EZB setzt Zinspause fort

veröffentlicht am 25. Januar 2024

EZB setzt Zinspause fort

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ließ bei seiner Sitzung im Januar erwartungsgemäß alle drei Leitzinsen unverändert. Der Einlagesatz für Banken bleibt bei 4,00%, der Hauptrefinanzierungssatz bei 4,50% und der Ausleihsatz bei 4,75%.

Zinsniveau bleibt restriktiv
Das Inflationsziel liegt bei 2,0%. Um es zu erreichen, wird die EZB die Leitzinsen so lange wie erforderlich auf einem ausreichend restriktiven Niveau halten. Über Zinssenkungen wurde nach Auskunft von Präsidentin Lagarde in der Januar-Sitzung nicht gesprochen. Der Rat war sich einig, dass es dafür zu früh sei, auch wenn der zugrunde liegende Inflationstrend rückläufig geblieben ist.

EZB hat Löhne im Blick
Die Zinsentscheidungen bleiben datenabhängig. Besonders wichtige Daten sind für die EZB derzeit die anstehenden Veränderungen der Löhne und Gewinne.

Sie wird daher in den kommenden Monaten sehr genau auf die Tarifabschlüsse achten. Einerseits sollen die Lohnsteigerungen höher sein als die Inflationsrate, um im Zuge positiver Reallöhne die privaten Konsumausgaben zu steigern. Andererseits sollen sie aber auch nicht so hoch ausfallen,dass sie Zweitrundeneffekte in Form einer Lohn-Preis-Spirale auslösen.

Inflationsausblick bestätigt
Die EZB bestätigte ihren Inflationsausblick vom Dezember. Demzufolge wird die den gesamten Warenkorb erfassende Headline-Inflationsrate in diesem Jahr auf 2,7% geschätzt. Sie soll 2025 auf 2,1% und 2026 auf 1,9% zurückgehen.

Die ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise berechnete Kernrate der Inflation soll auf 2,7% in 2024, 2,3% in 2025 und 2,1% in 2026 sinken.

Beim Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone rechnet die EZB mit einem Plus von 0,8% in 2024 und 1,5% in 2025.

Bilanzabbau wird fortgesetzt
Bezogen auf die Anleihekaufprogramme gibt es keine Änderungen. Durch die Rückzahlung umfangreicher Refinanzierungsgeschäfte und die stetige Verringerung der Bestände des APP-Anleihekaufprogramms hat die Bilanzsumme bereits deutlich abgenommen.

Die Tilgungsbeträge aus dem Pandemie-Notfallankaufprogramm PEPP werden nur noch im ersten Halbjahr 2024 vollumfänglich reinvestiert. In der zweiten Jahreshälfte hält die EZB monatlich 7,5 Mrd. EUR zurück. Und zum Jahresende 2024 wird die Wiederanlage komplett eingestellt.

Inflationserwartungen gesunken
Die geldpolitischen Entscheidungen der EZB hängen weiterhin von den Inflationserwartungen, den dämpfenden Auswirkungen der bisherigen Zinsanhebungen sowie vom grundlegenden Trend der inflationären Entwicklung (underlying inflation) ab.

Die Inflationserwartungen sind rückläufig. Die underlying inflation blieb auch im Dezember abwärts gerichtet. Und die hohen Zinsen dämpfen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und damit auch den Preisdruck.

Inflationsrate nähert sich dem Zielwert
Die Euro-Inflationsrate ist im Dezember aufgrund eines energiepreisbedingten aufwärtsgerichteten Basiseffekts von 2,4% auf 2,9% gestiegen. Sie dürfte im gesamten Jahr 2024 die Zwei vor dem Komma aufweisen und sich im Durchschnitt auf 2,5% belaufen. Der Zielwert der EZB dürfte erst 2025 annähernd erreicht werden.

Wann sinken die Leitzinsen?
Im März präsentiert die EZB ihre überarbeiteten Projektionen. Dann liegen die Inflationsraten für Januar und Februar vor. Auch gibt es bis dahin eine Tendenz bei den Lohnabschlüssen.

Die EZB-Präsidentin wurde kürzlich dahingehend zitiert, dass eine Zinssenkung im Sommer möglich ist. Ratssitzungen finden am 6. Juni und am 18. Juli statt. Danach erst wieder am 12. September.

Sollten die Daten der EZB im Sommer die Möglichkeit zu einem ersten abwärts gerichteten Zinsschritt eröffnen, könnte dieser am 18. Juli gegangen werden. Danach dürfte wieder eine Pause eingelegt werden, um die Auswirkungen abzuwarten.

Fazit: Die EZB wird mit Zinssenkungen solange warten, bis sie absolut sicher ist, dass die Inflationsgefahren im Griff sind.