Search
Close this search box.

Konjunktur & Preise: US-Arbeitsmarkt # USA: Verbrauchervertrauen

.

Quelle: Bloomberg

.

Rückblick:

Die aktuelle Woche ist durch eine hohe Dichte wichtiger makroökonomischer Veröffentlichungen gekennzeichnet. Das vom Forschungsinstitut Conference Board erhobene US-Verbrauchervertrauen überraschte mit einem Anstieg des entsprechenden Index auf 92,8 Punkte positiv. Auf ihrer April-Sitzung hat die US-Notenbank (Fed) ihre Leitzinsen unverändert gelassen. Bei dieser Entscheidung gab es jedoch vier abweichende Stimmen – der höchste Anteil seit 34 Jahren. Die Fed beabsichtigt, an ihrem datengetriebenen Ansatz festzuhalten. Zwar habe sich der Arbeitsmarkt stabilisiert, der Grund hierfür – wenig Entlassungen und Einstellungen – sei jedoch weniger zufriedenstellend. Neben den stark angestiegenen Energiepreisen habe der Iran-Konflikt zu einer großen Ungewissheit geführt. Neben den Energiepreisen sind es nach wie vor die preissteigernden Effekte aus den US-Zöllen, die die Inflationsraten hochhalten. In seiner letzten Pressekonferenz als Fed-Präsident hob Jerome Powell die große Bedeutung der politischen Unabhängigkeit der Notenbank hervor. Darüber hinaus kündigte er an, dass er auch nach Ende seiner Amtszeit zunächst im Offenmarktausschuss (FOMC) verbleiben werde. Seine Amtszeit in diesem Ausschuss endet im Januar 2028. Als ungeschriebene Regel verlassen scheidende Notenbankpräsidenten den Offenmarktausschuss üblicherweise freiwillig. Als Grund für seine Entscheidung nannte Powell das laufende Gerichtsverfahren gegen die US-Notenbank. Er beabsichtigt, zumindest solange im FOMC zu bleiben, bis das Verfahren vollumfänglich abgeschlossen ist. Solange Powell seinen Posten nicht aufgibt, kann der US-Präsident niemanden neues für diese Position nominieren.

Die gestiegenen Energiepreise machten sich diese Woche in den April-Inflationsraten im Euroraum bemerkbar. In Deutschland stieg die anhand des Verbraucherpreisindexes berechnete Inflationsrate im April auf 2,9 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat betrug der Anstieg 0,6 Prozent. Die nach den Standards der EZB erhobene Inflationsrate (HVPI), die mit einer anderen Gewichtung ermittelt wird, lag ebenfalls bei 2,9 Prozent und damit deutlich unter der Markterwartung von 3,1 Prozent. Ein wichtiger Grund hierfür waren Preisrückgänge bei Pauschalreisen, die die stark gestiegenen Kraftstoff- und Heizkosten etwas ausglichen. Die jährliche Inflationsrate im Euroraum stieg im April auf 3,0 Prozent. Auch dies ist auf die gestiegenen Energiepreise zurückzuführen, die fast 11 Prozent über den Preisen des Vorjahresmonats lagen. Die Kerninflationsrate, die ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel berechnet wird, ging im April auf 2,2 Prozent zurück. Dies war vor allem auf „außerordentliche“ Preiseffekte zurückzuführen, die mit Ostern in Verbindung standen. Während die Teuerungsraten im Euroraum den Markterwartungen entsprachen, lagen die Inflationsraten in Frankreich darüber.

Zudem wurden diese Woche die BIP-Wachstumsdaten aus dem Euroraum erwartet. Die Wirtschaft im Euroraum schwächte sich zu Beginn des Jahres ab und wuchs im Vergleich zum Vorquartal lediglich um 0,1 Prozent. In Frankreich blieb ein Wachstum aus. Die deutsche Volkswirtschaft überraschte hingegen positiv. Im Vergleich zum Vorquartal betrug das Wachstum 0,3 Prozent. Allerdings dürfte sich durch den Iran-Konflikt deutlicher Gegenwind ergeben. Bei der Einordnung der Wachstumszahlen für das erste Quartal darf nicht vergessen werden, dass der Konflikt erst im März ausgebrochen ist.
Die Kombination aus schwachem Wachstum und hoher Inflation ist für die Europäische Zentralbank eine ungünstige Konstellation und erschwert die Ausgestaltung ihrer weiteren Geldpolitik deutlich. Auf ihrer Sitzung im April beließ sie den Leitzins in Form des Einlagesatzes unverändert.

Ausblick:

In der kommenden Woche steht vor allem der US-Arbeitsmarktbericht im Fokus. Zudem werden wichtige Zahlen zum Außenhandel und zur Industrieproduktion in Deutschland für den Monat März erwartet. Auch China wird in der kommenden Woche Zahlen zum Außenhandel veröffentlichen. Besonders im Blickpunkt steht außerdem der Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan.

US-Arbeitsmarkt

.

Wie eingangs beschrieben, zeichnet sich die aktuelle Situation am US-Arbeitsmarkt durch wenige Neueinstellungen und Entlassungen aus („low-hire, low-fire”). Insgesamt kam es im ersten Quartal zu einem moderaten Beschäftigungswachstum. Der Stellenaufbau unterlag aufgrund verschiedener Faktoren – insbesondere Streiks und schlechtes Wetter – extremen Schwankungen. Die Arbeitslosenquote blieb stabil, während die Erwerbsbeteiligung rückläufig war und der Lohndruck nachließ. Da der Arbeitsmarkt gegenwärtig insgesamt stabil zu sein scheint, kann sich die US-Notenbank (Fed), deren Doppelmandat sowohl Preisniveaustabilität als auch Vollbeschäftigung umfasst, daher etwas stärker auf den ersten Teil ihres Mandats fokussieren. Es bleibt abzuwarten, inwieweit der weitere ungewisse Verlauf des Iran-Konflikts die US-Wirtschaft belasten wird. Auf der Notenbanksitzung im April hob Jerome Powell hervor, dass die Auswirkungen im Vergleich zu Asien und Europa geringer ausfallen dürften.

USA: Verbrauchervertrauen

.

Die Stimmung und das Vertrauen der US-Verbraucher haben sich im vergangenen Jahr deutlich verschlechtert. So stürzte der Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan für den Monat April mit 49,8 Punkten auf ein Allzeittief ab. Dabei spielte der Iran-Konflikt, insbesondere in Form der stark gestiegenen Inflationsraten, eine zentrale Rolle. Die von der Universität Michigan ebenfalls erhobenen einjährigen Inflationserwartungen stiegen im April um 0,9 Prozentpunkte auf 4,7 Prozent an. Die abweichende Entwicklung zum Conference Board Index, der zuletzt angestiegen ist, ist auf eine unterschiedliche Gewichtung und Ausrichtung zurückzuführen. Während der Conference Board Index üblicherweise stärker auf Entwicklungen am Arbeitsmarkt reagiert, hängt der Index der Universität Michigan stärker von Energie- und Lebensmittelpreisen ab.

Abonnieren Sie unsere kostenlosen Newsletter rund um die Themen Kapitalmarkt, Zinsen und Konjunktur.