Japan: Leitzins bleibt noch negativ

veröffentlicht am 23. Januar 2024

Japan: Leitzins bleibt noch negativ

Die Bank of Japan (BoJ) hält weiter an ihrer extrem expansiven Geldpolitik fest und ließ den Leitzins im Januar erwartungsgemäß unverändert bei minus 0,1%.

Allerdings wird weiterhin damit gerechnet, dass sie im Laufe des Jahres die Zinszügel etwas anzieht, sobald sich die Kernrate der Inflation nachhaltig dem Zielwert von 2,0% annähert. Außerdem müssen die Löhne sowie die Preise für Dienstleistungen solide steigen.

Zinskurvensteuerung mit mehr Flexibilität
Seit Ende 2016 verfolgt die BoJ eine „quantitative und qualitative monetäre Lockerung mit Zinskurvensteuerung“ (Quantitative and Qualitative Monetary Easing (QQE) with Yield Curve Control).

Seither liegt die Zielrendite für 10-jährige Staatsanleihen bei 0,0%, der japanische Leitzins bei minus 0,1%. Die Rendite-Steuerung erfolgt über den Kauf (oder Verkauf) von Staatsanleihen.

Im August 2023 lockerte die BoJ erstmals die Bedingungen, die Rendite durfte um mehr als 50 Basispunkte vom Zielwert von 0,0% abweichen. Ende Oktober wurde die geldpolitische Flexibilität erhöht und die Regelung weiter aufgeweicht. Seither darf die 10-jährigen Rendite auch die Marke von 1,0% überschreiten, ohne dass die BoJ korrigierend eingreift. Der Referenzwert von 1,0% gilt seither als „Obergrenze mit Spielraum“ und nicht mehr als starre Grenze.

Deflationsphase sollte beendet sein
Eine endgültige Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik verbunden mit einer Leitzinsänderung ist allerdings erst zu erwarten, wenn sich die Inflationsrate dauerhaft über dem Zielwert von 2% stabilisiert. Die Kern-Inflationsrate „all items less fresh food“ lag im Dezember bei 2,2%.

Für das Gesamtjahr 2023 wurde ein Wert von 3,1% ermittelt. Damit sollte das Ende der jahrzehntelangen Deflation eingeläutet sein.

Seit Ende der achtziger Jahre bewegen sich die Inflationsraten – abgesehen von kurzen Ausreißern – nahe der Nulllinie, häufig auch darunter. Notenbank und Regierung versuchen seither mit umfangreichen fiskalischen und monetären Programmen die Konjunktur anzukurbeln, um die Inflationsraten auf den Zielwert zu heben. Dies könnte jetzt endlich gelingen.

Die Bank of Japan rechnet in ihren Projektionen vom Januar mit Inflationsraten von 2,4% in 2024 und 1,8% in 2025. Diesen Werten liegt jeweils das Ende März endende Fiskaljahr zugrunde. Die Werte auf Basis des Kalenderjahres dürften allerdings ähnlich ausfallen.

BIP 2024: +1%
Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt überraschte in der ersten Jahreshälfte 2023 positiv. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im 1. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 1,2% und im 2. Quartal um 0,9% zu. Im 3. Quartal gab es jedoch einen Einbruch und ein Quartalsminus von 0,7%. Im Gesamtjahr 2023 dürfte die Wachstumsrate bei 2% gelegen haben.

Die Bank of Japan rechnet in ihren Projektionen vom Januar mit BIP-Zuwächsen von 1,8% in 2023, 1,2% in 2024 und 1,0% in 2025. Auch diese Werte basieren auf dem Ende März endenden Fiskaljahr. Gemessen in Kalenderjahren dürfte es 2023 ein BIP-Plus von 2,0% gegeben haben. Im laufenden Jahr zeichnet sich ein Zuwachs von rund 1,0% ab.

Yen mit Erholungspotenzial
Die Anfang 2021 begonnene Talfahrt des Japanischen Yen hält bisher an. Sie wurde zwischenzeitlich unterbrochen, als die Notenbank intervenierte. Gegenüber dem Euro hat der Yen seit Anfang 2021 rund 30% verloren. Gegenüber dem US-Dollar sind es sogar mehr als 40%. Seit Jahresbeginn 2024 liegt der Yen zum Euro bereits wieder mehr als 3% hinten.

Der Yen hat allerdings beachtliches Erholungspotenzial. Japans hochtechnisierte Wirtschaft dürfte beispielsweise davon profitieren, dass weltweit wieder verstärkt in „befreundeten“ Ländern produziert wird.

Eine nachhaltige Erholung des Yen setzt aber voraus, dass die Bank of Japan tatsächlich zu einer restriktiveren Geldpolitik wechselt.

Fazit: Eine nachhaltige und ausgeprägte Erholung des Yen dürfte einsetzen, wenn von der Bank of Japan klare Signale für ein Ende der ultralockeren Geldpolitik kommen. Dies sollte spätestens zur Jahresmitte der Fall sein.