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Korrektur wieder aufgeholt

Vergangenen Freitagmorgen erreichte die Korrektur am Aktienmarkt ihr Ende. Seither konnten die Indizes einen Großteil der Verluste der vorangegangenen eineinhalb Wochen wieder wettmachen. Der Erholungskurs wurde nicht zuletzt durch die Zinssenkungserwartungen an die US-Notenbank Fed initiiert. Zwischenzeitlich hatte der Markt seine Hoffnungen auf eine Absenkung der Leitzinsen im Dezember fast gänzlich verloren. Der Arbeitsmarktbericht für September lieferte dann äußerst gemischte Signale. So fiel der Stellenaufbau überraschend stark aus. Doch mit dem Blick auf die Details hinter der gerundeten Arbeitslosenquote zeigte sich, dass man mit 4,44 % nur knapp an einer berichteten Quote von 4,5 % vorbeischrammte und der Arbeitsmarkt insgesamt wohl doch weiter abkühlt. Letztlich sorgte dann eine Reihe von Fed-Reden dafür, dass eine Zinssenkung als „Absicherung“ im Dezember inzwischen nahezu als sicher gilt. Entsprechend gab es auch die Bewegungen am Rentenmarkt. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen fiel in der letzten Woche um 15 Basispunkte auf unter 4,0 %.

Die jüngsten ökonomischen Stimmungsindikatoren fielen tendenziell schwächer aus. Das US-Verbrauchervertrauen gemäß Conference Board verlor fast 7 Punkte und liegt nur noch knapp über dem April-Wert, der vom „Liberation Day“ dramatisch nach unten gezogen wurde. In heimischen Gefilden verharrte der ifo Geschäftsklimaindex weitgehend auf seinem bisherigen Niveau. Zwar verbesserte sich die Lageeinschätzung minimal, doch gab die Erwartungskomponente etwas mehr ab.

Wie geht es weiter?

Der Einzelhandelsumsatz vom jetzt startenden Thanksgiving-Wochenende in den USA könnte als Indikator einen Einblick in die Verfassung der Gesamtwirtschaft geben. Ansonsten sind aus dem makroökonomischen Datenkranz für die kommenden Tage kaum Impulse zu erwarten. Zwar stehen mit den Inflationsraten der Euroländer relevante Daten an, doch erwarten wir keine großen Abweichungen von den bisherigen Zahlen und damit keine neuen Implikationen für die Geldpolitik der EZB. Damit werden Nachrichten zu einzelnen Unternehmen und der Politik wohl wichtiger sein.

So dürfte sich die Differenzierung zwischen einzelnen Titeln innerhalb eines Sektors fortsetzen. Hinsichtlich der Diskussion um die tatsächliche Nutzungsdauer von Halbleitern würden z. B. Käufer, wie Hyperscaler (Betreiber riesiger Rechenzentren), von längeren Zeiträumen profitieren, während sie für Hersteller weniger Einnahmen durch Chips neuerer Generationen bedeuten würden – und umgekehrt. Derweil ist beim Tauziehen um den Waffenstillstands-Plan in der Ukraine noch kein Ende in Sicht und der Ausgang bleibt ungewiss. Außerdem könnte die US-Administration noch vor Weihnachten den Nachfolger von Jerome Powell bekannt geben. Der Finanzminister führte dieser Tage die Gespräche mit den finalen fünf Kandidaten.

Nach der Erholung sehen wir den Aktienmarkt aktuell im neutralen Bereich, weshalb sich weder eine Zurückhaltung noch eine euphorische Aufstockung aufdrängt. Hinsichtlich der Branchen lässt sich festhalten, dass der Verteidigungssektor noch immer deutlich unter den Höchstständen der Vormonate liegt. Sofern der Einstieg zuvor nicht geklappt hat, könnte sich hier eine Gelegenheit bieten. Denn selbst mit einem Waffenstillstands-Plan müsste dieser perspektivisch durch die Europäer abgesichert werden.

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