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Wochenausblick Aktien

Unser Wochenausblick hebt Sie heraus aus dem tagesaktuellen Geschehen des Finanzmarktes und fasst die wichtigsten Informationen kompakt zusammen. Mit dieser Einordnung lassen sich aktuelle Markttrends besser verstehen und sie hilft, Chancen und Risiken effektiver zu analysieren. Das Experten-Team der Haspa liefert kapitalmarktspezifische Einschätzungen zur Weltlage, kommentiert Finanz-News und weist auf wichtige Termine hin.

Eskalation im Nahen Osten

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Mit dem militärischen Eingreifens Israels und der USA im Iran hat sich der schwelende Risikofaktor an den Finanzmärkten materialisiert. Da 20-25 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte die vom Iran kontrollierte Straße von Hormus, die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean, passieren müssen und der Iran mit einem Anteil von 4 bis 5 Prozent der globalen Produktion außerdem ein wichtiger Ölexporteur ist, hat der Konflikt Auswirkungen auf die weltweiten Finanzmärkte.

Die Marktreaktion fiel bislang, zumindest was die Anleihe- und Aktienmärkte angeht, moderat aus. Während europäische und asiatische Aktien unter größeren Schwankungen insgesamt nachgaben, notierten die US-Börsen in etwa auf dem vor den Militärschlägen erreichten Niveau.

An den Anleihemärkten weiteten sich die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen leicht aus, die Renditen der Staatsanleihen zogen aufgrund höherer Inflationserwartungen marginal an, nachdem sie vorübergehend gesunken waren.

Die Öl- und Erdgasmärkte reagierten dagegen erwartungsgemäß: Die Preise für kurzfristige Lieferungen schnellten deutlich in die Höhe, dies galt insbesondere für den europäischen Gasmarkt. Hier zog der Kontrakt für die Lieferung in einem Monat mit zwischenzeitlich gut 55 Euro auf das Doppelte der für die Abnahme in einem Jahr und fast das Dreifache der Lieferung in 4 Jahren an. Auch an den Ölmärkten zeigt sich ein ähnliches Bild: Brent kostete mit Preisen über 80 US-Dollar zur kurzfristigen Lieferung rund 10 US-Dollar pro Fass mehr im Vergleich zum im Oktober 2026 fälligen Terminkontrakt.

Auf der Konjunkturseite überraschte ein deutlich besser als erwarteter Einkaufsmanagerindex für den US-Dienstleistungssektor. Auch dies trug zu anziehenden Renditen für US-Staatsanleihen bei.

Wie geht es weiter?

Für eine Antwort, welche Auswirkungen der militärische Konflikt auf Inflation, Wachstum und damit letztendlich auch auf die Finanzmärkte hat, wird die Dauer entscheidend sein. Stehen die wichtigen Transportdrehkreuze (Luft und See) in den Golfanrainerstaaten schnell wieder zur Verfügung, so dass es nicht zu größeren Lieferkettenstörungen kommt?

Wann ist die Straße von Hormus wieder mit vertretbaren Risiken passierbar?

Je länger die Situation anhält, umso stärker wirken sich die Preiseffekte (Energie, höhere Transportkosten) auf die Inflationsrate aus. Auch die Verbraucherstimmung dürfte leiden, wenn die hohen Preise an den Zapfsäulen anhalten. Ähnliches gilt für die Wärme- und Elektrizitätsmärkte, wo diese Preiseffekte wegen der stärkeren Terminpreisorientierung noch gar nicht spürbar beim Verbraucher angekommen sind.

Allerdings sollten die Inflationseffekte nicht überschätzt werden: Die Erfahrungen aus dem Jahr 2022, das in seinen langfristigen Auswirkungen für die europäische Energieinfrastruktur mit Sicherheit viel einschneidender war, können hier eine wichtige Hilfestellung bieten.

Eine fundamental abgeleitete Prognose ist wegen der unklaren Datenlage kaum belastbar, insofern haben auch Aussagen über die Dauer des Konfliktes spekulativen Charakter.

Was jedoch konstatiert werden kann:
Wir befanden uns vor der Ausweitung des Konflikts an den Aktienmärkten auf Niveaus, die in der Nähe der von uns für das Jahresende 2026 prognostizierten Kursstände lagen. Dies galt insbesondere für den Deutschen Aktienindex (DAX). Damit waren in den Börsennotierungen bereits viele positive Erwartungen verarbeitet. Vor diesem Hintergrund bewerten wir die Rücksetzer aktuell eher als Konsolidierung, die sich auch mittels anderer Einflüsse herleiten ließe.

Eine von uns im Jahresausblick 2026 propagierte breite internationale Aufstellung hat Anlegern in den ersten Monaten 2026 geholfen. Gerade angesichts der unterschiedlichen Anfälligkeit gegenüber den aktuellen Risiken betonen wir weiterhin diese Strategie. In der jetzigen Situation sollten insbesondere defensivere Segmente im Vordergrund bei Neuanlagen von Anleihen und Aktien stehen.