US-Notenbank: Leitzins auf 4,25% bis 4,50% angehoben

veröffentlicht am 15. Dezember 2022

US-Notenbank: Leitzins auf 4,25% bis 4,50% angehoben

Die US-Notenbank (Fed) geht weiterhin entschlossen gegen die immer noch viel zu hohe Inflation vor und erhöhte den Leitzins um 50 Basispunkte auf 4,25% bis 4,50%. Der Beschluss entsprach den Erwartungen. Die Fed hob zudem den von ihr projizierten Leitzinspfad um 50 Basispunkte an. Zudem ist im neuen Jahr nicht mit Leitzinssenkungen zu rechnen.

Anleihebestände werden reduziert
Die Fed setzt den Abbau der Bilanzsumme fort. Bereits seit Juni werden nicht mehr alle Rückflüsse und Fälligkeiten aus dem Anleiheportfolio reinvestiert. Von Juni bis August erfolgen monatliche Kürzungen von 47,5 Mrd. USD, verteilt auf 30 Mrd. USD Staatsanleihen und 17,5 Mrd. USD hypothekenbesicherte Anleihen (MBS). Im September wurden die Kürzungen auf monatlich 95 Mrd. USD erhöht. Zurückgehalten werden jeden Monat Rückflüsse von 60 Mrd. USD Staatsanleihen sowie 35 Mrd. USD MBS.

Leitzinsgipfel bei 5,00% bis 5,25%
Die US-Notenbank rechnet in ihren aktuellen Projektionen im nächsten Jahr mit einem Anstieg der Federal Funds Rate auf 5,00% bis 5,25%. Im Jahr 2024 soll es mit 4,00% bis 4,25% wieder bergab gehen. Für 2025 ist eine Spanne von 3,00% bis 3,25% vorgesehen, ehe sich die Leitzinsen langfristig wieder im Bereich um 2,50% einpendeln.

Die Federal Funds Rate liegt aktuell weit oberhalb des „neutralen“ Zinses. Es ist der Satz, der weder positive noch negative Auswirkungen auf die Konjunktur hat, allerdings nicht gemessen werden kann. Nach Einschätzung des US-Notenbankpräsidenten liegt dieser Wert „irgendwo zwischen 2% und 3%“. Die Fed will also die Inflation mit aller Macht weiter zurückzudrängen, auch um den Preis einer Rezession.

Wachstumsschätzungen nach unten revidiert
Das US-BIP wird gemäß der aktuellen Projektion in 2023 lediglich um 0,5%, 2024 um 1,6% und 2025 um 1,8% wachsen. Diese Raten beziehen sich auf den Vergleich der jeweiligen Schlussquartale. Ausgedrückt als Jahresdurchschnittswerte liegen die BIP-Erwartungen bei knapp 1% in 2023 und 1,2% in 2024 und entsprechen damit unseren Erwartungen.

Inflationsschätzung angehoben
Die von der US.-Notenbank hauptsächlich betrachtete Kernrate der privaten Konsumausgaben (Core PCE, Personal Consumption Expenditures) dürfte 2023 bei 3,5% liegen und soll 2024 auf 2,5% und 2025 auf 2,1% sinken.

Im November ging sie zwar von 6,3% auf 6,0% zurück, liegt aber immer noch sehr weit über dem Zielwert von 2,0%.

Arbeitslosenquote soll steigen
Die Arbeitslosenquote wird nach Einschätzung der Notenbankvertreter 2023 und 2024 auf 4,6% steigen und 2025 auf 4,5% zurückgehen. Langfristig wird ein Wert von 4,0% erwartet. Die Arbeitslosenquote soll mit den massiven geldpolitischen Straffungen angehoben werden, um die Lohnentwicklung zu dämpfen und die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale zu beseitigen.

Bisher zeigte sich der Arbeitsmarkt allerdings sehr widerstandsfähig. Die Arbeitslosenquote lag im November bei 3,7%, die Stundenlöhne stiegen um 5,1% zum Vorjahr.

Fazit: Die Fed avisierte weitere Leitzinserhöhungen „bis die Arbeit erledigt ist“. Dabei wird sie eine Rezession in Kauf nehmen.