KI, Geld- und Geopolitik
Am Wochenende wuchsen die Hoffnungen auf eine Deeskalation im Iran-Konflikt, was den Brent-Ölpreis zeitweise auf 83 US-Dollar je Barrel fallen ließ. Erneute Angriffe und die scharfe Rhetorik des US-Präsidenten dämpften den Optimismus jedoch wieder. So stieg der Ölpreis in der Folge um rund 8 Prozent auf über 90 US-Dollar. Gleichzeitig sorgte die US-Administration mit neuen und angedrohten Zöllen für ein abermaliges Aufflammen im Handelskonflikt.
Die höheren Inflationsrisiken durch Zölle und Energiepreise erschwerten auch die Juli-Sitzung der US-Notenbank (Fed). Mit 9 zu 3 Stimmen entschied sich das Gremium gegen eine Änderung des Leitzinses. Dass den Bekenntnissen des neuen Fed-Präsidenten zu einer härteren Inflationsbekämpfung erneut keine Zinserhöhung folgte, wurde insbesondere am Anleihemarkt negativ aufgenommen. Die langfristigen US-Renditen stiegen vor allem aufgrund höherer Inflationserwartungen deutlich. 30-jährige Staatsanleihen erreichten den höchsten Stand seit 2007, während gleichzeitig zurückgenommene Leitzinserwartungen zu sinkenden kurzfristigen Renditen und einem schwächeren US-Dollar führten. Doch auch die zuletzt wieder angestiegenen Energiepreise übten sowohl in den USA als auch in Europa Aufwärtsdruck auf die längerfristigen Renditen aus.
Die Eskalation im Iran-Konflikt und steigende Realrenditen belasteten den US-Aktienmarkt. Hinzu kommen anhaltende Zweifel an der Rentabilität hoher KI-Investitionen und weitere Abverkäufe bei Halbleiteraktien. Trotz der bisher starken Berichtssaison gaben die großen US-Indizes vor diesem Hintergrund teilweise relativ deutlich nach. Die großen europäischen Aktienindizes profitierten dagegen von ihrer geringeren Technologiequote, einer ebenfalls guten Berichtssaison und positiven Konjunkturüberraschungen. Insbesondere die deutsche Wirtschaft zeigt weitere Anzeichen einer Stabilisierung. So wuchs das BIP im zweiten Quartal saisonbereinigt um 0,2 Prozent und damit stärker als erwartet. Zudem wurde das Wachstum des ersten Quartals leicht nach oben revidiert.
Wie geht es weiter?
In der kommenden Woche dürfte die Geopolitik, insbesondere in Form der Entwicklungen im Iran-Konflikt und der US-Zölle, weiterhin ein zentrales Thema sein. Mit Blick auf die weitere Zinspolitik der Notenbanken stehen in dieser Woche noch eine Reihe wichtiger Veröffentlichungen von Inflations- und Wachstumszahlen bevor, die vor allem an den Anleihemärkten zu stärkeren Bewegungen führen könnten.
Das übergeordnete Thema KI bleibt bestehen. Der Fokus verschiebt sich jedoch zunehmend von KI-Ausgaben hin zu deren wirtschaftlicher Rechtfertigung. Freier Cashflow und Disziplin bei Kapitalausgaben werden somit aktuell zu zentralen Bewertungsmaßstäben für Hyperscaler und Halbleiterunternehmen. Steigende Kapitalausgaben ohne überzeugende Perspektive für deren Amortisation wurden zuletzt deutlich abgestraft.
Die längerfristigen Renditen am Anleihemarkt sind in unseren Augen nach wie vor lukrativ. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der hohen Schwankungen und permanenten Favoritenwechsel im KI-Bereich sehen wir weiterhin vor allem Chancen bei antizyklischen Investments. Hier insbesondere im Bereich der Medizintechnik. Die Divergenz der Kursbewegungen diesseits und jenseits des Atlantiks unterstreicht zudem die Vorzüge einer geografischen Diversifikation. Auch die deutliche Reaktion des US-Dollars auf die Entscheidung der Fed sowie die gestiegene Gefahr durch die Zollpolitik sprechen für eine globale Streuung („Resilienz leben“).