Zwischen Treaty und Taskforces
Die Kapitalmärkte waren in der letzten Woche von zwei großen Themen geprägt: dem Rahmenabkommen (Treaty) zwischen den USA und dem Iran sowie der ersten Pressekonferenz von Kevin Warsh als neuem Fed-Präsident, in der er u.a. die Gründung einiger Arbeitsgruppen (Taskforces) ankündigte.
Am Wochenende erklärte Donald Trump, dass es eine Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran gebe, die eine 60-tägige Verhandlungsphase einleite. Der Iran und der Vermittler Pakistan bestätigten dies. Neben einem dauerhaften Kriegsende und der Erklärung eines Verzichts auf Kernwaffen ist für den Kapitalmarkt die wichtigste Botschaft, dass die Straße von Hormus von Seeminen befreit wird und bald wieder frei befahrbar sein soll. Die Konjunkturrisiken aus einem drohenden physischen Öl-Engpass kehrten sich um in einen verbesserten Wachstumsausblick durch den günstigeren Ölpreis, der auf unter 80 US-Dollar pro Barrel fiel. Entsprechend positiv reagierten Risikomärkte. Allen voran legte die Technologiebörse Nasdaq am Montag rund 3 % zu. Weitere Informationen zu unseren Einschätzungen bezüglich der Rahmenvereinbarung erhalten Sie hier.
Der US-Leitzins bleibt unverändert bei 3,5 – 3,75 %, womit der neue Fed-Chef Kevin Warsh bei seinem ersten FOMC-Auftritt die Erwartungen bestätigte. Er setzte jedoch sofort neue Akzente: Das geldpolitische Begleitschreiben wurde im Umfang halbiert, und Warsh verzichtete beim Dot Plot auf einen eigenen Punkt, was seine Ablehnung von Forward Guidance unterstreicht. Zudem kündigte er fünf Taskforces an (u. a. zu Kommunikation, Bilanzabbau, KI/Jobs und Inflation), die auf weitrechende Strukturreformen der Notenbank hindeuten. Unsere ausführliche Ersteinschätzung finden Sie hier. Der Markt fasste den Auftritt als restriktiv auf. Warsh positionierte sich als geldpolitischer Falke mit Fokus auf Preisstabilität. Da der Dot Plot für dieses Jahr mehrheitlich Zinserhöhungen andeutet, reagierten die Märkte mit einer Risk-off-Rotation: Aktien verloren, während die kurzfristigen Zinsen stiegen.
Beim volkswirtschaftlichen Datenkranz zeigte sich grundsätzlich ein stabiles Konjunkturbild, aber auch ein anziehender Inflationsdruck. Besonders ins Auge sprang allerdings der US-Immobilienmarkt. Die Zahl der Baubeginne war im Mai so niedrig wie seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht mehr. Auch die ausstehenden Immobilienverkäufe legten im Monatsvergleich um kräftige 3,8 % zu. Hier scheinen die hohen Langfristzinsen bremsend gewirkt zu haben, die 10-jährige US-Rendite überschritt im Mai erstmals seit 15 Monaten wieder die 4,6 %-Marke.
Wie geht es weiter?
Die positiven und negativen Signale halten sich unserer Meinung nach die Waage. Durch die voraussichtliche Öffnung der Meerenge hat sich das Konjunkturbild zwar deutlich verbessert, doch scheinen viele positive Impulse bereits in den Preisen enthalten zu sein. Gewinnmitnahmen in begrenztem Umfang wären keine Überraschung, grundsätzlich rechnen wir aber mit einer Seitwärtsbewegung. In dieser Phase bieten sich Seitwärtsstrukturen und Wandelanleihen an.
Da wir Aktien und Renten weitgehend im Einklang sehen, hebt sich taktisch derzeit kein Segment besonders hervor. Damit rückt der Fokus auf die strategische Sicht. Hier bietet sich ein Rebalancing von gut gelaufenen Titeln an, falls es dadurch zu einem zu großen Übergewicht bei Aktiensegmenten gekommen sein sollte. Grundsätzlich ist also eine neutrale Ausrichtung empfehlenswert.