Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen weiter verbessert

veröffentlicht am 18. Juni 2024 um 16:00 Uhr

Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen weiter verbessert

 

Der vom Mannheimer Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW ermittelte konjunkturelle Frühindikator stieg im Juni erneut um 0,4 auf 47,5 Punkte. Der Wert lag zwar unter den Erwartungen von 50 Zählern, markiert aber den elften Anstieg in Folge und den höchsten Stand seit Februar 2022.

Konjunktur-Optimismus wächst weiter

In den kommenden sechs Monaten erwartet mittlerweile eine Mehrheit von 55,7% der Befragten eine konjunkturelle Verbesserung. Nur noch 35,7% rechnen mit einer unveränderten Entwicklung und 8,4% (also 1,3% mehr als bei der letzten Befragung) mit einer Verschlechterung. Daraus errechnet sich der aktuelle ZEW Indikator von 47,5 Punkten.

Lage weiter schlecht

Die Einschätzung der aktuellen Lage hat sich dagegen verschlechtert. Nur 2,0% der Befragten empfinden sie als gut, 22,2% sehen sie als normal an und 75,8% beurteilen sie als schlecht. Per Saldo reduzierte sich der entsprechende Lage-Indikator also auf bereits niedrigem Niveau um weitere 1,6 auf minus 73,8 Punkte.

Erwartung für stagnierende Inflationsraten

In der Juni-Befragung geht zwar die Mehrheit in Höhe von 47,4% davon aus, dass sich die Inflationsrate in Deutschland nicht verändern wird. Dies sind jedoch 2,6% weniger als noch im Mai. Die zweitgrößte Gruppe, 44,7% der Ökonomen, rechnet mit einer abnehmenden Teuerungsrate. Zugenommen hat der Anteil derer, die an eine steigende Inflationsrate glauben. Diese machen nun 7,9% der Befragten aus (+3,4%).

Für den Euroraum zeigt sich ein ähnliches Bild. So gehen 47,7% von einer unveränderten und 43,1% von einer sich reduzierenden Preissteigerungsrate aus. Diejenigen, die mit einer sich erhöhende Inflation rechnen, stellen zwar die Minderheit. Ihr Anteil hat sich mit +5,4 Prozentpunkten auf 9,2% allerdings mehr als verdoppelt.

Für die USA liegt die Mehrheitseinschätzung mit 54,1% bei einer nachlassenden Teuerungsrate. Der Anteil ist um 6,1 Prozentpunkte gegenüber Mai gestiegen.

Sinkende Leitzinsen erwartet

Bei den stark von den Notenbanken beeinflussten kurzfristigen Zinsen bleiben die Einschätzungen weiter abwärtsgerichtet. Auch nach der im Juni erfolgten Leitzinssenkung durch die EZB rechnet eine klare Mehrheit von 79,7% mit mindestens einer weiteren Senkung innerhalb der nächsten 6 Monate. Für die Fed sehen dies zwar „nur“ 69,3%, ihr Anteil ist allerdings mit einem Plus von 12,8 Prozentpunkten deutlich gestiegen. Letztere dürften diejenigen Ökonomen sein, die von einer Senkung im Dezember ausgehen.

Unveränderte kurzfristige Zinsen östlich bzw. westlich des Atlantiks sehen 17,6% bzw. 29,4% der Befragten. Nur eine Minderheit geht von steigenden Leitzinsen in der Euro-Zone (2,7% der Experten) und den USA (1,3%) aus.

Renditen unverändert

Rund die Hälfte der Befragten sieht im kommenden halben Jahr unveränderte langfristige Zinsen. Für Deutschland sind es 48,4%, für die USA 45,4%. Mit rückläufigen Renditen in Deutschland rechnen 40,5% und in den USA 44,7% der Volkswirte. Steigende Langfristzinsen erwarten nur 11,1% für Deutschland und nur noch 9,9% für die USA.

DAX soll leicht steigen

Beim DAX hat die Zahl der Optimisten zugenommen. Mittlerweile rechnen 41,4% der Befragten in den kommenden sechs Monaten mit steigenden Notierungen. Mit 37,9% der Experten erwartet nur noch die zweitgrößte Gruppe einen unveränderten Deutschen Aktienindex. Mit einem rückläufigen Börsenbarometer rechnen 20,7%.

Dollar dürfte aufwerten

Anders als im Mai sieht die Mehrheit (47,7%) der Befragten den US-Dollar gegenüber dem Euro für die nächsten sechs Monate stärker. Während 32,2% keine Veränderung erwarten, gehen 20,1% von einer Abwertung aus.

Fazit: Die Konjunkturerwartungen haben sich auch im Juni weiter aufgehellt und stützen unsere Einschätzung, dass die konjunkturelle Erholung im laufenden Quartal beginnt.

 

Hintergrund: Vorbote konjunktureller Wendepunkte

Der ZEW Indikator gilt als Vorbote konjunktureller Wendepunkte in Deutschland. Die ZEW Konjunkturerwartungen sind ein Frühindikator für die wirtschaftliche Lage, vergleichbar mit den ifo Geschäftserwartungen. Abgefragt werden die Erwartungen für die kommenden sechs Monate.

ZEW Indikator seit 1991

Seit 1991 werden im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests monatlich bis zu 300 Expertinnen und Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen ausgewählter Großunternehmen kontaktiert. Sie werden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung in Deutschland, der Euro-Zone, den USA und China befragt.

Konkret sind es die Erwartungen für die nächsten 6 Monate bezüglich Wirtschaftswachstums, Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes und Wechselkursen.

An der April-Umfrage des ZEW vom 10. bis 17.05.2024 beteiligten sich 154 Personen.