Einkaufsmanagerindizes erleiden Rückschläge

veröffentlicht am 21. Juni 2024

Einkaufsmanagerindizes erleiden Rückschläge

 

Die Einschätzungen der europäischen Einkaufsmanager fielen im Juni durch die Bank weg negativ aus. Sowohl die Indizes nach den Regionen Frankreich, Deutschland und Euro-Zone als auch nach den Sektoren Industrie und Dienstleistungen mussten nach dem bisherigen Erholungskurs nun Rückschläge hinnehmen. Grund dafür könnte die Verunsicherung aufgrund der in Frankreich ausgerufenen Neuwahlen mit ungewissem Ausgang und die sich anbahnenden Handelsstreitigkeiten mit China sein.

Per Saldo fiel der Gesamtwert für die Euro-Zone um 1,7 auf 50,8 Punkte. Damit liegt der Wert aber trotzdem noch leicht über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Abhängig vom Wahlausgang in Frankreich und den Verhandlungen mit China könnte es sich zunächst nur um einen temporären Rücksetzer handeln. Denn die meisten anderen ökonomischen Indikatoren deuten darauf hin, dass die konjunkturelle Talsohle durchschritten wurde und es nun zu einer durch den Dienstleistungssektor getragenen Rückkehr auf den Wachstumspfad kommen sollte.

Industrie mit stärksten Rückgängen

Hatten sich die Indizes im verarbeitenden Gewerbe im Mai noch langsam an die Wachstumsschwelle herangerobbt, fiel die Verstimmung im Juni dort am größten aus. Der industrielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für Deutschland sackte um ganze 2,0 auf 43,4 Punkte ab. Das französische Pendant fiel um 1,1 auf 45,3 Zähler. Für die gesamte Euro-Zone ergab sich ein Minus von 1,7 auf 45,6 Punkte.

Fazit: Die europäische Industrie hat sich wieder weiter von der Wachstumsschwelle entfernt. Die Hoffnung ist, dass es sich um einen einmaligen Rückschlag aufgrund temporärer politischer Verunsicherung handelt.

Deutsche Dienstleister noch auf Wachstumskurs

Im Dienstleistungssektor fallen die Rückgänge nicht ganz so groß aus. Der deutsche Service-Index verliert zwar 0,7 Zähler, liegt mit 53,5 Punkten aber noch im Expansionsbereich. Der französische PMI büßte 0,5 Punkte ein und liegt nun bei einem Wert von 48,8 und damit etwa auf dem Stand von Februar und März. Für die Euro-Zone liegt der Index bei 52,6.

Fazit: Der Dienstleistungssektor dürfte der europäische Wachstumstreiber werden, wobei sich die Gewichtung nun eher Richtung Deutschland bewegt.

Europäischer Composite verbessert

Bei den Gesamtindizes (Composites) spiegelt sich im Juni der Abwärtstrend wider. Der deutsche Composite reduzierte sich um 1,8 auf 50,6 Zähler, während der französische PMI um 0,7 auf 48,2 Punkte nachließ. Der Euro-Gesamtindex sank um 1,4 auf 50,8 Zähler, liegt damit aber noch über der Wachstumsschwelle.

Gesamtfazit: Die europäische Industrie zeigt sich aufgrund politischer Unwägbarkeiten stark verunsichert. Der Dienstleistungssektor scheint etwas weniger beeinträchtigt, so dass die Zeichen einer konjunkturellen Erholung noch nicht abgeschrieben werden müssen.

 

Hintergrund: Was ist ein PMI?

Einkaufsmanagerindizes sind auch als PMI (Purchasing Managers Index) bekannt. Sie gelten als recht zuverlässige Frühindikatoren für die kurzfristige konjunkturelle Entwicklung. PMI werden sowohl für die Industrie als auch für den Dienstleitungssektor erhoben. Sie zeigen an, ob eine Volkswirtschaft wächst, stagniert oder schrumpft.

Einkaufsmanagerindizes basieren auf monatlichen Befragungen von mehreren hundert Unternehmen. Gefragt wird nach der erwarteten Entwicklung von Kenngrößen wie Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Lieferzeiten und Lagerbestand. Aus den Antworten werden die PMI berechnet.

Dabei gilt ein Wert von 50 als Wachstumsschwelle, als neutral. Bei 50 Punkten erwarten die befragten Unternehmen in der Summe keine Veränderung gegenüber dem Vormonat, also Stagnation.

Werte über 50 signalisieren eine Verbesserung, also Wachstum.

Liegt ein industrieller PMI unter 50 Punkten, wird mit einer schrumpfenden Industrieproduktion gerechnet.

Je größer die Abweichung von der Wachstumsschwelle, desto ausgeprägter ist der Aufschwung (über 50) bzw. der Abschwung (unter 50).

PMI für alle wichtigen Volkswirtschaften

Einkaufsmanagerindizes werden für alle bedeutenden Volkswirtschaften erhoben. Der älteste ist der amerikanische Purchasing Managers Index, erstmals berechnet 1931.

PMI bewegen sich im Normalfall zwischen 40 und 60 Punkten. In Extremzeiten sind vorübergehend auch höhere oder tiefere Werte möglich.

So fielen die Industrie-PMI in der Corona-Krise in den unteren 30-er Bereich, die Dienstleister sogar bis auf die 10-er Linie.

Im März 2021 stellte der deutsche Industrie-PMI mit 66,6 Punkten einen neuen Rekord auf, während der Einkaufsmanagerindex aus Chicago seinen Höchststand von 76,6 Zählern bereits im Februar 1973 markierte.