Japan mit konjunkturellem Rücksetzer

veröffentlicht am 18. November 2022

Japan mit konjunkturellem Rücksetzer

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt verzeichnete im 3. Quartal einen überraschenden konjunkturellen Rücksetzer. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte gegenüber dem Vorquartal um 0,3%, erwartet war ein Plus von 0,3%.

Außenhandel belastete
Ursächlich für den BIP-Rückgang war der Außenhandel. Während die Exporte um 1,9% zulegten, sorgten höhere Energiepreise und der schwache Yen für einen Anstieg der Importe um 5,2%. Die negative Veränderung des Außenbeitrages kostete 0,7 Prozentpunkte BIP-Wachstum.

Die privaten Konsumausgaben, die für etwa die Hälfte des japanischen BIP stehen, legten um 0,3% zu. Die Investitionen expandierten sogar um 1,2% zum Vorquartal. Gleichwohl konnte die Binnennachfrage lediglich 0,4 Prozentpunkte zum BIP beisteuern, so dass sich per Saldo ein Minus von 0,3% ergab.

In der Annahme einer leicht positiven Wachstumsrate im laufenden Schlussquartal dürfte das japanische BIP im Kalenderjahr 2022 um 1,4% zulegen. In dem am 1. April begonnenen Fiskaljahr 2022 würde die Wachstumsrate bei 1,5% liegen.

Die Bank of Japan (BoJ) rechnete in ihren Projektionen vom Oktober mit BIP-Zuwachsraten von 2,0% in 2022, 1,9% in 2023 sowie 1,5% in 2024, jeweils für die Fiskaljahre.

Inflationsrate bei 3,5%
Obwohl die Inflationsrate im Oktober mit 3,5% weit über dem Zielwert von 2% lag, sieht die Bank of Japan auch weiterhin kein Inflationsproblem. Sie betrachtet den Anstieg als vorübergehend, da er nicht auf einer höheren Binnennachfrage, sondern auf rasant gestiegenen Energiepreisen beruht.

In ihren aktuellen Projektionen rechnet die BoJ bei der als Messlatte genommenen Kernrate (Konsumentenpreisindex ohne frische Lebensmittel: CPI, all items less fresh food) mit Werten von 2,9% in 2022 sowie jeweils 1,6% in 2023 und 2024. Wir halten diese Projektionen für realistisch.

Notenbank bleibt expansiv
Vor diesem Hintergrund hält die BoJ an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Sie verfolgt seit Ende 2016 eine „quantitative und qualitative monetäre Lockerung mit Zinskurvensteuerung“ (Quantitative and Qualitative Monetary Easing (QQE) with Yield Curve Control). Dabei werden dem Markt klare Zielwerte vorgegeben.

Der japanische Leitzins liegt seit Anfang 2016 bei minus 0,1%, die Zielrendite für 10-jährige Staatsanleihen bei 0,0%. Letztere kann um 25 Basispunkte in beide Richtungen um den Zielwert schwanken. Die Steuerung erfolgt über den Kauf und Verkauf von Anleihen am Markt. Dabei gibt es kein Limit. Aktuell liegt sie mit 0,25 an der oberen Grenze.

Yen schwach
Das Fehlen jeglicher Leitzinsphantasie und die überschaubaren Wachstumsperspektiven haben den Wechselkurs des Japanischen Yen stark belastet. Gegenüber dem Euro liegt er seit Jahresbeginn knapp 10% hinten.

Fazit: Japans fehlende Leitzinsphantasie und lediglich moderate Konjunkturaussichten erschweren eine Erholung des Yen.