Erleichterung, aber Risiken bleiben
In der abgelaufenen Woche konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte stark auf die US-Daten zum Arbeitsmarkt und zur Inflation. Ein überraschender Stellenabbau im Juli und eine kräftige Abwärtsrevision der Vormonatszahlen sorgten dafür, dass die Wahrscheinlichkeiten für eine Zinserhöhung im September deutlich niedriger angesetzt wurden. In die gleiche Richtung wurden dann die zur Wochenmitte publizierten US-Inflationsdaten aufgenommen.
Trotz dieser Daten musste das US-Schatzamt jedoch bei der Neuemission von langlaufender Anleihen Zinssätze bieten, die im Falle der 10-jährigen Papiere so hoch sind, wie seit 2007 nicht mehr beobachtet.
Bei den Nachrichten um eine mögliche Beilegung des Konfliktes zwischen dem Iran und den USA ging es hin und her. Zwischenzeitliche Hoffnungen auf eine Öffnung der Straße von Hormus legten sich schnell wieder, als Nachrichten über nach wie vor schwer überbrückbare Differenzen auftauchten.
Von der Berichtssaison nahmen die Impulse ab, die Tendenz blieb aber auch in Europa überraschend positiv. Hierzu passten auch volkswirtschaftliche Daten, die ein stärker als noch vor einiger Zeit erwartetes wirtschaftliches Wachstum in Europa signalisierten.
Wie geht es weiter?
Die Hoffnungen auf eine baldige Wiederöffnung der Meerenge für den Handelsverkehr scheinen sich derzeit zu reduzieren: Momentan dürften beide Seiten mit den gegenseitigen Blockaden die „Schmerzgrenzen“ des Gegners austesten wollen. Die Blockadesituation könnte sich folglich noch länger hinziehen.
Der weiteren Entwicklung dieses Konfliktes kommt jedoch über Preiseffekte eine wichtige Rolle für die erwartete Leitzinsentwicklung zu. Während bei der europäischen Notenbank aufgrund des derzeit weniger restriktiven Kurses eine Leitzinserhöhung im September als relativ sicher gilt, sieht es bei ihrem US-Pendant anders aus. Die derzeit leicht überwiegende Erwartung, dass es nicht zu einer Anhebung der Fed im September kommt, könnte schnell kippen.
Die insgesamt sehr erfreuliche Berichtssaison hat den Optimismus für Aktien zuletzt zurecht gestärkt. Gerade in Europa waren die Erwartungen teilweise deutlich übertroffen worden, was nach langer Durststrecke zu spürbar positiven Gewinnrevisionen geführt hat.
Ein wieder etwas stärkeres Wirtschaftswachstum könnte zudem Nebenwerte wieder beflügeln, die im Zuge der Konzentration auf hochkapitalisierte Werte Bewertungsabschläge aufgebaut haben.
Fazit: Im Rahmen einer insgesamt ausgeglichen Allokation sollten sich Anleger fragen, ob die Themen Nebenwerte, z. B. im Rahmen eines international investierenden Nebenwerteaktienfonds, oder europäische Aktien ausreichend in ihrer Zusammenstellung berücksichtigt sind.