Trump sorgt mit Vorschlag für Stabilität
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Der am Freitag publizierte Vorschlag Donald Trumps, Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden der US-Notenbank (Fed) zu nominieren, um Jerome Powell zu ersetzen, hat an den Finanzmärkten deutliche Spuren hinterlassen: Während sich der US-Dollar spürbar erholte, markierten Gold und Silber deutliche Abstürze von ihren vorangegangenen Rekordhöhepunkten. Der frühere Gouverneur der Fed, Berater von George W. Bush, Professor und Investmentbanker galt lange eher als geldpolitischer „Falke“, auch wenn er sich zuletzt Trumps Forderungen nach Zinssenkungen angeschlossen hatte. Die Nominierung wurde daher von den Finanzmärkten als eine Abkehr von möglichen Versuchen des US-Präsidenten gesehen, die US-Notenbank stärker in Richtung der Aufgabe geldpolitischer Stabilität zu drängen.
Die Aktienmärkte reagierten leicht negativ, stärkerer Verkaufsdruck kam dabei vor allem bei den zinssensibleren Titeln aus dem Nasdaq 100 auf. Im Wochenverlauf kam es hier quasi als „Begleitmusik zur Berichtssaison“ zu signifikanten Kursverlusten bei Aktien von Unternehmen, die im weitesten Sinne mit Software zu tun haben. Grund war die Veröffentlichung eines neuen KI-Produktes des US-Unternehmens Anthropic, das möglicherweise eine starke Konkurrenz zu den traditionellen Produkten der Branche darstellen könnte.
Bei den US-Konjunkturdaten stach vor allem die deutliche Aufhellung der Stimmung im verarbeitenden Gewerbe hervor. Der ISM Einkaufsmanagerindex stieg für diesen Bereich unerwartet kräftig auf 52,6 Punkte und befand sich damit zum ersten Mal seit mehreren Jahren wieder im Expansionsbereich (über 50). Aber auch in Deutschland gab es positive Konjunktursignale: Der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe kletterte im Dezember um 7,8 Prozent. Erwartet worden war dagegen ein Rückgang.
Nachdem die Januar-Inflationsrate für den Euro-Raum mit 1,7 Prozent vor allem aufgrund niedrigerer Energiepreise nur schwächer ausfiel als erwartet und der US-Dollar sich wieder etwas festigte, gab es im Vorfeld der heutigen EZB-Sitzung wenig Veranlassung, an einer Bestätigung der derzeitigen Leitzinssätze zu zweifeln.
Wie geht es weiter?
Auch wenn die nun vorgesehene Ernennung von Kevin Warsh kann als erneuter „TACO“-Moment, also als ein Rückzug des US-Präsidenten von einer vorher angekündigten kontroversen Linie, gesehen werden kann, so bringt er gerade in einem Moment vielfältiger Unruhe (Zölle, Iran, Epstein-Akten etc.) Besänftigung und damit Stabilität in den Markt. Dies dürfte für Donald Trump angesichts der im Herbst anstehenden Kongresswahlen entscheidend gewesen sein.
Was heißt das für Anleger? Wir sehen diese Aktion als Bestätigung, dass Allokationen nach starken Kursbewegungen immer wieder hinterfragt werden sollten. So macht ein bestimmter Anteil von Gold mit Blick auf den langfristigen Inflationsschutz Sinn. Anleger, deren Position durch einen starken Kursanstieg kräftig zugelegt hat, sollten sich aber dann fragen, ob der höhere Anteil noch passt, da Gold kurzfristig durchaus zu stärkeren Preisschwankungen neigen kann.
Ähnlich stellt es sich bei Fremdwährungspositionen dar, die aus einem Wunsch nach Absicherung eines in ausländischer Währung notierenden Wertpapierportfolios resultieren. Hier raten wir weiterhin eher zu einer zurückhaltenden Nutzung solcher Instrumente.
Unsere mit dem Jahresausblick gesetzten Akzente (Asien, Nebenwerte, Strominfrastruktur) haben sich zuletzt gut entwickelt. Wie die starken Kursbewegungen bei schon länger unter Kursdruck stehenden Softwareaktien im Wochenverlauf gezeigt haben, ist ein exaktes Timing bei Trends schwierig. Wir empfehlen deshalb weiter eine breite Aufstellung nach Regionen und Stilen.