Search
Close this search box.

Konjunktur & Preise: Euroraum: EZB Leitzins # USA: Fed Leitzins

.

Quelle: Bloomberg

.

Rückblick:

Der ZEW-Index für Deutschland gab im Oktober zum ersten Mal seit April wieder Punkte ab und fiel auf 28,1 Punkte. Der Iran-Konflikt und die hohen Energiepreise belasteten die Stimmung. Positiv hervorzuheben ist jedoch der ZEW-Lageindikator, der sich unerwartet deutlich verbesserte und darauf hindeutet, dass sich das gegenwärtige Umfeld trotz des leicht getrübten Ausblicks langsam stabilisiert. Die hohen Energiepreise waren auch hauptverantwortlich für den Anstieg des Produzentenpreisindex in Deutschland. Dieser stieg im September im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent (Markterwartung: 6,3 %). In der Inflations-Pipeline liegt somit weiterhin inflationärer Druck vor, der sich zumindest in Teilen auf die Verbraucherpreise übertragen dürfte. Die Bundesbank hob diese Woche hervor, dass die Inflationsrisiken in Deutschland erhöht sind. Zudem erwartet die Bundesbank für das dritte Quartal ein Null-Wachstum, prognostiziert dafür aber einen deutlichen Anstieg für die letzten Monate des Jahres.

Der Index für das Verbrauchervertrauen im Euroraum gab etwas stärker als vom Markt erwartet nach und liegt nun bei -17,9 Punkten. Hauptverantwortlich für den Rückgang sind nach wie vor die gestiegenen Energiepreise. Der Index entfernte sich somit noch weiter von seinem langfristigen Durchschnittswert. Die Renditedifferenz zwischen zehnjährigen französischen und deutschen Staatsanleihen weitete sich auf 175 Basispunkte aus – der höchste Stand seit 2011.

Aus den USA kamen diese Woche schwächere Daten zum Häusermarkt. Der NAHB-Häusermarkt-Index gab im Oktober um 3 Punkte nach und markiert mit 29 Punkten den schlechtesten Wert seit 14 Jahren. Auch die Baubeginne lagen im Oktober deutlich unter der Konsensschätzung. Die jüngsten Zahlen sind vor allem Ausdruck der hohen Hypothekenzinsen, die mittlerweile bei über 7 Prozent liegen. Hinzu kommen gestiegene Kosten für Baumaterialien sowie ein Mangel an Arbeitskräften im Bausektor.

Chinas Wirtschaft lieferte diese Woche durchweg positive Daten. So lag das BIP-Wachstum im dritten Quartal 2026 bei 4,5 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und übertraf damit die Konsensprognose von 4,4 %. Dadurch rückt Chinas jährliches Wachstumsziel wieder in greifbare Nähe. Die Industrieproduktion stieg im September entsprechend der Markterwartung um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Angetrieben wurde diese Entwicklung vor allem durch das verarbeitende Gewerbe und den Technologiesektor. Die Einzelhandelsumsätze überraschten mit einem Anstieg von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr positiv. Dies übertraf die Konsensprognose von 0,5 Prozent deutlich. Das absolute Niveau der Konsumausgaben bleibt jedoch weiterhin schwach. Die Arbeitslosenquote in den Städten ging von 5,3 Prozent auf 5,2 Prozent zurück und die chinesische Zentralbank ließ ihre Leitzinsen unverändert (Kredit-Leitzins für 1 Jahr bei 3,00 % und für fünf Jahre bei 3,50 %).

Die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für Oktober zeigen eine Eurozone mit zwei Geschwindigkeiten. Während sich das verarbeitende Gewerbe in Deutschland mit einem Wert von 54,2 deutlich über der Expansionsschwelle befindet, drückt Frankreich mit einem Wert von 48,4 den Gesamtwert nach unten. Der Gesamt-PMI der Eurozone liegt mit 51,9 unter der Konsensprognose von 52,7 und spiegelt einen deutlichen Verlust an Dynamik wider. Dieser ist in erster Linie auf einen starken Rückgang im Dienstleistungssektor in Frankreich und Deutschland zurückzuführen. Hohe Energiekosten, angespannte Finanzbedingungen und eine nachlassende Nachfrage nach dem Sommer belasten die konsumorientierten Unternehmen. Deutschland bleibt der relative Spitzenreiter, gestützt durch die export- und verteidigungsgetriebene Industriekonjunktur. Doch selbst dort verfehlte der Gesamtindex die Erwartungen. Insgesamt untermauern die PMI-Daten für Oktober die Argumente für eine Pause der EZB auf ihrer Oktober-Sitzung, da sich die Wachstumsdynamik abschwächt, auch wenn die Inflationsrate weiterhin deutlich über dem 2-Prozent-Zielwert liegt.

Ausblick:

In der kommenden Woche ist der ökonomische Kalender von einer hohen Dichte an Veröffentlichungen wichtiger Daten und Notenbanksitzungen gekennzeichnet. Vor allem die Daten zum BIP-Wachstum und zu den Inflationsraten in den USA und im Euroraum sowie die Kommunikation der Zentralbanken auf den Pressekonferenzen im Anschluss an die Zinsentscheidungen könnten die Karten bezüglich der Leitzinserwartungen am Markt neu mischen. Nach dem Rückgang des ZEW-Index stehen der ifo Geschäftsklimaindex und der GfK-Konsumklimaindex im Fokus der Marktteilnehmer. Mit Blick auf die Materialisierung möglicher inflationärer Zweitrundeneffekte im Euroraum könnten die Veröffentlichungen der Arbeitslosenquoten neue Anhaltspunkte liefern.

Euroraum: EZB Leitzins

.

.

Wir erwarten, dass die EZB ihren Leitzins (Einlagensatz) bei ihrer Sitzung im Oktober unverändert bei 2,50 Prozent belässt. Dies spiegeln auch die impliziten Leitzinserwartungen der Terminmärkte wider. Notenbankpräsidentin Christine Lagarde hat kürzlich erneut betont, dass sich derzeit keine Zweitrundeneffekte beobachten lassen. Insgesamt deutet die Kommunikation der Offenmarktmitglieder der EZB jedoch darauf hin, dass die Notenbank im Dezember eine weitere Leitzinserhöhung vornehmen dürfte. Dies entspricht auch unserer Erwartung. Zudem deuten die jüngsten Aussagen der Zentralbanker auf eine Präferenz für einen maßvollen und datenabhängigen geldpolitischen Kurs hin. Die Dezember-Sitzung bietet sich auch deswegen für eine Zinserhöhung an, da die EZB dann ihre aktualisierten Prognosen vorstellen wird. Datenseitig ist festzuhalten, dass die Wachstumsdynamik und das Verbrauchervertrauen zuletzt abgenommen haben. Inflationsseitig überraschte der deutliche Anstieg der Inflationsraten durch die gestiegenen Energiepreise. Auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Notenbanksitzung in der kommenden Woche dürften sich die Fragen vor allem um die angespannte Lage bei französischen Staatsanleihen drehen. Dies vor allem vor dem Hintergrund, ob und wann die EZB mit Anleihekäufen der Ausweitung der französischen Renditen entgegenwirken würde.Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) im Oktober werden zeigen, ob das starke Momentum aus dem September beibehalten werden kann. So verbesserte sich der PMI für den Euroraum im vergangenen Monat auf 53,1 Punkte. Damit lag er nicht nur weiterhin komfortabel über der konjunkturellen Wachstumsschwelle von 50 Punkten, sondern erreichte zugleich den höchsten Stand seit 41 Monaten. Die PMIs im Euroraum trotzten dem zuletzt starken konjunkturellen Gegenwind aus der Leitzinsanhebung der EZB, den steigenden Energiepreisen und dem nachlassenden Verbrauchervertrauen. Im September präsentierten sich vor allem die deutschen PMIs besonders stark und lagen in den beiden Teilindizes für das verarbeitende Gewerbe (53,9) und für den Dienstleistungssektor (52,9) weiterhin deutlich über der 50-Punkte-Marke. Angesichts des zuletzt starken Rückgangs der Auftragseingänge in der Industrie dürfte insbesondere der PMI für das verarbeitende Gewerbe von besonderem Interesse sein. Insgesamt dürfte das Hauptaugenmerk mit Blick auf die Euroraum Länder jedoch angesichts der gestiegenen Energiepreise im September primär auf dem energiebedingten Preisdruck liegen. Die zentrale Frage ist, ob die Energiepreise nun anfangen, die PMIs stärker auszubremsen, oder ob sich die Resilienz aus dem dritten Quartal auch im vierten Quartal fortsetzen wird.

USA: Fed Leitzins

.

.

Wir erwarten, dass die Fed bei ihrer Sitzung im Oktober zwar eine restriktive Haltung einnehmen, ihren Leitzins (Fed-Funds-Rate) jedoch unverändert in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent belassen wird. Diese Einschätzung deckt sich im Wesentlichen mit den impliziten Leitzinserwartungen an den Terminmärkten. Das wirtschaftliche Umfeld bleibt für die Notenbank herausfordernd: Für eine weitere Anhebung im Dezember spricht zum einen, dass sich der Verbraucherpreisindex im Jahresvergleich im September um 3,7 Prozent erhöhte und somit deutlich oberhalb des Inflationsziels der Notenbank liegt. Zum anderen wird für das dritte Quartal ein starkes BIP-Wachstum erwartet. Gegen eine weitere Straffung der Geldpolitik sprechen die nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt und der Immobilienmarkt, der sich auf einem Mehrjahrestief befindet. Zudem bremsen die stark gestiegenen langfristigen Renditen bereits die Konjunktur, ohne dass hierfür weitere Leitzinserhöhungen nötig wären. Mit Blick auf die Sitzung in der kommenden Woche spricht auch die zeitliche Nähe zu den Zwischenwahlen. Zinserhöhungen könnten sonst als politische Einflussnahme bewertet werden. Wir erwarten, dass der Notenbankpräsident Kevin Warsh auf der Pressekonferenz im Anschluss an den Zinsentscheid sein Bekenntnis zur Preisstabilität bekräftigen wird.

Abonnieren Sie unsere kostenlosen Newsletter rund um die Themen Kapitalmarkt, Zinsen und Konjunktur.