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Wochenausblick Aktien

Unser Wochenausblick hebt Sie heraus aus dem tagesaktuellen Geschehen des Finanzmarktes und fasst die wichtigsten Informationen kompakt zusammen. Mit dieser Einordnung lassen sich aktuelle Markttrends besser verstehen und sie hilft, Chancen und Risiken effektiver zu analysieren. Das Experten-Team der Haspa liefert kapitalmarktspezifische Einschätzungen zur Weltlage, kommentiert Finanz-News und weist auf wichtige Termine hin.

KI-Aktienmarktrallye und die Schwerkraft der Anleihemärkte

In der abgelaufenen Woche spiegelte sich zum großen Teil die Spannung wider, die uns schon das ganze Jahr begleitet hat: Auf der einen Seite, angetrieben von der Euphorie um Künstliche Intelligenz (KI), neue Höchstkurse beim S&P 500. Auf der anderen Seite, wegen konfliktbedingt anhaltend hoher Energiepreise, US-Staatsanleiherenditen auf Niveaus, die zuletzt im Jahr 2002 zu beobachten waren.

Mit ihren weniger auf die Profiteure der KI-Rallye ausgerichteten Aktienmärkten verlief die Entwicklung auf dem heimischen Kontinent verhaltener. Hier konzentrierte sich die Aufmerksamkeit zudem auf Entwicklungen wie die kritischere Sicht der Anleihe-Investoren auf Frankreich, die sich in einem zeitweise auf 150 Basispunkten angewachsenen Risikoaufschlag 10-jähriger französischer Staatsanleihen zu Bundesanleihen zeigte. In der Folge wurden vor allem Aktien französischer Banken gemieden.

Wie geht es weiter?

Grundsätzlich ist die Kursrallye bei den KI-Aktien gut durch die Gewinnentwicklung gestützt, der Kursanstieg im S&P 500 ist auf positive Ergebnisdynamik, nicht auf Bewertungsausweitung zurückzuführen. Ein Risikofaktor ist allerdings, dass der Gewinnanstieg auf wenige Sektoren zurückzuführen ist und es eine große Abhängigkeit der „KI-Gewinner“-Aktien von den Investitionen der großen Hyperscaler gibt.

Mit Blick auf das in wenigen Wochen bereits wieder anstehende Jahresende stellt sich allerdings die Frage, was diesen starken Trend zugunsten weniger Sektoren stören könnte. Üblicherweise verstärken sich am Aktienmarkt die bisherigen Jahres-Trends im vierten Quartal.

Ein wichtiger Begrenzungsfaktor könnten höhere Zinsen sein. Der Renditeanstieg der vergangenen Monate ist eng verknüpft mit Erwartungen, dass die Notenbanken Leitzinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung vornehmen müssen. Die Verbraucherpreisteuerung wird derzeit stark von den hohen Energiepreisen gespeist. Entscheidend für die Notenbanken wird sein, inwiefern sich diese Energiepreis-induzierten Preissteigerungen durch die gesamte Wertschöpfungskette weiterverbreiten, d.h. ob es zu Zweitrundeneffekten kommt.

Wir gehen derzeit davon aus, dass das nur in geringerem Ausmaß der Fall sein sollte. Zinssteigerungsängste – teilweise werden noch drei Leitzinserhöhungen erwartet – halten wir deshalb für übertrieben. Demzufolge sehen wir von dieser Seite wenig Gegenwind für den Aktienmarkt und halten das derzeitige Renditeniveau für attraktiv, Anleiheinvestments aufzustocken. Den Schwerpunkt setzten wir dabei weiter auf längeren Laufzeiten und höherer Qualität.

Wie in unserer Herbstprognose angesprochen sehen wir bei Aktien bis zum Jahresende noch weiteres Potenzial.