enttäuschen erneut

Veröffentlicht am 18. April 2019

Einkaufsmanagerindizes enttäuschen erneut

 

Die industriellen Einkaufsmanagerindizes (PMI) konnten sich im April nicht wie erhofft erholen. Sie liegen in Deutschland, Frankreich und der Euro-Zone unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Damit dürften von der Industrie auch im Sommerhalbjahr kaum Wachstumsbeiträge zu erwarten sein.

Keine Erholung im April

Während der französische PMI mit 49,6 Punkten das Wachstumssegment erneut nur knapp verfehlte, konnte sich der deutsche PMI Industrie vom vormonatlichen Absturz kaum erholen und landete bei enttäuschenden 44,5 Zählern. Auch in der Euro-Zone ging es mit 47,8 Punkten nur wenig nach oben. Damit bleiben die Perspektiven im industriellen Sektor eingetrübt.

Etwas beruhigend wirkt lediglich, dass die PMI Composite (= Gesamtindex) in Deutschland und der Euro-Zone mit 52,1 bzw. 51,3 Punkten immer noch im Wachstumsbereich liegen. Auch in Frankreich hat der Gesamtindex wieder die Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten erreicht.

BIP Deutschland 2019: 0,5% bis 1,0%

Nach dem schwachen zweiten Halbjahr 2018 muss mittlerweile davon ausgegangen werden, dass auch das Sommerhalbjahr 2019 konjunkturell gesehen lediglich moderat ausfällt. Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wird im Gesamtjahr 2019 voraussichtlich nur zwischen 0,5% und 1,0% liegen. Im vergangenen Jahr waren es noch 1,4% in Deutschland.

“Hausgemachte” Rezession möglich

Eine Rezession ist wenig wahrscheinlich, kann allerdings eintreten, wenn Verbraucher und Investoren sie selbst “inszenieren”, indem Konsumausgaben auf das Notwendigste reduziert und Investitionen verschoben oder gekürzt werden. Die Gefahr einer “hausgemachten” Rezession, die herbei geredet, herbei geschrieben und herbei getalkt wird, ist nicht von der Hand zu weisen.

Hintergrund

Einkaufsmanagerindizes sind auch als PMI (Purchasing Managers Index) bekannt. Sie gelten als recht zuverlässige Frühindikatoren für die kurzfristige konjunkturelle Entwicklung. PMI werden sowohl für die Industrie als auch für den Dienstleitungssektor erhoben. Sie zeigen an, ob eine Volkswirtschaft wächst, stagniert oder schrumpft.

Einkaufsmanagerindizes basieren auf monatlichen Befragungen von mehreren hundert Unternehmen. Gefragt wird nach der erwarteten Entwicklung von Kenngrößen wie Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Lieferzeiten und Lagerbestand. Aus den Antworten werden die PMI berechnet. Dabei gilt ein Wert von 50 als Wachstumsschwelle, als neutral. Bei 50 Punkten erwarten die befragten Unternehmen in der Summe keine Veränderung gegenüber dem Vormonat, also Stagnation. Werte über 50 signalisieren eine Verbesserung, also Wachstum. Liegt ein PMI unter 50 Punkten, wird mit einer schrumpfenden Industrieproduktion gerechnet.

Je größer die Abweichung von der Wachstumsschwelle, desto ausgeprägter ist der Aufschwung (über 50) bzw. der Abschwung (unter 50). Eine Rezession tritt allerdings noch nicht unmittelbar bei 49,9 Zählern ein, da die Industrie nur einen Teil der gesamten Volkswirtschaft darstellt. Der weitaus größere Teil der Wirtschaftsleistung entfällt auf den Dienstleistungssektor, der zudem weniger schwankungsanfällig als der industrielle Sektor ist. In den USA gilt als kritische Grenze ein industrieller PMI von 43. Erst bei dessen Unterschreitung dürfte eine Rezession vor der Tür stehen.

PMI für alle wichtigen Volkswirtschaften 

Einkaufsmanagerindizes werden in allen bedeutenden Volkswirtschaften erhoben. Der älteste ist der amerikanische Purchasing Managers Index, erstmals berechnet 1931. PMI bewegen sich im Normalfall zwischen 40 und 60 Punkten. In Extremzeiten sind auch mal höhere oder tiefere Werte möglich. Im Dezember 2017 kletterten der deutsche PMI auf den Rekordstand von 63,3 Punkten, während der Einkaufsmanagerindizes aus Chicago sogar fast die 67-er Marke erreichte.