KI schlägt weiterhin Makro
Wie bereits in der vergangenen Woche waren der wieder aufgeflammte Iran-Konflikt und der daraufhin erfolgte Anstieg der Energiepreise das bestimmende Thema für die Märkte. Mit aktuell 85 US-Dollar je Barrel liegt der Preis der Ölsorte Brent nun rund 15 US-Dollar höher als zum Monatsstart, jedoch spürbar unterhalb der Notierungen die zeitweise im Verlauf des Konflikts beobachtet werden konnten.
Nach den Ölpreisanstiegen am Wochenende startete die Woche mit fallenden Aktienkursen an den globalen Handelsplätzen. Die US-Märkte präsentierten sich im bisherigen Wochenverlauf robuster als ihre europäischen Pendants. In Übersee wurde die Stimmung insbesondere durch einen starken Auftakt der Berichtssaison und mildere Inflationsdaten getragen.
Die Anleihemärkte litten unter dem wieder aufgeflammten Iran-Konflikt und die Renditen setzten ihren Anstieg aus der Vorwoche fort. In den USA führten die schwächer als erwarteten Inflationsdaten am Dienstag jedoch zu einem leichten Rückgang von den Höchstwerten der Woche. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf dem Rücken der zugenommenen Inflationserwartungen weiter an und liegt nun bei knapp 3,14 Prozent.
Die Berichtssaison für das zweite Quartal startet mit starken Ergebniszahlen der US-Banken. Die bisherigen Berichte von Unternehmen, die im Bereich KI-Infrastruktur beheimatet sind, übertrafen sowohl mit dem Zahlenwerk als auch dem Ausblick die Erwartungen am Markt deutlich und deuten auf eine weiterhin starke und sich tendenziell beschleunigende Nachfrage nach KI-Hardware hin. Die Kursreaktionen waren jedoch alles andere als überbordend. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Kurse in diesem Segment seit Jahresbeginn bereits stark angestiegen sind.
Wie geht es weiter?
In der kommenden Woche werden die Märkte unverändert vom weiteren Verlauf des Iran-Konflikts beeinflusst sein. Dieser ist jedoch, insbesondere mit Blick auf die Unberechenbarkeit der Konfliktparteien, alles andere als vorhersehbar.
Dies erschwert die Ausgangslage für die Juli-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Unter den stimmberechtigten Marktteilnehmern der EZB scheinen die Ansichten über das weitere geldpolitische Vorgehen nach wie vor gespalten zu sein. Fest steht jedoch, dass die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen mit jedem Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen bleibt, zunehmen dürfte. Der Markt erwartet derzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Leitzinserhöhung im Juli. Die Augen der Marktteilnehmer dürften daher auf Hinweise über eine mögliche Erhöhung im September gerichtet sein.
Die Aktienmärkte befinden sich nach wie vor im Spannungsfeld zwischen dem Iran-Konflikt und der Berichtssaison. Letztere dürfte derzeit jedoch das dominantere Thema sein. Ganz im Sinne des Titels unseres Halbjahresausblicks scheint KI somit weiterhin Makro zu schlagen. Bislang deuten die Unternehmenszahlen darauf hin, dass das Thema KI-Infrastruktur eine stärkere Unterfütterung mit Fundamentaldaten erfahren hat. Allerdings bestehen in einigen Segmenten des KI-Bereichs weiterhin Sorgen, insbesondere was die Amortisierung von Ausgaben und die Rentabilität des Geschäftsmodells betrifft. Es könnte daher im Zuge der Berichtssaison durchaus zu volatilen Kursbewegungen innerhalb des KI-Sektors kommen.
Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sehen wir zunehmend Chancen bei antizyklischen Investitionen. Eine ausführliche Darstellung hierzu finden Sie in unserem Halbjahresausblick. Wie bereits in der letzten Woche bleibt das Renditeniveau im Euroraum, vor allem bei längeren Laufzeiten, attraktiv. Dies rechtfertigt aus unserer Sicht ein stärkeres Engagement am Anleihemarkt.