Zölle, KI, Berichtssaison
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Die abgelaufene Woche brachte für die Finanzmärkte eine Vielzahl von Impulsen. Das am Freitag publizierte Urteil des US Supreme Courts zu den vom US-Präsidenten deklarierten Zöllen und die anschließende Reaktion von Donald Trump hierzu haben wir am Montag bereits in einer separaten Publikation kommentiert. Angesichts der vielen Fragezeichen blieben die Reaktionen auf das Urteil und die neuen Ankündigungen des US-Präsidenten sehr verhalten.
Mehr Bewegung hat eine Studie eines kleinen Analysehauses ausgelöst, die recht plakativ starke Auswirkungen der Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI) schon auf sehr kurze Frist prognostizierte. Im Zuge einer erneut kritischeren Sicht auf Softwarefirmen als mögliche Verlierer sowie aufgrund von Abschreibungen eines Fonds mit privaten Kreditforderungen (Private Debt) gerieten die Aktien entsprechender Unternehmen aus der Finanzindustrie, die sich in den vergangenen Jahren dort engagiert hatten, unter Druck.
Die Berichtssaison in Europa zeichnete insgesamt ein ausgeglichenes Bild, wobei sich zeigte, dass das leichte Verfehlen mittlerweile anspruchsvollerer Erwartungen in der Regel stark abgestraft wurde.
Besser als erwartet ausgefallene Zahlen und Prognosen des KI-Branchenprimus Nvidia wurden sehr verhalten aufgenommen.
Der Deutsche Aktienindex (DAX) ließ sich von der Nachrichtenflut nicht verunsichern und tendierte im Wochenvergleich leicht aufwärts.
Wie geht es weiter?
Die Diskussion, wie die verstärkte Nutzung von KI sich auf die Finanzmärkte auswirken wird, ist schwierig zu prognostizieren. Dies umso mehr, wenn es um die Perspektiven einzelner Unternehmen geht. Denn hier gibt es eine Vielzahl von bestehenden, erwartbaren und denkbaren Wechselwirkungen zu berücksichtigen. Gerade deshalb dürfte dieses Thema die Finanzmärkte auch weiterhin reizen, mit der Umschichtung von vermeintlichen Gewinnern und Verlierern Geld zu verdienen.
Ist der „AI-Scare-Trade“ schon zu weit fortgeschritten?
Die Bewertungen vieler betroffener Unternehmen scheinen es zu signalisieren.
Sind vermeintliche KI-Gewinner zu hoch bewertet, insbesondere auch vor dem Hintergrund immenser Investitionen, deren Amortisationspotenzial nicht klar ist? Die recht junge Kursschwäche einiger Unternehmen könnte ein Hinweis sein.
Aufgrund dieser ungeklärten Fragen sind Investoren deshalb zuletzt dazu übergangen, vermehrt in Unternehmen zu investieren, die weder positiv noch negativ von der Adaption auf KI betroffen zu sein scheinen. Dies hat zu einer Verbreiterung des Aktienmarktes beigetragen.
Da wir davon ausgehen, dass sich diese Entwicklung fortsetzen dürfte, bleiben wir bei unserem Appell, eine möglichst breite Aufstellung anzustreben: Einerseits um Chancen zu nutzen, etwa im Bereich (Energie-) Infrastruktur, Rohstoffe und Asien, andererseits um das Depot insgesamt stabiler zu machen. Hierzu gehören in jedem Fall auch Anleihen, für die die neue Ausgabe unseres ZinsForums eine Orientierung geben kann.