Deutschland: ZEW Indikator schnellt nach oben

Deutschland: ZEW Indikator schnellt nach oben

Der vom Mannheimer Leibnitz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW ermittelte konjunkturelle Frühindikator legte im Januar um 40,2 (!) auf 16,9 Punkte zu und lag damit erstmals seit Februar 2022 wieder im positiven Bereich.

Deutlich mehr Konjunktur-Optimisten
Im Januar erwarteten 41,6% der Befragten eine konjunkturelle Verbesserung in den kommenden sechs Monaten und nur noch 24,7% eine Verschlechterung. Daraus errechnet sich der aktuelle ZEW Indikator von 16,9 Punkten.

Lage weiter schlecht
Die aktuelle Lage ist zwar weiterhin ziemlich schlecht, wurde allerdings erneut etwas weniger negativ beurteilt als im Vormonat. Der entsprechende Wert legte um 2,8 auf minus 58,6 Punkte zu.

Inflationserwartungen sinken massiv
Die Inflationsraten dürften in Deutschland bald wieder sinken. Nur noch 2,2 der Befragten rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einem Anstieg. Mehr als viermal so viele (10,1%) erwarten gleichbleibende Teuerungsraten. Die ganz große Mehrheit von 87,7% aber setzt auf sinkende Inflationsraten. Für die USA rechnen damit sogar 89,3%.

Zinsen steigen
Der aufwärtsgerichtete Zinstrend sollte langsam an Schwung verlieren. Nur noch 48,3% der Befragten rechnen mit höheren langfristigen Zinsen in Deutschland, während 36,5% unveränderte Langfristrenditen erwarten. Für die USA rechnen 38,0% mit weiter steigenden Zinsen, während 39,8% von einer Seitwärtsbewegung ausgehen.

Bei den kurzfristigen Zinsen ist die Meinung dagegen noch viel ausgeprägter: 87,1% erwarten einen Anstieg in der Euro-Zone und 79,2% in den USA.

DAX mit begrenztem Potenzial
Die meisten der Befragten (44,0%) rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einem weiteren Anstieg des Deutschen Aktienindex. 38,1% sehen ihn stagnieren und 17,9% erwarten einen Rückgang.

Dollar schwächer
Bei der Beurteilung des Euro-Dollar-Kurses hat sich die Einschätzung gefestigt, denn mittlerweile rechnen 53,5% der Befragten mit einem schwächeren US-Dollar. 33,5% sehen eine Seitwärtsbewegung, während lediglich 13,0% eine Aufwertung des Dollar erwarten.

Fazit: Die aktuelle ZEW-Umfrage unterstreicht die Einschätzung, dass die wirtschaftliche Schwächephase kürzer als erwartet ausfällt und im Frühjahr eine konjunkturelle Erholung folgt.

Hintergrund:

Vorbote konjunktureller Wendepunkte
Der ZEW Indikator gilt als Vorbote konjunktureller Wendepunkte in Deutschland. Die ZEW Konjunkturerwartungen sind ein Frühindikator für die wirtschaftliche Lage, vergleichbar mit den ifo Geschäftserwartungen. Abgefragt werden die Erwartungen für die kommenden sechs Monate.

ZEW Indikator seit 1991
Seit 1991 werden im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests monatlich bis zu 300 Expertinnen und Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen ausgewählter Großunternehmen kontaktiert. Sie werden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung in Deutschland, der Euro-Zone, den USA und China befragt.
Konkret sind es die Erwartungen für die nächsten 6 Monate bezüglich Wirtschaftswachstum, Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes und Wechselkursen.
An der Januar-Umfrage des ZEW vom 09. bis 16.01.2023 beteiligten sich 179 Personen.