Deutschland: Konjunkturerwartungen erneut aufgehellt

Deutschland: Konjunkturerwartungen erneut aufgehellt

 

Der vom Mannheimer Leibnitz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW ermittelte konjunkturelle Frühindikator überrascht im Mai erneut mit einem Anstieg um 4,2 auf 47,1 Punkte. Der Wert übertrifft die bereits aufwärts gerichteten Erwartungen um 1,1 Zähler.

 

Konjunktur-Optimismus wächst weiter

In den kommenden sechs Monaten erwartet mittlerweile eine Mehrheit von 54,2% der Befragten eine konjunkturelle Verbesserung. 38,7% rechnen mit einer unveränderten Entwicklung und nur noch 7,1% mit einer Verschlechterung. Daraus errechnet sich der aktuelle ZEW Indikator von 47,1 Punkten.

 

Lage weiter schlecht

Die Einschätzung der aktuellen Lage hat sich kaum verbessert. Nur 1,9% der Befragten empfinden sie als gut, 23,9% sehen sie als normal an und 74,2% beurteilen sie als schlecht. Per Saldo konnte sich der entsprechende Lage-Indikator also von einem sehr niedrigen Niveau aus leicht um 6,9 auf minus 72,3 Punkte verbessern.

 

Erwartung für stagnierende Inflationsraten

Die Erwartung für die Inflationsentwicklung in Deutschland hat sich in der Mai-Befragung gedreht. Die Mehrheit geht inzwischen davon aus, dass sich der Preisdruck nicht verändern wird. Demnach befürchten zwar nur noch 4,5% einen Anstieg, aber auch nur noch 45,5% gehen von einem Rückgang aus. Damit bleibt genau die Hälfte der Befragten übrig, die eine gleichbleibende Teuerungsrate erwarten, was einen Anstieg von 15,0 Prozentpunkten gegenüber der April-Umfrage bedeutet.

Für den Euroraum zeichnet sich eine ähnliche Dynamik ab, wobei noch eine knappe Mehrheit von 49,4%, also 5,8% weniger als zuvor, von einer Reduzierung in den nächsten sechs Monaten ausgeht.

Auch für die USA zeigt sich eine ähnliche Tendenz, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau: aktuell liegt die Mehrheitseinschätzung mit 48,1% (-1,9% ggü. April) bei einer nachlassenden Teuerungsrate.

Sinkende Leitzinsen erwartet

Bei den stark von den Notenbanken beeinflussten kurzfristigen Zinsen bleiben die Einschätzungen klar abwärtsgerichtet. Jeweils 1,3% der im Mai Befragten rechnen in den kommenden sechs Monaten mit höheren Leitzinsen in der Eurozone und den USA. 16,9% bzw. 42,2% gehen von unveränderten kurzfristigen Zinsen östlich bzw. westlich des Atlantiks aus. Eine klare Mehrheit von 81,8% geht von Leitzinssenkungen durch die EZB und eine deutlich knappere Mehrheit von 56,5% von Senkungen durch die Fed aus.

Renditen unverändert

Rund die Hälfte der Befragten sieht im kommenden halben Jahr unveränderte langfristige Zinsen. Für Deutschland, wie für den USA sind es jeweils 50,7%. Mit rückläufigen Renditen in Deutschland rechnen 41,4% und in den USA 38,8%. Steigende Langfristzinsen erwarten nur noch 10,5% für die USA und 7,9% für Deutschland.

DAX unverändert

Beim DAX hat die Zahl der Optimisten zugenommen. Mittlerweile rechnen 37,3% der Befragten in den kommenden sechs Monaten mit steigenden Notierungen. Allerdings erwarten immer noch die meisten der Befragten (44,1%) einen unveränderten Deutschen Aktienindex. Mit rückläufigen Notierungen rechnen 18,6%.

Dollar dürfte unverändert bleiben

Anders als im April sieht die Mehrheit (41,3%) der Befragten den US-Dollar gegenüber dem Euro für die nächsten sechs Monate unverändert. Während 40,0% eine Aufwertung erwarten, gehen 18,7% von einer Abwertung aus.

Fazit: Die Konjunkturerwartungen haben sich auch im Mai weiter aufgehellt und stützen unsere Einschätzung, dass die konjunkturelle Erholung im laufenden Quartal beginnt.

 

 

Hintergrund: Vorbote konjunktureller Wendepunkte

Der ZEW Indikator gilt als Vorbote konjunktureller Wendepunkte in Deutschland. Die ZEW Konjunkturerwartungen sind ein Frühindikator für die wirtschaftliche Lage, vergleichbar mit den ifo Geschäftserwartungen. Abgefragt werden die Erwartungen für die kommenden sechs Monate.

 

ZEW Indikator seit 1991

Seit 1991 werden im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests monatlich bis zu 300 Expertinnen und Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen ausgewählter Großunternehmen kontaktiert. Sie werden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung in Deutschland, der Euro-Zone, den USA und China befragt.

Konkret sind es die Erwartungen für die nächsten 6 Monate bezüglich Wirtschaftswachstums, Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes und Wechselkursen.

An der April-Umfrage des ZEW vom 06. bis 13.05.2024 beteiligten sich 156 Personen.