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Die Straße von Hormus ist nun effektiv seit 13 Tagen unpassierbar. Langsam wird eine Dauer erreicht, die für größere und anhaltendere Verwerfungen an den globalen Energiemärkten führen könnte. So stoßen die ölexportierenden Golfstaaten mehr und mehr an ihre Lagerkapazitätsgrenzen und haben angefangen, ihre Fördermengen zu drosseln.
Zur Preissenkung sollen in vielen Ländern, wie den USA und Deutschland, die strategischen Ölreserven angezapft werden. Dies könnte die Märkte jedoch zusätzlich beunruhigen, sodass die Preise dank einer höheren Risikoprämie nicht zwangsläufig fallen müssen. Insgesamt bleiben die Öl- und Gaspreise weiterhin extrem schwankungsreich und von geopolitischen Entwicklungen getrieben. So schnellte die Notierung für die Ölsorte Brent am Montag temporär auf fast 120 US-Dollar je Barrel hoch, hält sich seitdem jedoch überwiegend unter der Marke von 100 US-Dollar.
An den Börsenplätzen blieb der Iran-Konflikt, insbesondere in Gestalt der Ölpreisentwicklung, der zentrale Taktgeber. Bis dato hielt sich die Schwankungsbreite bei den Aktien in relativ engen Grenzen. Unterm Strich gab der DAX seit dem Angriff auf den Iran um 4,1 Prozent nach. In den USA verlor der S&P 500 1,5 Prozent und der Dow Jones 3 Prozent. Der technologielastige Nasdaq Composite lag hingegen nur 0,1 Prozent im Minus.
Die globalen Anleihemärkte reagieren nach wie vor sehr sensibel auf die Entwicklung der Energiepreise. Treibende Kraft sind dabei insbesondere die steigenden Inflationsprämien, die die Renditen seit Ausbruch der Krise anziehen ließen. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen erreichte mit knapp 3 Prozent den höchsten Stand seit Ende 2023.
Aus der heimischen Industrie kamen schwache Daten. So ging die Produktion im Januar im Vergleich zum Vormonat unerwartet um 0,5 Prozent zurück. Beim Auftragseingang kam es sogar zu einer noch größeren Enttäuschung. Hier war ein Rückgang von 11,1 Prozent (Markterwartung: -4,3 %) im Vergleich zum Dezember zu verzeichnen. Dies unterstreicht die anhaltende Schwäche der deutschen Industrie. Die US-Inflationsrate lag im Februar unverändert bei 2,4 Prozent. Preissteigernde Zoll-Effekte lassen sich nach wie vor nur bedingt erkennen. Ende letzter Woche nahmen die Sorgen um die Situation am US-Arbeitsmarkt hingegen wieder deutlich zu. Die jüngsten Zahlen zeigten einen Rückgang der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft um 92.000, zudem stieg die Arbeitslosenquote unerwartet auf 4,4 Prozent.
Wie geht es weiter?
Das Damoklesschwert weiter steigender Energiepreise hängt weiterhin über den Märkten. Gerade mit Blick auf das Wirtschaftswachstum könnte sich die Situation durch den Iran-Konflikt und die damit einhergehenden anhaltend hohen Energiepreise sowie geopolitische Unsicherheit zusätzlich verschärfen. Neben einem negativen Einfluss auf das Wachstum dürften sich die höheren Energiepreise auch immer stärker in den Inflationsraten bemerkbar machen. Die Auswirkungen auf Inflation und Wachstum sind eindeutig – weniger Wachstum und höhere Inflation. Wie stark ausgeprägt die Revisionen ausfallen, hängt jedoch maßgeblich von der nicht abzusehenden Dauer und den weiteren Ausprägungen des Konflikts ab. Eine Quantifizierbarkeit ist daher aktuell (noch) nicht möglich.
Eine längere Dauer des Konflikts dürfte die Notenbanken zunehmend unter Druck setzen. Wenn die Inflationsbekämpfung im Vordergrund steht, könnte es zu Zinserhöhungen kommen, die jedoch die wirtschaftliche Aktivität weiter dämpfen. Auch eine abwartende Haltung ist als „Mittelweg“ denkbar, wobei die Gefahr einer Stagflation – erhöhte Inflation ohne Wirtschaftswachstum – bestehen bleibt. Zinssenkungen könnten das Wachstum zwar begünstigen, gingen jedoch mit einem deutlichen und wohl auch längerfristigen Inflationsanstieg einher.
Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und der stark gestiegenen Energiepreise wirken die bisherigen Kursrückgänge an den amerikanischen und europäischen Börsenplätzen moderat. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass ohne weitere Anhaltspunkte bezüglich der möglichen Dauer des Konflikts bislang nur wenige handfeste Impulse abzuleiten sind. Insgesamt scheinen die Marktteilnehmer von einer kürzeren Dauer des Konflikts auszugehen. Dies spiegelt sich auch an den Anleihemärkten wider, die sich nicht im Panikmodus befinden. In einem solchen Fall wäre das typische Verhaltensmuster eine massive Nachfrage nach Staatsanleihen, was einen spürbaren Renditerückgang zur Folge hätte.
In der gegenwärtigen Situation handeln wir weiterhin nach unserem Jahres-Credo „Chancen nutzen, Resilienz leben“. Mit Blick auf den ersten Teil sind wir derzeit eher zurückhaltend. Zur Realisierung etwaiger Opportunitäten bleibt das Vorhalten von Liquidität ratsam. In dieser undurchsichtigen Gemengelage bekräftigen wir den zweiten Teilsatz „Resilienz leben“ umso mehr. Demnach setzen wir auf eine ausgeprägte globale Streuung, bevorzugen defensivere Sektoren und berücksichtigen explizit risikoreduzierte Anlageklassen. Attraktiv erachten wir auch angesichts der gestiegenen Renditen festverzinsliche Wertpapiere hoher Qualität mit längeren Laufzeiten.
In unserer digitalen Veranstaltung – Die Lage im Nahen Osten: Eine Einordnung und Beschreibung möglicher Auswirkungen auf die Vermögensstruktur – haben wir erläutert, was für Anlegerinnen und Anleger in dieser Situation relevant sein könnte. Das Video und die zugehörigen Präsentationsunterlage finden sie hier.