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Öffnung der Straße von Hormus?

Mindestens 38-mal hat Donald Trump seit dem Angriff auf den Iran Ende Februar behauptet, dass ein Friedensabkommen oder ein Deal kurz bevorstehe. Dieses Mal wird diese Aussage jedoch auch weitgehend vom Iran und vom Vermittler Pakistan bestätigt. Die offizielle Unterzeichnung soll am kommenden Freitag, 19.6., in der Schweiz stattfinden. Bis dahin soll die Straße von Hormus durch den Iran von Seeminen befreit werden, so dass die Meerenge ab Freitag wieder frei befahrbar wäre.

Erste Reaktionen

Im Wesentlichen stellt die aktuelle Situation eine Bestätigung der Annahmen des Aktienmarktes dar. Dort wurde implizit davon ausgegangen, dass es bis Ende Juni oder spätestens Juli eine Einigung geben würde. Auch der Ölpreis hatte bereits im Vorfeld eine Abwärtsbewegung gezeigt. Beide Märkte intensivierten ihre Trends nach dem Wochenende. Die US-Börsen stehen wieder kurz vor ihren vorherigen Höchstständen und der Ölpreis liegt bei rund 83 US-Dollar pro Barrel (Brent). Nur noch knapp über dem oberen Ende unseres ursprünglichen Prognosebandes (60 – 80 US-Dollar).

Am Rentenmarkt ist die Situation etwas differenzierter, denn die mittelfristigen Inflations- und Konjunkturauswirkungen sind nicht ganz so eindeutig. So geht der Markt weiterhin zu 80 % davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins bis September noch einmal erhöhen wird. Das lange Ende der Zinskurve (10-jährige Bundrendite) fiel um knapp 5 Basispunkte auf 2,95 %. Insgesamt sind die Anpassungen am Markt für Zinsen also überschaubar.

Auch der Wechselkurs reagierte vergleichsweise verhalten. Als sicherer Hafen konnte der US-Dollar zu Kriegsbeginn kräftig aufwerten. Nun fiel die Gegenreaktion aber erstaunlich klein aus. Der Greenback wertete lediglich von 1,15 auf 1,16 US-Dollar pro Euro ab.

Unsere Einschätzung

Das Rahmenabkommen wird wohl auf tönernen Füßen stehen. Denn zur Vereinbarung gehört auch eine Waffenruhe im Libanon. Allerdings hat Israel schon durchblicken lassen, dass es sich nicht an den Deal zwischen den USA und Iran gebunden sieht. Dies birgt die Gefahr für eine erneute Eskalation. Außerdem ist noch völlig offen, wie es mit dem Atomprogramm und der Raketenentwicklung weiter geht – dies war ursprünglich der Auslöser für den Krieg. Zudem gehen die Aussagen zur Straße von Hormus auseinander. Der Iran spricht von einer Maut bzw. Service-Gebühr die bezahlt werden muss, die USA behaupten dagegen, dass die Meerenge frei passierbar sein wird.

Mit Blick auf die volkswirtschaftlichen Implikationen ist zudem offen, wie sehr der bisherige Ölpreisschock schon Zweitrundeneffekte verursacht hat. Unter der Annahme, dass die Energiepreise nun konstant bleiben, zeigt unser Prognosemodell, dass die Headline-Inflation zum Jahresende aufgrund von Basiseffekten zwar über 3 % steigen, im Gesamtjahr aber unter 3 % bleiben würde. Die Kernrate sehen wir bei rund 2,5 % im Jahresdurchschnitt.

Sollte die Situation nicht erneut eskalieren, wird die EZB den Leitzins bei ihrer Juli-Sitzung wohl unverändert lassen. Danach folgt die Sommerpause und es steht erst im September der nächste Zinsentscheid an. Bis dahin hätte die europäische Notenbank Daten für mindestens 2 Monate im neuen Preis-Umfeld und könnte dann auf Basis dessen die Situation neu bewerten. Einerseits spricht die bisherige Argumentation („es gibt schon jetzt Zweitrundeneffekte“) dafür trotzdem die Zinsen zu erhöhen. Andererseits könnten sich die Zweitrundeneffekte bis dahin aufgrund der abkühlenden Konjunktur doch als weniger gravierend herausstellen als bislang gedacht.

Die Federal Reserve und ihr neuer Chef Kevin Warsh könnten wohl um eine Zinsanhebung herumkommen. Die Geldpolitik ist bereits restriktiv und der neue Fed-Präsident argumentiert verstärkt mit dem Inflationsausblick. Dieser hat sich mit fallenden Ölpreisen verbessert.

Rolle Chinas

Die Bewertung der Absichtserklärung hängt nicht zuletzt an der Rolle Chinas und der Beziehung zu seinem Verbündeten Iran. Zuletzt hat das Reich der Mitte, das fast 1/3 des Golf-Öls abnimmt, seine Ölnachfrage kräftig gedrosselt. Offensichtlich wurde ein schwächeres Wirtschaftswachstum in Kauf genommen, um die energetische Unabhängigkeit zu wahren. Allerdings wurden auch die strategischen Reserven zunehmend abgebaut. Damit könnte das Interesse der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt für eine Öffnung der Straße von Hormus eine Toleranzschwelle überschritten haben. Wenn dies den Ausschlag gegeben haben sollte, dürfte das Abkommen deutlich stabiler sein als wenn China nicht beteiligt war.

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