Unbeeindruckt vom US-Angriff auf Venezuela und der Entführung seines Präsidenten zur Strafverfolgung in New York erklommen die großen US-Aktienindizes zu Wochenbeginn neue Rekordstände. Auch der DAX durchbrach am Mittwoch erstmals die Marke von 25.000 Punkten. Einerseits profitierte der deutsche Aktienmarkt dabei von der zuletzt gestiegenen Zuversicht hinsichtlich der stimulierenden Wirkung des Fiskalpakets. Andererseits stützte die Rüstungsbranche den Markt, da sie von den jüngsten geopolitischen Spannungen und Verwerfungen profitierte. Auch Gold, das Synonym des sicheren Hafens an den Finanzmärkten, setzte seinen Aufwärtstrend fort. Mit einer Fülle von Aussagen zu den Themen Öl, Gewinnausschüttungen von Rüstungsunternehmen und Restriktionen für große institutionelle Investoren beim Erwerb von Immobilien versetzte die US-Administration am Mittwoch der positiven Stimmung an den US-Börsen dann aber einen Dämpfer.
Die Inflationsraten in Deutschland und Frankreich fielen im Dezember deutlich geringer aus als vom Markt erwartet. Hinzu kamen die schwachen deutschen Einzelhandelszahlen für November. Mit Blick einer vor diesem Hintergrund möglicherweise lockereren Gangart der EZB gaben daraufhin die Renditen deutscher Staatsanleihen nach.
Ein Lichtblick für die heimische Konjunktur waren am Donnerstag die Auftragseingänge. Mit einem monatlichen Anstieg von fast 6 Prozent wurden die Erwartungen eines Rückgangs von 1 Prozent deutlich übertroffen.
Jenseits des Atlantiks deuten die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten aus der zweiten Reihe (ADP) weiterhin auf eine Abkühlung hin. Die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor überraschten hingegen positiv und erreichten den höchsten Stand des vergangenen Jahres.
Wie geht es weiter?
Nach den jüngsten Aussagen der US-Regierung bezüglich ihres Interesses an Grönland dürften die Spannungen auf der weltpolitischen Bühne eher zunehmen. Dennoch scheint die in unserem Jahresausblick beschriebene Beobachtung „Mikro schlägt Makro“ noch immer zu gelten. Aus Sicht der Finanzmärkte hat sich durch das Eingreifen der USA in Venezuela unmittelbar wenig am ohnehin erhöhten geopolitischen Risiko verändert. Wie auch im Fall von Venezuela könnte ein Abtreten Grönlands von Dänemark an die USA aus der Perspektive der Finanzmärkte zumindest unmittelbar wenig am Gesamtbild ändern. Denn die EU verfügt gegenwärtig nur über ein geringes wirtschaftliches und geopolitisches Gegengewicht und dürfte eine Eskalation um jeden Preis vermeiden wollen.
Für Börsianer ist der morgige US-Arbeitsmarktbericht einer der wichtigsten Termine im Kalender. Da die Datenqualität beim letzten Arbeitsmarktbericht aufgrund des Shutdowns geringer ausfiel als üblich, dürfte der aktuelle Bericht handfestere Rückschlüsse auf das weitere Vorgehen der US-Notenbank (Fed) zulassen. Die Momentaufnahme der US-Wirtschaft für die Fed wird erst durch den Inflationsbericht in der nächsten Woche komplettiert. Die letzten Zahlen zum Vormonat waren ebenfalls mangels Datenerhebung während des Shutdowns verzerrt.
Zudem könnte der US-Supreme Court diese Woche Freitag eine Entscheidung zur Frage der Rechtmäßigkeit der Zölle treffen.
Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen und der starke Jahresauftakt an den Finanzmärkten mit dem Durchbrechen wichtiger psychologischer Marken mahnen weiterhin zur Vorsicht. Dies unterstreicht eines der Standbeine unseres Jahresausblicks: „Resilienz leben”. Wir setzen daher auf die Strategien unseres Ausblicks: Streuung, Reallokation und eine verstärkte Berücksichtigung risikoreduzierter Anlageklassen. Aktuell bewerten wir hier vor allem das Anleihesegment positiv.





