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Wochenausblick Aktien

Unser Wochenausblick hebt Sie heraus aus dem tagesaktuellen Geschehen des Finanzmarktes und fasst die wichtigsten Informationen kompakt zusammen. Mit dieser Einordnung lassen sich aktuelle Markttrends besser verstehen und sie hilft, Chancen und Risiken effektiver zu analysieren. Das Experten-Team der Haspa liefert kapitalmarktspezifische Einschätzungen zur Weltlage, kommentiert Finanz-News und weist auf wichtige Termine hin.

KI-Euphorie geht in Verschnaufpause

Bis Anfang der Woche hielt die Rallye am US-Aktienmarkt an. Gestern gab es dann ein kollektives Durchatmen und die Leitindizes auf dem amerikanischen Börsenparkett schlossen tiefer als am Vortag.

Spannend ist aber auch der Blick noch weiter zurück. Denn vor ziemlich genau einem Jahr war der Schock von den US-Zöllen und vom Angriff auf die Unabhängigkeit der Federal Reserve am Kapitalmarkt wieder weitgehend verdaut. Der S&P 500 hatte Anfang Juni 2025 wieder seinen alten Höchststand erreicht und der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar blieb danach strukturell weitgehend unverändert. In den 12 Monaten seitdem legte der S&P 500 rund 27 Prozent zu. Dies entspricht fast genau dem Gewinnwachstum vom ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der DAX stieg hingegen nur um 2 Prozent bei einem Gewinnwachstum von rund 4 Prozent. Der Euro Stoxx 50 bewegte sich mit jeweils etwa 12 Prozent dazwischen. Auf der Mikro-Ebene scheinen die Kursbewegungen also fundamental gut begründet zu sein.

Schwerer ist es, dies mit den Makro-Zahlen zusammenzubringen. Denn gemäß zweiter Schätzung lag das reale BIP-Wachstum in den USA im ersten Quartal 2026 annualisiert nur bei 1,6 Prozent. Dies ist deutlich weniger als im Trend der letzten 3 Jahre und das, obwohl darin Aufholeffekte aus dem Haushalts-Shutdown enthalten sind. Selbst wenn man eine Inflation von rund 3 Prozent hinzurechnet, kommt man nominal nur auf einen Zuwachs von unter 5 Prozent. Die Gewinnausweitung der börsennotierten Unternehmen geht also weit über das Wachstum der Volkswirtschaft hinaus.

Die Frühindikatoren zeichnen vordergründig einen starken Ausblick. Die Auftragseingänge stiegen um knapp 8 Prozent und der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie erreichte mit 54 Zählern den höchsten Wert seit Mai 2022. Rechnet man bei den Auftragseingängen allerdings die Flugzeugbestellungen heraus bleibt „nur noch“ ein Plus von gut 1 Prozent. Und der PMI dürfte v.a. von vorgezogenen Bestellungen zum Lageraufbau geprägt sein. Der Subindex für Beschäftigung ist dagegen schon seit über einem Jahr im Kontraktionsbereich und viele Unternehmen sprechen von einem Einstellungsstopp.

Wie geht es weiter?

Aufgrund ihrer bisherigen Kommunikation und der Markterwartung müsste die EZB das Auslassen einer Leitzinserhöhung schon sehr gut begründen. Mehr Details zu unserer Einschätzung zur Geldpolitik und zum Rentenmarkt finden Sie im neuen ZinsForum. In den USA werden am Freitag die Arbeitsmarktzahlen veröffentlicht, wo keine großen Bewegungen erwartet werden. Am Mittwoch folgen dann die Teuerungsdaten. Die Headline-Inflation (inklusive Energiepreise) könnte erstmals seit 3 Jahren wieder die 4-Prozentmarke überschreiten.

Die Luft für weitere Kursgewinne am Aktienmarkt ist sehr dünn, weshalb wir vorerst mit einer Verschnaufpause rechnen. Bei einzelnen Indizes, wie z.B. beim südkoreanische KOSPI mit einer Kurs-Verdopplung seit Jahresbeginn, kann man den Gedanken an eine Blasenbildung nicht vollkommen wegschieben. Hinzu kommt, dass der Ölpreisschock nun schon seit über 3 Monaten anhält und die Reserven im Rekordtempo abgebaut werden. Zwar werden die Inflationssorgen intensiv diskutiert, doch scheinen uns die Risiken für die Konjunktur derzeit unterschätzt.

Neben Donald Trump und seiner bekanntlich erratischen Kommunikation birgt sicherlich der Börsengang von SpaceX nächste Woche Freitag das größte Überraschungspotenzial. Mit einer angestrebten Bewertung von 1,77 Bio. US-Dollar wäre es Platz 7 im S&P 500. Beim Umsatz läge es dagegen nur im Mittelfeld (etwa auf Platz 200). Diese Marktkapitalisierung kann kaum fundamental begründet werden. Sie entspräche dem 94-fachen des Jahresumsatzes – nicht des Gewinns, da das Unternehmen zuletzt 5 Mrd. Nettoverlust gemacht hat. Spannend wird aber, ob Investoren die Vision von Elon Musk goutieren, es zum FOMO-Effekt („fear of missing out“ = Die Angst etwas zu verpassen) kommt und Anleger daher „von Anfang an“ dabei sein wollen.

Statt zu spekulieren, wie der Börsengang letztlich laufen könnte, sollten sich Anleger lieber auf ein ausgeglichenes Portfolio konzentrieren. Aktien können als Realwerte einen Schutz vor Inflation darstellen. Dabei setzen wir in der aktuellen Situation allerdings verstärkt auf nicht-zyklische bzw. nicht-konjunktursensitive Titel. Die Zinsen im Euroraum sehen wir am langen Ende derzeit auf einem angemessenen Niveau. So liegt die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen mit 3,0 Prozent genau auf Höhe unserer Prognose zum Jahresende. Auch in diesem Segment scheinen die Risiken aktuell nicht ausreichend berücksichtigt zu sein, weshalb wir zu besseren Bonitäten tendieren.