Die Sorgenfalten der Anleger wurden über das vergangene Wochenende nicht weniger, im Gegenteil. Dabei trübte sich die Stimmung aus verschiedenen Richtungen ein. Einerseits belasteten neuerliche Bedenken über die weltweite Energieversorgung im Angesicht der sich zuspitzenden Lage im Nahen Osten inklusive Ölnotierungen deutlich über 100 US-Dollar und steigender Anleiherenditen. Andererseits weckten von prominenter Stelle geäußerte Forderungen, die Entwicklung von „Künstlicher Intelligenz“ aus Sicherheitsgründen zu drosseln, die Aufmerksamkeit. Unter diesen ungünstigen Vorzeichen kamen die internationalen Aktienbarometer kaum vom Fleck.
Bereits Ende vergangener Woche wurden die jüngsten Inflationsdaten aus den Vereinigten Staaten sorgsam unter die Lupe genommen. Mit einer Teuerungsrate von 3,4 Prozent und einer Kernrate von 2,4 Prozent lagen die publizierten Werte sehr nahe an den Prognosen der befragten Ökonomen. Gleichzeitig wurde auf dem Rücken dieser Zahlen die Erwartung einer Anhebung der Leitzinsspanne durch die US-amerikanische Notenbank weiter gefestigt.
Und so kam es dann auch. Die Währungshüter aus Übersee haben auf ihrer turnusmäßigen Sitzung das Leitzinsband einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent erhöht – mithin die erste Straffung der Geldpolitik seit Juli 2023.
Auf der Unternehmens- bzw. Branchenebene sorgten mehrere Äußerungen von führenden Protagonisten aus der KI-Welt für Aufsehen. Das Werben um ein langsameres Entwicklungstempo sowie der Aufschub des eigentlich für 2026 geplanten Börsengangs des ChatGPT-Erfinders OpenAI schlugen prompt Wellen und führten innerhalb des Technologiesektors zu einer kurzfristigen Rotation von Hardware- in Softwaretitel.
Wie geht es weiter?
Es liegen mit Blick auf die Investitionsentscheidungen der Marktteilnehmer zahlreiche Belastungsfaktoren auf dem Tisch, die das Potenzial haben, Risikoanlagen mit mehr Zurückhaltung zu betrachten. Gleichzeitig halten sich die internationalen Aktienmärkte in diesem offensichtlich schwierigen Fahrwasser immer noch sehr robust. Die bis zuletzt prosperierenden Unternehmensgewinne sind der Faustpfand für die positive Beurteilung der Anlageklasse. Vielmehr ist die zur Schau gestellte operative Stärke vieler Börsengesellschaften der bedeutendste Pluspunkt gegenüber den Unwägbarkeiten auf geo- und geldpolitischer Ebene.
Apropos Geldpolitik. Ein Ausbleiben der Zinsanhebung durch die US-Notenbank hätte deren Glaubwürdigkeit wohl eher beschädigt. Klar ist in diesem Kontext, dass die schon lange über dem Zielwert liegende Inflation aufgrund der Energiepreisanstiege und etwaiger Zweitrundeneffekte erhöht bleiben wird („higher for longer“).
Wichtig: Wir gehen nicht von dem Beginn eines Zinserhöhungszyklus in den USA aus. Gemäß aktualisierter Projektionen neigt die überwiegende Mehrheit der Ratsmitglieder lediglich zu einer weiteren leichten Zinsstraffung noch in diesem Jahr. Selbst dieser Schritt ist aus unserer Sicht keinesfalls in Stein gemeißelt.
Mit der demonstrierten Unabhängigkeit der Geldpolitiker gegenüber der US-Administration dürfte etwas mehr Ruhe in die Anleihemärkte einkehren und der merkliche Renditeanstieg der vergangenen Wochen auslaufen. Vor diesem Hintergrund betonen wir erneut die relative Attraktivität von bonitätsstarken Festverzinslichen gegenüber Dividendenpapieren.