Einkaufsmanagerindizes signalisieren moderate Erholung

veröffentlicht am 23. Mai 2024

Einkaufsmanagerindizes signalisieren moderate Erholung

Die Einschätzungen der europäischen Einkaufsmanager fielen im Mai im Gesamtbild positiv, aber innerhalb der Komponenten durchaus differenziert aus. Der Index für den französischen Dienstleistungssektor überraschte negativ, während sich die deutsche Industrie schneller als erwartet von den Tiefständen zu erholen scheint.

Per Saldo stieg der Gesamtwert für die Euro-Zone auf 52,3 Punkte und liegt damit weiterhin spürbar über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Die konjunkturelle Talsohle dürfte damit durchschritten sein und im Sommerhalbjahr sollte es eine Rückkehr auf den Wachstumspfad geben, die durch den Dienstleistungssektor getragen wird.

Industrie zeigt leichte Erholungssignale

Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe hellte sich, ausgehend von tiefen Ständen, auf. Der industrielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für Deutschland legte um erstaunlich kräftige 2,9 Zähler auf 45,4 Punkte zu. Das französische Pendant stieg um 1,4 auf 46,7 Zähler. Für die gesamte Euro-Zone ergab sich ein Plus von 1,7 auf 47,4 Punkte.

Fazit: Die europäische Industrie verbleibt unter der Wachstumsschwelle, könnte nun aber die Talsohle durchschritten haben.

Deutsche Dienstleister auf Wachstumskurs

Im Dienstleistungssektor zeigt sich ein differenziertes Bild. Während der deutsche Service-Index um 0,7 auf 53,9 Zähler zulegte, büßte der französische PMI überraschend 1,9 Punkte ein und steht nur noch bei 49,4 Zählern. Damit unterschreitet der französische Dienstleistungssektor knapp die Wachstumsschwelle. Für die Euro-Zone verharrte der Index bei 53,3.

Fazit: Der Dienstleistungssektor dürfte der europäische Wachstumstreiber werden, wobei sich die Gewichtung nun eher Richtung Deutschland bewegt.

Europäischer Composite verbessert

Bei den Gesamtindizes (Composites) überwiegte im Mai, abgesehen von Frankreich, eine Aufwärtstendenz. Während sich der deutsche Composite um 1,6 auf 52,2 Zähler verbesserte, sank der französische PMI um 1,4 auf 49,1 Punkte. Der Euro-Gesamtindex stieg leicht um 0,6 auf 52,3 Zähler.

Gesamtfazit: Die deutsche Industrie steckt zwar noch in der Rezession, erholt sich aber schneller als erwartet. Der französische Dienstleistungssektor überraschte negativ. In Summe überwiegen die positiven Signale und die konjunkturelle Flaute in der Euro-Zone dürfte in eine moderate Erholung übergehen.

 

Hintergrund: Was ist ein PMI?

Einkaufsmanagerindizes sind auch als PMI (Purchasing Managers Index) bekannt. Sie gelten als recht zuverlässige Frühindikatoren für die kurzfristige konjunkturelle Entwicklung. PMI werden sowohl für die Industrie als auch für den Dienstleitungssektor erhoben. Sie zeigen an, ob eine Volkswirtschaft wächst, stagniert oder schrumpft.

Einkaufsmanagerindizes basieren auf monatlichen Befragungen von mehreren hundert Unternehmen. Gefragt wird nach der erwarteten Entwicklung von Kenngrößen wie Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Lieferzeiten und Lagerbestand. Aus den Antworten werden die PMI berechnet.

Dabei gilt ein Wert von 50 als Wachstumsschwelle, als neutral. Bei 50 Punkten erwarten die befragten Unternehmen in der Summe keine Veränderung gegenüber dem Vormonat, also Stagnation.

Werte über 50 signalisieren eine Verbesserung, also Wachstum.

Liegt ein industrieller PMI unter 50 Punkten, wird mit einer schrumpfenden Industrieproduktion gerechnet.

Je größer die Abweichung von der Wachstumsschwelle, desto ausgeprägter ist der Aufschwung (über 50) bzw. der Abschwung (unter 50).

PMI für alle wichtigen Volkswirtschaften 

Einkaufsmanagerindizes werden für alle bedeutenden Volkswirtschaften erhoben. Der älteste ist der amerikanische Purchasing Managers Index, erstmals berechnet 1931.

PMI bewegen sich im Normalfall zwischen 40 und 60 Punkten. In Extremzeiten sind vorübergehend auch höhere oder tiefere Werte möglich.

So fielen die Industrie-PMI in der Corona-Krise in den unteren 30-er Bereich, die Dienstleister sogar bis auf die 10-er Linie.

Im März 2021 stellte der deutsche Industrie-PMI mit 66,6 Punkten einen neuen Rekord auf, während der Einkaufsmanagerindex aus Chicago seinen Höchststand von 76,6 Zählern bereits im Februar 1973 markierte.