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Konjunktur & Preise: USA: Inflationsraten # USA und Euroraum: Industrieproduktion

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Rückblick:

In der abgelaufenen Woche lieferten die ökonomischen Indikatoren einige spannende Erkenntnisse:
(1) Trotz der herausfordernden Lage in Deutschland zeigte die Wirtschaft wieder erste Lebenszeichen. Der Auftragseingang stieg im November um 5,6 % zum Vormonat, obwohl ein Rückgang um 1,0 % vom Konsens prognostiziert wurde. Dies stellt den dritten Anstieg in Folge und den höchsten Stand seit zwei Jahren dar. Auch die Industrieproduktion zeigte den dritten konsekutiven Monat mit einem Zuwachs.
(2) Die deutsche Inflation lag im Dezember mit 1,8 % erstmals seit September 2024 und zum dritten Mal seit März 2021 unter der Marke von 2 %. Der Konsens hatte dagegen mit 2,1 % gerechnet. Auch wenn dies eine Momentaufnahme ist, bestätigt es doch, dass die Teuerung in den heimischen Gefilden wieder das Zielniveau erreicht hat.
(3) In den USA hinterlässt die Zollpolitik derweil weiter tiefe Spuren in der Außenhandelsstatistik. Das Handelsbilanzdefizit reduzierte sich im Oktober kräftig auf -29,4 Mrd. USD. Dies ist der niedrigste Wert seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise. Strukturell war das Defizit zuletzt Anfang des Jahrtausends so klein. Allerdings ist der Rückgang kaum fundamental zu begründen, sondern Gold & Silber („nonmonetary gold“ & „precious metals, other“) haben wieder eine große Rolle gespielt. Die Exporte legten um fast 7 Mrd. USD bzw. um gut 3,5 Mrd. USD zum Vormonat zu und die Importe reduzierten sich in den beiden Gütergruppen um insgesamt rund 1,5 Mrd. USD. Dies erklärt bereits 12 Mrd. USD Veränderung. Den zweiten großen Ausreißer stellten Arzneimittelpräparate („pharmaceutical preparations“) dar, deren Importe um über 14,3 Mrd. USD einbrachen. Die Dienstleistungsbilanz war mit rund 30 Mrd. USD dagegen insgesamt weitgehend unauffällig. (4) Zu guter Letzt bleibt zu hoffen, dass die Nachwehen des US-Shutdowns bezüglich der Datenqualität nun zu Ende gehen. Die Arbeitsquote wurde für Dezember mit 4,4 % ausgewiesen. Der Vormonatswert wurde leicht nach unten auf 4,5 % revidiert, was für diesen Datenpunkt äußerst selten ist. Die Zahl der neuen Stellen beträgt 50 Tausend. Hier sind Revisionen der beiden Vormonate dagegen üblich. Dieses Mal wurden sie um 76 Tausend nach unten korrigiert. Damit ergibt sich das Bild, dass offensichtlich wenige neue Stellen ausreichend sind, um den Arbeitsmarkt im Gleichgewicht zu halten.

Ausblick:

In der kommenden Woche gibt es endlich wieder einen vollständigen Inflationsbericht aus den USA, bei dem auch Veränderungsraten zum Vormonat ermittelt werden können. Daneben können wir mit Spannung die Schnellschätzung zum deutschen BIP-Wachstum 2025 erwarten, um zu sehen, ob es diesmal für eine positive Veränderungsrate reicht. Der Konsens geht von einem kleinen Plus von 0,2 % aus. Aufgrund der volatilen Außenhandelszahlen sind trotz dreier bereits veröffentlichter Quartale Abweichungen aber nicht auszuschließen.

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USA: Inflationsraten

Quelle: Bloomberg

Mit 2,7 % lag die Inflationsrate in den USA für November deutlich unter den am Markt erwarteten 3,1 %. Allerdings bemängeln viele Ökonomen die Datenqualität, da die Berechnung aufgrund der durch den Shutdown nicht erhobenen Zahlen für Oktober verzerrt sein dürfte. Viele der stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktkomitees der US-Notenbank gehen weiterhin davon aus, dass die erhobenen Import-Zölle in den kommenden Monaten zunehmend Preisdruck erzeugen werden. Auch wenn wir keinen sprunghaften Inflationsanstieg erwarten, werden die US-Inflationsraten auch in diesem Jahr das 2-Prozentziel der Notenbank voraussichtlich verfehlen und sich eher leicht unterhalb von 3 % bewegen.

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USA und Euroraum: Industrieproduktion

Quelle: Bloomberg

Die Industrieproduktion in den USA nahm im Verlauf des Jahres 2025 kontinuierlich zu und stand zuletzt 1,7 % über dem Januarwert. Dabei dürften weniger die Zollpolitik als vielmehr die Ausstrahleffekte der KI-Investitionen entscheidend gewesen sein. Zwar legte im Euroraum die Industrieproduktion im selben Zeitraum ebenfalls um 1,7 % zu. Doch war der Verlauf deutlich schwankungsintensiver. Auch in der längeren Betrachtung sind Unterschiede festzustellen. So liegt der Output jenseits des Atlantiks derzeit über dem Niveau von 2022, während er in Europa darunter liegt. Für den November wird vom Konsens für den Euroraum eine Stagnation (0,0 %) erwartet. Für die USA wird für den Dezember ein leichter Anstieg (0,3 %) prognostiziert.

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