Norwegen lässt Leitzins unverändert bei 4,50%

veröffentlicht am 25. Januar 2024

Norwegen lässt Leitzins unverändert bei 4,50%

 

Die norwegische Notenbank Norges Bank ließ die Key Policy Rate im Januar erwartungsgemäß unverändert bei 4,50%. An diesem Satz soll voraussichtlich bis zum Herbst 2024 festgehalten werden.

Sollte sich die Wirtschaft allerdings stärker abschwächen oder die Inflationsrate schneller sinken, kann der Leitzins auch früher reduziert werden. Sollte die Norwegische Krone jedoch erneut zur Schwäche neigen oder die Inflationsrate wieder steigen, kann der Satz auch weiter angehoben werden.

An den Notenbank-Projektionen vom Dezember wird festgehalten. Leitzinssenkungen gibt es dort erst im Jahr 2025. Die Norges Bank erwartet eine jahresdurchschnittliche Key Policy Rate von 4,50% in 2024, 3,90% in 2025 und 3,20% in 2026.

Inflationsrate zu hoch
Der Preisauftrieb hat sich zwar weiter ermäßigt, ist jedoch immer noch viel zu hoch. Die Notenbank betrachtet dabei vor allem die um Steuern und Energiepreise bereinigte „Kernrate der Inflation“ (CPI-ATE), deren Zielwert vom norwegischen Finanzministerium auf 2,0% festgelegt wurde. Sie lag im Dezember bei 5,5%. Die weniger beachtete Headline-Inflationsrate befand sich im Dezember bei 4,8%.

Die CPI-ATE wird gemäß der Norges Bank den Zielwert von 2,0% auch in den kommenden Jahren deutlich überschreiten. Die Notenbank rechnete in ihren Projektionen vom Dezember mit Jahresdurchschnittswerten von 4,8% in 2024, 3,5% in 2025 und 2,5% in 2026.

Rezession
Das norwegische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im Gesamtjahr 2022 um 3,0%. Mit einem BIP-Plus von 0,2% zum Vorquartal blieb Norwegen im Auftaktquartal 2023 noch auf dem Wachstumspfad, ehe im Frühjahr eine Rezession einsetzte. Das BIP schrumpfte sowohl im 2. als auch im 3. Quartal um jeweils 0,5% zum Vorquartal. Für das Gesamtjahr 2023 zeichnet sich ein BIP-Plus von 0,3% ab.

Die Norges Bank rechnet in ihren Projektionen vom Dezember mit BIP-Zuwächsen von 0,8% in 2024, 1,2% in 2025 und 0,7% in 2026. Wir halten die Werte für erreichbar.

In den Projektionen unterstellt die Norges Bank, dass sich der Ölpreis langsam wieder abschwächt. Sie erwartet beim Barrel Nordseeöl Brent durchschnittliche Preise von 82 USD in 2023, 76 USD in 2024, 74 USD in 2025 und 72 USD in 2026.

Schwache Krone beunruhigt die Notenbank
Norwegens Reichtum gründet auf der Öl- und Gasförderung in der Nordsee. Die Norwegische Krone (NOK) bewegt sich als „Ölwährung“ üblicherweise im Gleichschritt mit dem Ölpreis. Sie entwickelte sich im vergangenen Jahr erstaunlich schwach, konnte sich jedoch zum Jahresende wieder etwas erholen. Seit Jahresbeginn 2024 liegt sie gegenüber dem Euro um 0,5% hinten.

Der Norges Bank bereitet die Kronenschwäche Sorgen, denn die Abwertung verteuert die Einfuhren (importierte Inflation) und verstärkt den Preisauftrieb. Sie beobachtet den Wechselkurs daher sehr genau. Er entwickelte sich zuletzt etwas besser als von der Norges Bank erwartet. Sollte er jedoch erneut zur Schwäche neigen, dürfte die Notenbank dies zum Anlass nehmen, den Leitzins noch weiter anzuheben.

Größter Staatsfonds der Welt
Seit 1998 investiert Norwegen die Gewinne aus dem Öl- und Gasverkauf in den Staatsfonds „Government Pension Fund Global“ (GPFG). Mit einem aktuellen Marktwert von 16,046 Bill. NOK bzw. 1,41 Bill. EUR ist er der größte Staatsfonds der Welt. Der GPFG hält Anteile an 9.228 Unternehmen in 70 Ländern und besitzt 1,5% aller weltweit notierten Aktiengesellschaften. Rund 70% des Fonds sind in Aktien, knapp 3% in Immobilien und rund 27% in Anleihen investiert.

Fazit: Sollte die Krone nicht erneut zur Schwäche neigen, dürfte die Norges Bank erst einmal am aktuellen Leitzins festhalten.