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Die starke Abwertung des US-Dollars war diese Woche eines der bestimmenden Themen auf den Finanzmärkten. Ein wesentlicher Auslöser waren Hinweise darauf, dass die USA in Absprache mit Japan auf dem Devisenmarkt aktiv werden könnten, um den Yen zu stützen und einen möglichen Aufwärtsdruck auf die Renditen von US-Staatsanleihen abzuwenden. Aussagen des US-Präsidenten, er fühle sich mit der gegenwärtigen Dollarschwäche wohl, erhöhten die Sorgen der Marktteilnehmer. Nachdem der amerikanische Finanzminister Scott Bessent am Mittwoch eine Präferenz für einen starken US-Dollar signalisiert und betont hatte, dass die USA definitiv keine Dollar gegen Yen verkaufen möchten, stabilisierte sich die US-Währung wieder etwas. Die Dollarschwäche spielte auch beim starken Anstieg des Goldpreises eine Rolle. Das gelbe Metall stieg diese Woche auf fast 5.600 US-Dollar an und erreichte damit, ebenso wie Silber und Kupfer, einen neuen Rekordstand.
Wie erwartet, hat die US-Notenbank (Fed) am Mittwoch ihren Leitzins in einer Spanne zwischen 3,50 und 3,75 Prozent unverändert belassen. Spannender waren jedoch die Pressemitteilung und die Pressekonferenz. Darin bekundete die Fed, dass sie sich mit dem aktuellen Stand des Leitzinses wohlfühle. Angesichts des nach wie vor soliden Wirtschaftswachstums sei der gegenwärtige Zinssatz scheinbar nur mäßig restriktiv. Man bleibe bei einem datengetriebenen Ansatz. Nach den jüngsten Angriffen der US-Administration auf die Unabhängigkeit der Fed stand dieses Thema ebenfalls im Fokus des Interesses. Hier betonte der Fed-Präsident Jerome Powell, dass die Notenbank noch immer unabhängig sei. Eine Einflussnahme seitens der Politik sei jedoch real und sollte diese gelingen, würde dies die Glaubwürdigkeit und somit die Handlungsfähigkeit der Notenbank langfristig und massiv beschädigen.
Insgesamt bleiben die US-Konjunkturdaten weiterhin durchwachsen. Besonders negativ fiel zuletzt das vom Conference Board erhobene Verbrauchervertrauen aus. Es stürzte im Januar unerwartet auf den niedrigsten Stand seit 2014 ab. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz und die Inflation. Bereits letzte Woche wies die Sparquote in den USA den niedrigsten Stand seit 2022 auf, was darauf hindeuten könnte, dass der Spielraum für höhere Konsumausgaben geringer wird. Obwohl die US-Wirtschaft nach wie vor stark vom Konsum getragen wird, fielen die Marktreaktionen in beiden Fällen relativ gering aus.
Zudem nimmt die Berichtssaison weiter Fahrt auf. Das Hauptaugenmerk liegt dabei vor allem auf dem KI-Bereich. Bei den bisherigen Veröffentlichungen zeichnet sich ab, dass die Börsianer zunehmend selektiver agieren, das Zahlenwerk und die Ausblicke von KI-Unternehmen kritischer hinterfragen und Abweichungen von den Erwartungen entsprechend honorieren. Insgesamt scheint das Narrativ um die KI-Welle jedoch zumindest bislang weiterhin intakt.
Wie geht es weiter?
In der kommenden Woche stehen vor allem die US-Arbeitsmarktzahlen im Fokus. Sie könnten die Spekulationen der Marktteilnehmer über den Zeitpunkt weiterer Zinssenkungen der Fed beeinflussen. Zudem sollte die Berichtssaison weiterhin im Mittelpunkt stehen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Identifizierung von vermeintlichen KI-Gewinnern und -Verlierern. Mit Blick auf europäische Unternehmen könnte die jüngste Aufwertung des Euro die Stimmung an den Märkten trüben.
In der kommenden Woche findet die Februar-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) statt. Diese dürfte ihre Leitzinsen unverändert lassen. Interessanter dürften jedoch die Aussagen zur Wechselkursentwicklung sein. Denn auch wenn der Wechselkurs keine direkte Zielvariable der EZB darstellt, könnte eine weitere Aufwertung des Euro die Rufe nach Zinssenkungen lauter werden lassen.
Aus unserer Sicht unterstreicht die gegenwärtige Dollarschwäche abermals die Notwendigkeit, die im Jahresausblick beschriebene „Resilienz zu leben“. Wir setzen daher weiterhin auf eine große globale Streuung, bei der alle Regionen – und somit auch die USA – berücksichtigt werden sollten. Unsere konstruktive Einstellung gegenüber Aktien behalten wir, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der bisher soliden Berichtssaison, bei.