Wochenausblick Aktien: (Keine) „Big Rotation“ durch Trumps Taiwan-Aussagen?

veröffentlicht am 18. Juli 2024

Wochenausblick Aktien: (Keine) „Big Rotation“ durch Trumps Taiwan-Aussagen?

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Im Fokus der letzten Tage lagen der Wahlkampf um das US-Präsidentschaftsamt sowie die Beziehung der USA zu Taiwan und China. Bei diesen marktbewegenden Themen rückt die heutige EZB-Sitzung fast in den Hintergrund.

Aufgrund des Attentats auf den Präsidentschaftskandidaten Trump dürften dessen Chancen auf einen Wahlsieg gestiegen sein. Nachdem Demoskopen jedoch schon zuvor die meisten Swing States in republikanischer Hand gesehen haben, fielen die Marktreaktionen vergleichsweise gering aus. Deutlich größere Auswirkungen hatten die Äußerungen des Ex-Präsidenten, dass Taiwan künftig für die Verteidigung gegen China bezahlen sollte. Viele prominente Technologietitel mit engen Beziehungen zum Inselstaat gaben daraufhin nach, was auch den Nasdaq insgesamt nach unten zog. Im Zuge des Wahlkampfs eingebrachte Überlegungen zu möglichen Handelsbeschränkungen, die einen Know-how-Abfluss nach China vermeiden sollen, verstärkten den Effekt. Die entsprechenden Gegenreaktionen Pekings bleiben abzuwarten.

Das Reich der Mitte wiederum startete mit der Veröffentlichung des BIP-Wachstums für das zweite Quartal in die Woche. Der Anstieg von 4,7 % im Vergleich zum Vorjahr fiel niedriger aus als von Experten erhofft und liegt unter dem eigenen Anspruch der Zentralregierung. Auch der seit Februar deutlich angestiegene Handelsbilanzüberschuss – von knapp 40 Mrd. USD im Februar auf 100 Mrd. USD im Juni – darf nicht über die Probleme der zweitgrößten Volkswirtschaft hinwegtäuschen. Zum einen ist der Anstieg auf das typische Saisonmuster der ersten Jahreshälfte zurückzuführen. Zum anderen ist der Überschuss vor allem durch schwache Importe und nicht durch stärkere Exporte induziert.

Wie erwartet, hat die EZB die Leitzinsen unverändert gelassen sowie ihren datengetriebenen und „von Sitzung zu Sitzung“ agierenden Ansatz nochmals bestätigt. Die Marktreaktionen fielen entsprechend begrenzt aus.

Wie geht es weiter?

Die Ereignisse bzw. Äußerungen, die zu den Rückgängen bei den großen Technologietiteln führten, verliehen den Nebenwerten mit Fokus auf die US-Binnenwirtschaft eine vergleichsweise gute Entwicklung. Kommt es nun also zur „Big Rotation“ hin zu Small und Midcaps (Titel mit kleiner und mittlerer Marktkapitalisierung)? Eine solche Umschichtung halten wir für verfrüht – haben politische Börsen doch bekanntlich kurze Beine. Die dafür nötigen fundamentalen Rahmenbedingungen sehen wir als noch nicht gegeben an. Die Hoffnungen auf eine Zinswende wurden durch die zuletzt niedrigere US-Inflation und die Äußerungen des Fed-Chefs Powell zwar bestärkt. Leitzinssenkungen dürften jedoch weder besonders kräftig ausfallen noch besonders schnell ihre Wirkung entfalten. Bis diese auf ein unterstützendes Niveau gesunken sind, könnte es noch eine Weile dauern. Zudem reduziert sich das Tempo der US-Konjunktur aktuell eher, als dass es zunimmt.

Wir empfehlen bei der in unserem frisch veröffentlichten Halbjahresausblick beschriebenen Strategie zu bleiben: ein ausgewogenes Portfolio von robusten und international ausgerichteten Aktien-Engagements zu halten, ohne dabei einen Fokus auf eine bestimmte Stilrichtung oder Unternehmensgröße zu legen. Natürlich bleiben auch Festverzinsliche mit einer diversifizierten Emittenten- und Fälligkeitsstruktur attraktiv.

Ein weiterer Anlagebaustein, der sich zuletzt als geradezu essenziell gezeigt hat, ist Gold. In den aktuell ungeordneten Zeiten profitierte das Edelmetall bereits von diversen Ereignissen. Ob höhere Inflationserwartung, geopolitische Spannungen oder umstrittene wirtschaftspolitische Reformpläne von Politikern (zu Handelszöllen, Steuersenkungen, Senkung des Renteneintrittsalters, …): Gold war in diesem Jahr als sicherer Hafen äußerst gefragt und wird es wohl auch künftig bleiben.

Stand 18.07.2024