Bank of England erhöht Leitzins auf 3,50%

veröffentlicht am 15. Dezember 2022

Bank of England erhöht Leitzins auf 3,50%

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Die Bank of England (BoE) setzte die Serie von Leitzinserhöhungen fort und erhöhte die Bank Rate im Dezember um 50 Basispunkte auf 3,50%. Der Beschluss erfolgte mit einer Mehrheit von 6:2:1 Stimmen. Zwei Mitglieder plädierten für eine unveränderte Bank Rate, ein Mitglied wünschte eine Anhebung um 75 Basispunkte auf 3,75%.

Weitere Zinserhöhungen können laut BoE erforderlich werden. Der Hochpunkt wird gemäß den Markterwartungen bei 4,75% Mitte 2023 gesehen. Ob die Notenbank tatsächlich so weit gehen wird, ist angesichts der erwarteten langanhaltenden Konjunkturschwäche zweifelhaft.

Inflation: Ende 2025 bei 0,0%?
Ursächlich für die weitere Straffung der Geldpolitik sind die immer noch extrem hohen Verbraucherpreise. Die den gesamten Warenkorb erfassende Headline-Inflationsrate ging zwar im November von 11,1% auf 10,7% zurück, lag damit aber immer noch weit über dem Zielwert von 2,0%. Auch die ohne Energie- und Lebensmittelpreise berechnete Kernrate der Inflation verfehlte das Ziel mit 6,3% im November deutlich. Gemäß der Bank of England werden die Teuerungsraten noch eine Weile sehr hoch bleiben und ab Mitte 2023 kräftig zurückgehen.

Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich eine Headline-Inflationsrate von 9,1% ab. Bis Ende 2023 wird sie nach Einschätzung der Bank of England auf gut 5% zurückgehen. Am Jahresende 2024 soll sie mit 1,5% wieder unter dem Zielwert und Ende 2025 sogar bei 0,0% (!) liegen. Wir halten die Projektionen der BoE für zu sehr optimistisch und rechnen 2023 mit einer Inflationsrate von etwa 7%.

Rezession bis 2024
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte in Großbritannien im 3. Quartal um 0,2% gegenüber dem Vorquartal. Im Schlussquartal 2022 erwartet die BoE ein Quartalsminus von 0,1%. Insgesamt rechnet die Bank of England mit einer konjunkturellen Talfahrt, die bis zur Jahresmitte 2024 anhält.

Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich noch ein BIP-Plus von 4,5% ab. In den Jahren 2023 und 2024 rechnet die Notenbank mit BIP-Rückgängen von 1,5% bzw. 1,0%. Erst für 2025 wird mit 0,5% wieder eine positive Wachstumsrate erwartet. Wir halten diese Prognosen für realistisch.

Pfund unter Druck
Bis zum Frühjahr 2022 befand sich das Pfund gegenüber dem Euro im Aufwind, ehe es leicht korrigierte. Im Zuge des chaotischen politischen Führungswechsels brach es Ende September regelrecht ein. Mit der Amtsübernahme des neuen Premierministers und dessen auf Stabilität ausgerichteten Regierungsprogramm konnte es sich erholen, liegt aber gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn immer noch knapp 4% hinten.

In der Langzeitbetrachtung fehlen dem Pfund knapp 14% zu den Notierungen vor dem Brexit-Votum vom Sommer 2016.

Fazit: Das Pfund Sterling dürfte angesichts einer länger anhaltenden konjunkturellen Abschwächung trotz weiter steigender Leitzinsen unter Druck bleiben.