Erwartungen erfüllt, aber nicht übertroffen
Der Quartalsbericht von Nvidia gestern wurde mit Spannung erwartet, da viele Börsianer mit einem weitreichenden Einfluss auf den Gesamtmarkt rechneten. Im Ergebnis wurden die Prognosen – wie üblich – leicht übertroffen, ohne aber eine positive Überraschung darzustellen. Die Reaktion fiel mit einem nachbörslichen Rückgang von rund 3 % entsprechend gering aus und es hat keine allzu großen Wellen geschlagen. Im Ausblick erscheint vor allem das China-Geschäft als große Unbekannte, da bezüglich der Ausfuhrgenehmigungen mit der US-Regierung (im Raum stehen 15% Umsatzbeteiligung) offensichtlich noch keine Einigkeit besteht.
In Jackson Hole öffnete der US-Notenbankchef Powell in seiner Rede die Tür für eine Zinssenkung in September. Da dies vom Rentenmarkt bereits antizipiert wurde, fiel die Reaktion kleiner aus als nach dem letzten Arbeitsmarktbericht. Insgesamt wurde die US-Zinskurve damit dennoch steiler und die Differenz zwischen 30-jährigen und 5-jährigen Staatsanleihen ist mit 1,2 Prozentpunkten so groß wie zuletzt Mitte 2021. Die US-Aktienmärkte sprangen aufgrund der Zinssenkungseuphorie dagegen kräftig an und machten die Verluste der Vortage wett.
Fast zeitgleich zum Zentralbanktreffen entließ US-Präsident Trump die Fed-Gouverneurin Lisa Cook unter dem Vorwurf des Hypothekenbetrugs. Dies ist der erste Fall in der Geschichte. Angesichts der lautstarken Kritik an der Geldpolitik und der Möglichkeit zur Nachnominierung durch den US-Präsidenten ist eine politische Motivation nicht auszuschließen. Die Kapitalmärkte nahmen die Entwicklungen insgesamt erstaunlich sorglos hin.

Im Datenkranz der letzten Tage zeigten sich die Stimmungsindikatoren in Europa beachtlich stark. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie im Euroraum legte zum siebten Mal in Folge zu und steht nun über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Auch der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex stieg erneut. Insbesondere getrieben durch die verbesserten Erwartungen. Offensichtlich scheint die Zuversicht im Zuge des deutschen Fiskalpakets gegenüber dem Gegenwind aus den US-Zöllen zu überwiegen.
Wie geht es weiter?
Bei den Inflationsdaten nach europäischem Standard (HVPI) erwartet der Markt für Frankreich und Spanien keine Veränderungen und für Deutschland und Italien einen leichten Anstieg zum Vormonat. Da wir von einer ähnlichen Entwicklung ausgehen, rechnen wir mit keiner großen Bewegung bei der Leitzinserwartung im Euroraum. In den USA könnte die Teuerungsrate gemäß Core PCE dagegen leicht nach oben überraschen und damit zumindest die Zinssenkungshoffnungen über den September hinaus etwas dämpfen. Potential für größere Bewegungen birgt dagegen erst der US-Arbeitsmarktbericht nächsten Freitag.
Einerseits sind die Renditen im Euroraum zuletzt etwas gesunken, andererseits spricht das Saisonmuster für einen schwachen Aktienmonat September. In der Abwägung stehen wir den beiden Anlageklassen damit neutral gegenüber. Die aktuelle Phase würden wir dafür nutzen, am Aktienmarkt Bereiche abseits des Hauptfeldes zu berücksichtigen. Hierzu bieten sich Nebenwerteindizes an. Diese sollten allerdings nicht zu regionalspezifisch, sondern global aufgestellt sein. Ein weiterer Sektor, den wir derzeit mit Aufwärtspotential sehen, ist die Biotech-Branche. Aufgrund der noch attraktiven Bewertungen gehen wir davon aus, dass die jüngsten Kursgewinne erst der Anfang waren.