Norwegen mit starkem Wachstum

veröffentlicht am 18. November 2022

Norwegen mit starkem Wachstum

Norwegen profitierte als bedeutender Öl- und Gasproduzent auch im 3. Quartal von der europäischen Energiekrise und blieb auf einem steilen Wachstumspfad. Getrieben von stark gestiegenen Ausfuhren expandierte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,5% zum Vorquartal. Bereits im 2. Quartal wurde ein Quartalsplus von 1,3% erzielt. Selbst ohne den Energiesektor wuchs das BIP in „Festland-Norwegen“ im Spätsommer um 0,8%.

Treibende Kraft waren einmal mehr die Exporte insbesondere von Öl und Gas, die einen realen Quartalszuwachs von 5,7% erzielten. In laufenden Preisen haben sie sich gegenüber dem Vorjahresquartal sogar verdoppelt. Die Handelsbilanz wies im 3. Quartal mit 532 Mrd. Norwegischen Kronen (NOK) einen neuen Rekordüberschuss auf.

Die wirtschaftliche Dynamik ist immer noch sehr hoch, wird sich nach Einschätzung der Notenbank Norges Bank jedoch verlangsamen. Die Arbeitslosigkeit ist historisch niedrig.

Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich nach den starken Zuwächsen im Sommerhalbjahr mittlerweile eine Wachstumsrate des BIP von 3,4% ab. Mit einem statistischen Überhang von mehr als einem Prozentpunkt dürfte das BIP 2023 um 1,5% bis 2,0% expandieren. Die Norges Bank rechnete in ihren jüngsten Projektionen lediglich mit BIP-Zuwächsen von 2,2% in 2022, 0,8% in 2023 und 2024 sowie 0,3% in 2024.

Dabei wurde unterstellt, dass sich der Ölpreis wieder ermäßigt. Die Norges Bank erwartete im September beim Barrel Nordseeöl Brent einen Preisrückgang von 102 USD in 2022 auf 84 USD in 2023, 78 USD in 2024 und 74 USD in 2025.

Inflationsrate viel zu hoch
Die Notenbank betrachtet bei der Inflationseinschätzung vor allem die um Steuern und Energiepreise bereinigte „Kernrate der Inflation“ (CPI-ATE). Sie lag im Oktober mit 5,9% weit über dem Zielwert des norwegischen Finanzministeriums von 2,0%. Die den gesamten Warenkorb umfassende Headline-Inflationsrate kletterte sogar auf 7,5%.

Die CPI-ATE wird im Jahresdurchschnitt gemäß den Projektionen der Norges Bank den Zielwert bis 2025 überschreiten. Die Notenbank rechnete im September mit 4,8% in 2023, 3,5% in 2024 und 2,6% in 2025. An diesen Prognosen wurde im November festgehalten. Die nächste Überprüfung steht im Dezember an.

Leitzins auf 2,50% angehoben
Die norwegische Notenbank Norges Bank erhöhte den Leitzins, die Key Policy Rate, zuletzt lediglich um 25 Basispunkte auf 2,50%. Sie signalisierte jedoch, dass im Dezember wahrscheinlich der nächste Zinsschritt gegangen wird. Der weitere Zinspfad wird davon abhängen, wie sich die Wirtschaft entwickelt. Die Norges Bank rechnet bisher mit einem Leitzins von 3,00% im Sommer 2023.

Krone im Minus
Norwegens Reichtum gründet auf der Öl- und Gasförderung in der Nordsee. Die Norwegische Krone (NOK) zählt daher zu den sogenannten „Ölwährungen“, denn sie bewegt sich üblicherweise im Gleichschritt mit dem Preis für das Nordseeöl Brent.
In diesem Jahr war dies jedoch nicht immer der Fall. So schaltete sie zur Jahresmitte trotz steigender Ölpreise in den Rückwärtsgang, erholte sich kurz, um danach erneut zu korrigieren. Seit Jahresbeginn liegt sie gegenüber dem Euro gut 4% hinten.

Staatsfonds mit Quartalsverlust
Seit 1998 investiert Norwegen die Gewinne aus dem Öl- und Gasverkauf in den Staatsfonds „Government Pension Fund Global“ (GPFG). Mit einem aktuellen Marktwert von 12,5 Bill. NOK bzw. 1,2 Bill. EUR ist er der größte Staatsfonds der Welt. Der GPFG hält Anteile an mehr als 9.300 Unternehmen in 73 Ländern und besitzt 1,3% aller weltweit notierten Aktiengesellschaften. Rund 70% des Fonds sind in Aktien, knapp 3% in Immobilien und rund 27% in Anleihen investiert. Im 3. Quartal 2022 verzeichnete der GPFG einen Verlust von 449 Mrd. NOK bzw. 44 Mrd. EUR.

Fazit: Gemessen an den guten fundamentalen Rahmendaten Norwegens sollte die Norwegische Krone beachtliches Erholungspotenzial haben.