Der Start der Berichtssaison in den USA, bei dem zunächst wie gewohnt die großen US-Banken den Auftakt machten, verlief holprig. Auch wenn die Zahlen der großen Finanzinstitute den Erwartungen am Markt weitgehend entsprachen, belastete insbesondere die politische Ausgangslage den Sektor. Neben einer von Donald Trump ins Spiel gebrachten deutlichen Begrenzung der maximalen Höhe von Kreditkartenzinsen drückten vor allem die erneuten Angriffe auf die US-Notenbank die Stimmung. In einer beispiellosen Ansprache wandte sich der Notenbankpräsident Jerome Powell am Wochenende per Video an die Öffentlichkeit und betonte, dass ein gegen die Notenbank angestrengter Gerichtsprozess rund um die Renovierung des Fed-Gebäudes rein politischer Natur sei und dem Ziel diene, die Unabhängigkeit der Notenbank zu untergraben. Während Ökonomen und Notenbanker sowie US-Politiker aus beiden Lagern empört reagierten, zeigten sich die Finanzmärkte insgesamt relativ reaktionsarm. Spürbar profitieren konnte von der neuen Eskalationsstufe beim Thema Notenbankunabhängigkeit insbesondere Gold, dessen Notierung ein neues Rekordhoch erreichte. Der Ölpreis legte im Zuge der politischen Unruhen im Iran und einer möglichen Intervention der USA im Wochenverlauf deutlich zu. Nachdem der US-Präsident einen Militäreinsatz jedoch zumindest vorerst ausgeschlossen hatte, gab der Ölpreis spürbar nach.
Ungeachtet des nach wie vor anspruchsvollen makroökonomischen und geopolitischen Rahmens durchbrach der DAX diese Woche zwischenzeitlich die Marke von 25.500 Punkten. Der japanische Aktienmarkt erreichte dank der Hoffnung auf Neuwahlen und der Erwartung einer Festigung der Machtposition der amtierenden Regierung, die für eine expansive Fiskal- und lockere Geldpolitik steht, ebenfalls einen neuen Rekordstand.
Diese Woche war zudem das Thema Handel von besonderer Relevanz. Positive Nachrichten aus dem asiatischen Raum kamen hierbei aus China. Trotz des Handelskonflikts mit den USA zeigten die jüngsten Handelsdaten, dass China im Jahr 2025 einen neuen Rekord beim Handelsüberschuss erzielte. Verantwortlich hierfür war vor allem eine Intensivierung der Handelsströme mit der EU und den ASEAN-Staaten. Inmitten des ständigen Narrativs über die zunehmenden protektionistischen Entwicklungen in der Weltwirtschaft war das nach langer Planung am Freitag finalisierte Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten ein Lichtblick. Für die EU ist dabei neben einer stärkeren geostrategischen Präsenz in Lateinamerika auch ein verbesserter Zugang zu kritischen Mineralien positiv hervorzuheben.
Die Befürchtungen der US-Notenbank hinsichtlich der inflationären Wirkung der Importzölle spiegeln sich nach wie vor nur geringfügig in den jüngsten Daten wider, was die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen erhöhte
Wie geht es weiter?
Die geopolitische Lage dürfte weiter angespannt und volatil bleiben. Insbesondere hinsichtlich der Sorgen um die Unabhängigkeit der Notenbank. Handfestere Einblicke in die weitere geldpolitische Entwicklung in den USA dürfte nächste Woche die Veröffentlichung der Core-PCE-Rate geben, die das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß darstellt. In der Eurozone werden die ebenfalls nächste Woche erscheinenden Einkaufsmanagerindizes Einblicke in die konjunkturelle Lage und den Ausblick geben.
Der Fokus der Marktteilnehmer dürfte insbesondere auf der weiteren Entwicklung der Berichtssaison liegen. Es ist zu konstatieren, dass der Jahresstart für den Aktienmarkt insgesamt erfreulich verlief. Neben dem asiatischen Raum ist hierbei auch der deutsche Aktienmarkt hervorzuheben. Insgesamt sind die gegenwärtigen Bewertungen am Aktienmarkt in vielen Bereichen und Ländern in unseren Augen ambitioniert, sodass ein gewisses Maß an Vorsicht geboten erscheint. Insbesondere im Euroraum dürfte eine starke Berichtssaison erforderlich sein, um die Bewertungen zu verteidigen. Wir heben daher weiterhin das Schlagwort „Resilienz“ hervor. Bei Aktien sehen wir unsere positive Einstellung aus den letzten Monaten in den Bereichen Nebenwerte und Asien bestätigt und bekräftigen diese auch weiterhin. Als lukrativ betrachten wir gegenwärtig vor allem auch das Anleihesegment.