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Wochenausblick Aktien

Unser Wochenausblick hebt Sie heraus aus dem tagesaktuellen Geschehen des Finanzmarktes und fasst die wichtigsten Informationen kompakt zusammen. Mit dieser Einordnung lassen sich aktuelle Markttrends besser verstehen und sie hilft, Chancen und Risiken effektiver zu analysieren. Das Experten-Team der Haspa liefert kapitalmarktspezifische Einschätzungen zur Weltlage, kommentiert Finanz-News und weist auf wichtige Termine hin.

Im Wechselbad der Gefühle

An den Börsen, insbesondere im Tech-Bereich, gab es in den letzten Tagen eine wahre Achterbahnfahrt. Vor allem die Sichtweise auf die Monetarisierung der KI-Investitionen war extrem schwankend. So gerieten die Hyperscaler (Betreiber von großen Rechenzentren) unter Druck, da es zunehmende Zweifel an der Rentabilität der gewaltigen Investitionsausgaben für Datencenter gab. Auch der Druck von der Zinsseite stieg, da die Worte des neuen Fed-Chefs Warsh noch nachhallten und zu verstärkten Zinsanhebungserwartungen führten.

Bei den IT-Hardwareanbietern machten sich die Zinsängste ebenfalls bemerkbar und es kam zu Gewinnmitnahmen nach den starken Kursaufschlägen der letzten Monate. Anders als bei den Hyperscalern stellt sich bei den Halbleiterherstellern aber nicht die Frage, ob bzw. wie es zu einer Monetarisierung kommt – die starken jüngsten Geschäftsberichte sprechen für sich. Sondern vielmehr, wie lange die große Nachfrage und die hohen Margen bestehen bleiben. Insofern ist der Tech-Bereich nicht (mehr) einheitlich, sondern differenziert zu betrachten. Die Ausgaben der einen sind die Einnahmen der anderen.

Die zwischenzeitlich großen Kursverluste dürften zu Umschichtungen in US-Staatsanleihen und zu Liquiditätsengpässen geführt haben, weshalb Gold verkauft und Cash nachgefragt wurde. Auch Warshs Auftritt dürfte diese Entwicklung begünstigt haben, da er Sorgen um die Unabhängigkeit der Fed und in den US-Dollar generell zerstreuen konnte. Damit erklärt sich das äußerst untypische Bild von fallenden langfristigen US-Renditen und einem gleichzeitig aufwertenden Greenback.

Derweil scheinen die Friedensgespräche zwischen den USA und Iran gut voranzukommen. Immerhin ist der Ölpreis inzwischen wieder annähernd auf das Vorkriegsniveau von rund 70 US-Dollar gefallen. Die schnelle Bewegung ist überraschend, müssen doch viele Reserven wieder aufgefüllt werden. Zudem sind Rückschläge bei den Verhandlungen nicht auszuschließen. Letztlich verbessert sich damit jedenfalls der Konjunkturausblick, was sich in den jüngsten Stimmungsindikatoren aber noch kaum ausgedrückt hat.

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Wie geht es weiter?

Der Markt scheint noch in der Findungsphase zu sein, ob der jüngste Rückschlag nur eine Verschnaufpause oder eine Trendumkehr war. Insgesamt halten wir die Stimmung derzeit für etwas arg sorglos. Insbesondere der Ölpreis erscheint uns äußerst niedrig. Zwar könnte es nun ein strukturelles Überangebot geben, doch müssen viele Reserven erst wieder aufgefüllt werden. Zudem besteht das Risiko für einen Rückschlag bei den Verhandlungen, da viele kritische Punkte noch offen sind. Auch sind einige Republikaner unzufrieden mit der Rahmenvereinbarung. Außerdem muss sich Warsh erst noch als der Falke und Stabilitätsanker herausstellen, als der er bereits gesehen wird. So könnte der Blick auf die Unabhängigkeit der Fed wieder etwas skeptischer werden, wenn das Urteil zu Lisa Cooks Absetzung verkündet wird.

Insgesamt rechnen wir vorerst mit einer weiteren Seitwärtsbewegung mit erhöhter Volatilität. Das Rentensegment ist mit einem Zins von 2,86 % bei 10-jährigen Bundesanleihen derzeit nicht besonders attraktiv. Unter allen Abwägungen nehmen wir daher eine neutrale Positionierung zwischen den Anlageklassen ein.

Innerhalb des Aktiensegments sehen wir derzeit Chancen bei Themen, die durch die KI-Fokussierung in den Hintergrund geraten sind. Innerhalb der Megatrends, die wir als die „Ds“ bezeichnen, wird man bei „Demografie“ und „Defence“ fündig. Titel aus der Verteidigungsbranche wurden zuletzt deutlich abgestraft und die Bewertungen haben sich entsprechend spürbar ermäßigt. Bezüglich Demografie wird der Gesundheitsbereich immer wichtiger. Unternehmen aus diesem Sektor sind derzeit vergleichsweise günstig bewertet. Aufgrund des langfristigen Aufwärtspotentials können wir uns hier eine Erholung vorstellen.