Großbritannien: Rezession bis 2024?

veröffentlicht am 16. November 2022

Großbritannien: Rezession bis 2024?

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Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte in Großbritannien im 3. Quartal um 0,2% gegenüber dem Vorquartal. Die Bank of England (BoE) rechnet mit einer konjunkturellen Talfahrt, die bis zur Jahresmitte 2024 anhält.

Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich noch ein BIP-Plus von 4,3% ab. In den Jahren 2023 und 2024 rechnet die Notenbank mit BIP-Rückgängen von 1,5% bzw. 1,0%. Erst für 2025 wird mit 0,5% wieder eine positive Wachstumsrate erwartet. Wir halten diese Prognosen für realistisch.

Bank of England erhöhte Leitzins auf 3,00%

Die Bank of England setzte die Serie von Leitzinserhöhungen fort und hob die Bank Rate im November um 75 Basispunkte auf 3,00% an. Es war der größte Zinsschritt seit Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1997.
Die Bank Rate dürfte weiter steigen. Der Hochpunkt wird gemäß den Markterwartungen mittlerweile bei 5,25% Mitte 2023 gesehen. Ob die BoE tatsächlich so weit gehen wird, ist angesichts der erwarteten länger anhaltenden Konjunkturschwäche fraglich.

Inflation: Ende 2025 bei 0,0%?
Ursächlich für die anhaltende Straffung der Geldpolitik sind die rasant gestiegenen Verbraucherpreise. So lag die den gesamten Warenkorb erfassende Headline-Inflationsrate im Oktober mit 11,1% weit über dem Zielwert von 2,0%. Damit dürfte gemäß der Bank of England jedoch der Hochpunkt erreicht sein, denn weitere Anstiege sollten durch den staatlichen Energiepreisdeckel verhindert werden. Die ohne Energie- und Lebensmittelpreise berechnete Kernrate der Inflation stieg im Oktober auf 6,5%.
Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich eine Headline-Inflationsrate von 9,0% ab. Bis Ende 2023 wird sie nach Einschätzung der Bank of England auf 5,2% zurückgehen. Am Jahresende 2024 soll sie mit 1,5% wieder unter dem Zielwert und Ende 2025 sogar bei 0,0% (!) liegen. Wir halten die Projektionen der BoE für zu niedrig und rechnen 2023 mit einer Inflationsrate von etwa 7%.

Pfund unter Druck

Bis zum Frühjahr 2022 befand sich das Pfund gegenüber dem Euro im Aufwind, ehe es leicht korrigierte. Im Zuge des chaotischen politischen Führungswechsels brach es Ende September regelrecht ein. Mit der Amtsübernahme des neuen Premierministers und dessen auf Stabilität ausgerichteten Regierungsprogramm konnte es sich erholen, liegt aber gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn immer noch gut 4% hinten.
In der Langzeitbetrachtung fehlen dem Pfund rund 15% zu den Notierungen vor dem Brexit-Votum vom Sommer 2016.
Fazit: Das Pfund Sterling dürfte angesichts einer länger anhaltenden konjunkturellen Abschwächung trotz weiter steigender Leitzinsen unter Druck bleiben.