Deutsche Inflationsrate durch Basiseffekt bei 2,4%

veröffentlicht am 29. Mai 2024

Deutsche Inflationsrate durch Basiseffekt bei 2,4%

 

Der deutsche Verbraucherpreisindex (VPI) legte im Vergleich zum Vormonat laut destatis um 0,1% zu und lag damit unter der Konsensschätzung. Dies ist der niedrigste Wert in diesem Jahr. Zuletzt lag der Anstieg bei 0,5%. Der Rückgang ist jedoch aufgrund von Saisoneffekten etwas zu relativieren, denn der Preisanstieg schwächt sich nach Ostern üblicherweise ab.

Auch beim Vorjahresvergleich gilt es Sondereffekte zu berücksichtigen. Denn da die Teuerung im Mai 2023 im Vergleich zum Vormonat um 0,1% zurückging, liegt die Veränderungsrate im Mai 2024 schon rein rechnerisch aufgrund des Basiseffekts höher. So überrascht es nicht, dass die Inflationsrate im Jahresvergleich bei 2,4% liegt. So wurde es auch vom Markt erwartet. Im April lag sie bei 2,2%.

Die Annäherung der Headline-Inflationsrate an den von der EZB angestrebten Wert von 2,0% dürfte sich zwar verlangsamen. Doch auch wenn der Zielwert im weiteren Jahresverlauf noch nicht erreicht werden sollte, sind die Abweichungen nur noch relativ gering, verglichen mit denen von Ende 2022 bzw. Anfang 2023.

HVPI steigt auf 2,8%

Auf Basis des von der EU und der EZB verwendeten Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg die Inflationsrate mit 2,8% merklich an. Doch auch hier ist der Basiseffekt zu berücksichtigen, weshalb der Anstieg bis auf 0,1 Prozentpunkte so auch vom Markt erwartet wurde. Im Monatsvergleich legte der HVPI um 0,2% zu. Der HVPI unterscheidet sich vom VPI durch eine andere Gewichtung der Güter und Dienstleistungen im Warenkorb.

Kernrate unverändert bei 3,0%

Die ohne Nahrungsmittel- und Energiepreise berechnete Kernrate der Inflation verharrte vorläufigen Angaben zufolge im Mai bei 3,0%. Der Abstand zur Gesamtrate reduzierte sich dadurch von 0,8 auf 0,6 Prozentpunkte.

Nahrungsmittel und Energie wirken bremsend

Seit Februar hat sich der Höhenflug der Nahrungsmittelpreise abgebremst. Sie lagen nur um 0,6% über dem Niveau des Vorjahres. Der Nahrungsmittel-Anteil im Warenkorb liegt bei 10,5%.

Auf dem Rückzug blieben auch die Preise für die mit 7,4% gewichtete Energie. Diese reduzierten sich zwar nicht mehr so stark wie im April (-1,2%), lagen im Mai aber weiterhin 1,1% unter ihrem Vorjahresniveau.

Der Warenkorb teilt sich etwa hälftig auf Waren und Dienstleistungen auf, die sich weiterhin recht unterschiedlich entwickeln. Waren verteuerten sich insgesamt um 1,0% zum Mai des Vorjahres, nachdem sie im April um 1,2% gestiegen waren.

Die Preise für Dienstleistungen zogen im Mai um 3,9% an. Im April lag das Plus noch bei 3,4%. Der stärkere Preisanstieg dürfte auf die hohen Tarifabschlüsse zurückzuführen sein, die im personalintensiven Dienstleistungssektor besonders zum Tragen kommen.

Wie geht es weiter?

Die deutsche Inflationsrate dürfte in den kommenden Monaten weiterhin bei etwa 2,5% liegen. Ab September könnte sie sich jedoch nahe an das Inflationsziel herantasten und erst zum Jahresende wieder signifikant ansteigen.

Warum steigt der Preisindex heute schneller als früher? Die Tarifverhandlungen in 2024 dürften mit substantiellen Lohnsteigerungen ausgehen (privates Bankengewerbe fordert 12,5%; Chemie fordert 7,0%; Einzelhandelsverband empfiehlt Vergütungsanhebung von 10%; im Bauhauptgewerbe liegt Schlichterspruch von 250€ zzgl. 4,2% vor, um nur ein paar zu nennen). Diese werden sich wiederum in den Preisen für Waren und insbesondere Dienstleistungen widerspiegeln.

Für das Gesamtjahr 2024 erscheinen in Deutschland durchschnittliche Inflationsraten von 2,4% beim VPI und 2,6% beim HVPI realistisch.

Die Kernrate spiegelt die deutlich steigenden Löhne und Gehälter stärker wider und wird langsamer zurückkommen als die Gesamtraten. Sie dürfte im Gesamtjahr bei 2,9% liegen.

Fazit: Die Inflationsraten dürften zwar kaum noch sinken, der Abstand zum Zielwert ist aber nicht mehr so groß wie noch im letzten Jahr. Dies sollte der EZB erlauben, eine nicht mehr ganz so restriktive Geldpolitik zu verfolgen und im Juni die Leitzinsen erstmals zu senken.