Die vergangenen Handelstage waren davon geprägt, dass bei den Verhandlungen in Islamabad zwischen den USA und dem Iran kein diplomatischer Durchbruch erzielt werden konnte. Vor diesem Hintergrund beschloss Donald Trump, die Straße von Hormus durch die US-Marine kontrollieren zu lassen, um iranische Exporte zu unterbinden. Die Märkte reagierten unmittelbar auf diese Entscheidung: Die Ölpreise der Sorte Brent verzeichneten daraufhin einen deutlichen Aufschlag.
Diese geopolitische Anspannung führte an den Aktienmärkten zu einem paradoxen Bild. Trotz – oder gerade wegen – der massiven Unsicherheit bildeten die Indizes in den USA und Japan neue Höchststände aus, was die Flucht in vermeintlich „sichere“ Technologiewerte und die Stärke des US-Wirtschaftsraums widerspiegelt. Dennoch bleibt die Lage fragil. Da die USA nun ihre Strategie zur Nuklear-Begrenzung und zur Sicherung freier Handelswege offengelegt haben, wandeln sich die bisherigen Vermittlungsversuche von Zeitspiel hin zu einem belastbaren Verhandlungsrahmen.
Einen Lichtblick gab es in Europa: Die Wahl in Ungarn markiert eine historische Wendung. Der deutliche Sieg von Péter Magyar und seiner Tisza-Partei beendet die Ära Orbán und signalisiert eine klare Rückkehr zu einem pro-europäischen und NATO-positiven Kurs. Dies stärkt den inneren Zusammenhalt der EU und stützte den Euro.
Wirtschaftlich rückte derweil die gut angelaufene Berichtssaison in den Fokus, in der die führenden Unternehmen mit soliden Geschäftszahlen überzeugten und für eine positive Grundstimmung an den Märkten sorgten.
Wie geht es weiter?
Mit der zu erwartenden Stabilisierung der Lage an der Straße von Hormus und der damit verbundenen logistischen Entlastung ist in den kommenden Monaten mit einem Rückgang der Ölpreise zu rechnen. Dennoch bleibt eine Rückkehr auf das Niveau vor Ausbruch der Spannungen unwahrscheinlich, da die Schäden an der regionalen Energieinfrastruktur sowie erhöhte Sicherheitskosten das Angebot weiterhin verknappen. Wir gehen davon aus, dass sich die Kapitalmärkte bei einer stabilen Waffenruhe nun zügig wieder fundamentalen Themen und Quartalsberichten zuwenden. Damit würde der Nahost-Konflikt – trotz vieler ungelöster politischer Fragen – als dominierender Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft vorerst in den Hintergrund treten.
Nachdem in der Hochphase der Unsicherheit der Fokus primär auf der Absicherung („Resilienz leben“) lag, gewichten wir angesichts der Deeskalationssignale nun beide Aspekte unseres Leitmotivs „Chancen nutzen, Resilienz leben“ gleichwertig.
Aufgrund der ambitionierten Bewertungen nach der starken Performance der letzten Jahre und der dynamischen Erholung der jüngsten Börsentage nehmen wir eine neutrale Haltung ein und mahnen zur Disziplin. Während wir im Technologiesektor gezielt selektive Wachstumsgelegenheiten wahrnehmen, bieten Anleihen im aktuellen Umfeld ein zweifaches Plus: Sie liefern durch das gestiegene Zinsniveau attraktive laufende Erträge und fungieren gleichzeitig als stabilisierendes Korrektiv gegen Marktschwankungen. Da das fundamentale Aufwärtspotenzial für den Gesamtmarkt nach unserer Einschätzung derzeit begrenzt bleibt, behält der Aspekt der Resilienz hohe Priorität. Eine breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen hinweg bleibt daher die zentrale Maxime unserer Strategie, um Chancen und Risiken in einem ausgewogenen Verhältnis zu halten.