Japan beendet Phase negativer Leitzinsen

veröffentlicht am 19. März 2024

Japan beendet Phase negativer Leitzinsen

Die Bank of Japan (BoJ) beschloss die lange erwartete geldpolitische Wende und beendete die Anfang 2016 begonnene Phase negativer Leitzinsen. Es war zudem die erste Leitzinserhöhung seit 17 Jahren.

Als neuer Leitzins gilt der Tagesgeldsatz, der sich in einer Spanne von 0,0% bis 0,1% bewegen soll. Auf Einlagen bei der Zentralbank werden nun 0,1% Zinsen gezahlt. Bisher wurden sie mit 0,1% belastet.

Die BoJ befindet sich nach eigener Einschätzung auf dem Weg zu einer „normalen“ Geldpolitik mit einem positiven Leitzins. Allerdings ist es wenig wahrscheinlich, dass der Leitzins in rascher Abfolge angehoben wird.

Zinskurvensteuerung wird aufgegeben
Seit Ende 2016 verfolgte die BoJ eine „quantitative und qualitative monetäre Lockerung mit Zinskurvensteuerung“ (Quantitative and Qualitative Monetary Easing (QQE) with Yield Curve Control). Diese wird nun beendet. Sie hat nach Angaben der Notenbank ihre Aufgabe erfüllt.

Offiziell lag die Zielrendite für 10-jährige Staatsanleihen bei 0,0%. Die Rendite-Steuerung erfolgt über den Kauf (oder Verkauf) von Staatsanleihen.

Bereits im August 2023 begann die BoJ jedoch mit der Lockerung der Bedingungen. Seit Ende Oktober durfte die 10-jährigen Rendite sogar die Marke von 1,0% überschreiten.

Allerdings wird die BoJ auch weiterhin Staatsanleihen erwerben. Eingestellt wird dagegen der Ankauf von ETFs und J-REITs. Der Erwerb von Geldmarktpapieren (CPs) und Unternehmensanleihen wird noch etwa ein Jahr fortgesetzt.

Inflationsrate auf Zielkurs
Ursächlich für die geldpolitische Wende in Japan ist die zunehmende Gewissheit der Notenbank, dass sich die Inflationsrate dauerhaft im Bereich des Zielwertes von 2,0% bewegen wird. Die BoJ stellte fest, dass die Wechselwirkung zwischen Lohnanhebungen und Inflationsraten stabiler geworden ist. So führte die jüngste Tarifrunde bei Großunternehmen zu Lohnanhebungen von mehr als 5%. Dies war der höchste Anstieg seit mehr als 30 Jahren.

Die BoJ misst die Preissteigerungen mit der Kern-Inflationsrate „all items less fresh food“, die 2023 bei 3,1% lag.

Im Januar fiel sie auf 2,0%, dürfte in den kommenden Monaten jedoch wieder über den Zielwert von 2,0% steigen.

Ende der Deflationsphase
Mit der Rückkehr klar positiver Inflationsraten sollte die jahrzehntelange Phase der Deflation enden. Seit Ende der 80er Jahre bewegten sich die Inflationsraten – abgesehen von kurzen Ausreißern – nahe der Nulllinie, häufig auch darunter. Notenbank und Regierung versuchten seither mit umfangreichen fiskalischen und monetären Programmen die Konjunktur anzukurbeln, um die Inflationsraten auf den Zielwert zu heben.

Die Bank of Japan rechnet in ihren Projektionen vom Januar mit Inflationsraten von 2,4% in 2024 und 1,8% in 2025. Diesen Werten liegt jeweils das Ende März endende Fiskaljahr zugrunde. Die Werte auf Basis des Kalenderjahres dürften allerdings ähnlich ausfallen.

BIP 2024: +1%
Das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im vergangenen Jahr um 1,9%.

Die Bank of Japan rechnet in ihren Projektionen vom Januar mit BIP-Zuwächsen von 1,2% in 2024 und 1,0% in 2025. Die Werte basieren auf dem Ende März endenden Fiskaljahr. Gemessen in Kalenderjahren zeichnet sich für 2024 ein Zuwachs von knapp 1,0% ab.

Yen: Talsohle erreicht
Die Anfang 2020 begonnene Talfahrt des Japanischen Yen hält bisher an. Gegenüber dem Euro hat der Yen seither rund 30% verloren. Gegenüber dem US-Dollar sind es sogar mehr als 40%. Seit Jahresbeginn 2024 liegt der Yen zum Euro bereits wieder rund 5% hinten.

Der Yen sollte mittlerweile die Talsohle erreicht haben. Zudem besitzt er beachtliches Erholungspotenzial. Japans hochtechnisierte Wirtschaft dürfte beispielsweise davon profitieren, dass weltweit wieder verstärkt in „befreundeten“ Ländern produziert wird.

Fazit: Die Bank of Japan beendete die 2016 begonnene Phase negativer Leitzinsen. Die Talfahrt des Japanischen Yen sollte damit enden, er dürfte die Talsohle erreicht haben.