Kausalität zwischen Wachstum und Rendite entscheidend
Die Renditen sind auch in den letzten Tagen weiter gestiegen und halten sich auf Niveaus, die lange außerhalb des Denkbaren schienen. US-Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit rentieren mit 5,66 % auf einer Höhe wie zuletzt vor über 24 Jahren. Die globalen Aktienmärkte blieben davon jedoch weitgehend unbeeindruckt und bewegten sich in der Tendenz seitwärts.
Ursächlich für den raschen und starken Renditesprung sind vor allem die geänderten Erwartungen an die Geldpolitik. Im dritten Quartal ist der für Mitte 2027 gehandelte EZB-Einlagesatz von 2,40 % auf 3,25 % gestiegen. Ein Plus von 85 Basispunkten. Im gleichen Zeitraum hat die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen um 75 Basispunkte zugenommen. Grund für den neuen Blick auf die Leitzinspolitik sind wiederum die veränderten Inflations- und Konjunkturdaten. Dass die Teuerung angesichts eines Ölpreises im dreistelligen Bereich und erfolglosen Diplomatie-Bemühungen im Irankonflikt (weder das Treffen zwischen Trump und Xi, noch die UN-Generalversammlung brachten Fortschritte und der 7-Tage-Plan des Iran wurde von US-Seite abgelehnt) stark treibt, ist wenig überraschend. Der neue Impuls kommt eher aus der Konjunkturkomponente: die jüngsten Indikatoren fielen unverhofft stark aus. So legte der ifo Geschäftsklimaindex trotz des risikobehafteten Umfelds erneut zu und liegt mit 89,9 Punkten so hoch wie zuletzt vor knapp 3,5 Jahren. Für Deutschland sieht inzwischen kaum mehr ein Wirtschaftsforschungsinstitut ein Wachstum von unter 1,0 % für das laufende Jahr.
Jenseits des Atlantiks scheint die Dynamik sogar noch stärker zu sein. Der BIP-Zuwachs im zweiten Quartal wurde auf annualisiert 2,2 % nach oben revidiert und gemäß GDPNow (einem Schätzmodell der US-Notenbank) wird er im dritten Quartal bei annualisiert 3,7 % gesehen. Vor diesem Hintergrund wurde der US-Dollar deutlich fester und der Euro wertete auf 1,13 US-Dollar pro Euro ab. Zur Einordnung der PCE-Teuerungsdaten: diese überraschten nur auf den ersten Blick sensationell nach unten. Die 0,3 Prozentpunkte unterhalb der Prognose sind alleinig durch die jährliche Revision zu erklären, die bis in das Jahr 2021 zurückwirkt. Abgesehen davon, blieb die Teuerung im August im Vergleich zum Vormonatswert unverändert – so wie es auch der Konsens prognostizierte.
Wie geht es weiter?
Hinsichtlich des anstehenden makroökonomischen Datenkranzes muss man sich den US-Arbeitsmarktbericht morgen am dicksten im Kalender einkreisen. Erwartet wird ein Stellenaufbau von 85 Tausend und eine mit 4,1 % unveränderte Arbeitslosenquote. Zuvor wird die Inflationsrate für den Euroraum veröffentlicht. Die Vorgaben der einzelnen Euroländer fielen höher aus als erwartet, sodass die Konsensprognose bereits auf 3,7 % nach oben adjustiert wurde.
Entscheidend dafür, wie es weiter geht, wird das Zusammenspiel zwischen Wachstum und Renditeniveau sein. Solange die Zinserwartungen durch gute Konjunkturdaten getrieben werden, ist dies positiv zu bewerten. Nach einiger gewissen Zeit, kann sich die Kausalität jedoch umdrehen: das hohe Renditeniveau macht Investitionen teurer und Sparen attraktiver. Das wirkt dann dämpfend auf die Volkswirtschaft.
Auch wenn das Gewinnwachstum nicht ewig anhalten kann, sind wir zum aktuellen Zeitpunkt zuversichtlich für die Berichtssaison und gehen davon aus, dass insbesondere die KI-Unternehmen aus den USA erneut gute Zahlen liefern werden. Zeitgleich haben wir die Einschätzung, dass die Markterwartungen an die Leitzinsen zu hoch sind und das Renditeniveau damit überschossen ist. Aktuell bieten Anleihen guter Bonität und langer Laufzeit also ein attraktives Einstiegsniveau. Insofern empfiehlt sich – aus positiver Sicht – ein ausgewogenes Verhältnis der Anlageklassen an.