Midterms als Katalysator?
Nach dem stärker als erwartet ausgefallenen Sieg der Opposition (deutliche Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses) bei den US-Zwischenwahlen (Midterms) haben die Finanzmärkte insgesamt positiv reagiert. Nachdem klar war, dass die Demokraten mit ihrer Mehrheit in beiden Häusern zukünftig die Ausgaben der Regierung blockieren können, legten US-Staatsanleihen deutlich zu, die Rendite der 10-jährigen Papiere sank auf 4,84%, ein Wert, der zuletzt Mitte September notiert wurde.
Zu dieser Entwicklung trug auch ein deutlich rückläufiger Ölpreis, Brent kostete erstmals seit Anfang Oktober unter 100 US-Dollar pro Fass, bei. Grund waren steigende Hoffnungen auf Fortschritte im Konflikt zwischen den USA und dem Iran im Hinblick auf eine Waffenruhe.
Sinkende Zinsen und rückläufige Ölpreise befeuerten den Aktienmarkt. Zinssensitive und konsumnahe Sektoren profitierten und sorgten dafür, dass die Indizes trotz Schwäche bei Aktien aus dem KI- und Datencenterumfeld zulegen konnten. In diesem Bereich setzte sich die Schwäche der Vorwochen, die durch die Berichtssaison eher noch Verstärkung erhielt, weiter fort. Das gute Abschneiden von Politikern, die sich vor den Wahlen gegen einen weitgehend unregulierten Ausbau von Datacentern aussprachen, verstärkte diesen Trend.
Gute Wirtschaftsdaten aus den USA, das BIP legte im dritten Quartal annualisiert um 3,6 Prozent zu, wirkten ebenfalls leicht unterstützend.
Wie geht es weiter?
Grundsätzlich würden wir, wie bereits im Vorfeld der Wahlen betont, den Wahlausgang nicht überbewerten. Kurzfristig dürfte die Frage, wie sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran weiterentwickelt, marktbeherrschend sein. Hierfür ist der Wahlausgang nicht entscheidend, da die Regierung das Heft in der Hand hält und der Kongress erst ab Januar in neuer Zusammensetzung agiert. Zudem stehen dem Präsidenten kurzfristig ohnehin vielfältige Möglichkeiten offen, bevor eine Zustimmung des Parlamentes nötig ist.
Die deutliche Verbreiterung des Aufschwungs am Aktienmarkt zeigt, wie wichtig eine Berücksichtigung vieler Branchen und Anlagestile ist. Wir sehen weiter gute Chancen für eine Jahresendrallye. Auch bei den von uns favorisierten Technologie-Titeln bevorzugen wir weiter ein Engagement in breiter diversifizierten und damit robuster aufgestellten Branchenfonds. Bei sehr engen Themenfonds, die derzeit stark unter Druck stehen, würden wir dagegen für eine Aufstockung noch eine Bodenbildung abwarten.