Deutschland: ZEW Indikator überrascht positiv

Deutschland: ZEW Indikator überrascht positiv

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Der vom Mannheimer Leibnitz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW ermittelte konjunkturelle Frühindikator legte im November um 22,5 auf minus 36,7 Punkte zu,  entfernte sich damit ein ganzes Stück von seinen Tiefständen und fiel deutlich besser aus als erwartet.

Etwas mehr Konjunktur-Optimisten

Im November erwarteten immerhin wieder 14,1% der Befragten eine konjunkturelle Verbesserung in den kommenden sechs Monaten und nur noch 50,8% eine Verschlechterung. Daraus errechnet sich der aktuelle ZEW Indikator von minus 36,7 Punkten.

Lage etwas besser

Die aktuelle Lage ist weiterhin schlecht, wurde allerdings wieder etwas besser beurteilt als im Vormonat. Der entsprechende Wert legte um 7,7 auf minus 64,5 Punkte zu.

Inflationserwartungen sinken deutlich
Die Inflationsraten dürften in Deutschland in Kürze ihren Hochpunkt erreichen. Nur noch 10,5 der Befragten rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einem Anstieg. Deutlich mehr erwarten gleichbleibende (26,7%), die große Mehrheit von 62,8% sogar sinkende Inflationsraten. Für die USA rechnen 81,5% mit rückläufigen Teuerungsraten.

Zinsen steigen weiter
Auch der aufwärtsgerichtete Zinstrend dürfte langsam seinen Gipfel erreichen, denn nur noch 52,1% der Befragten rechnen mit höheren langfristigen Renditen in Deutschland. Für die USA erwarten dies 41,8%, während 36,0% von einer Seitwärtsbewegung ausgehen.
Bei den kurzfristigen Zinsen ist die Meinung sehr viel deutlicher ausgeprägt: 91,6% erwarten einen Anstieg in der Euro-Zone und 83,7% in den USA.

DAX etwas höher
Die meisten der Befragten (40,6%) rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einem Anstieg des Deutschen Aktienindex. 34,1% sehen ihn unverändert und 25,3% erwarten einen Rückgang.

Dollar tiefer
Bei der Beurteilung des Euro-Dollar-Kurses hat sich die Einschätzung geändert, denn mittlerweile rechnen 43,1% der Befragten mit einem schwächeren US-Dollar. 37,0% sehen eine Seitwärtsbewegung, während nur noch 19,9% eine weitere Aufwertung des Dollar erwarten.

Fazit: Die aktuelle ZEW-Umfrage unterstreicht unsere Erwartung, dass der Rezessionswinter in Deutschland seinen Tiefpunkt im 1. Quartal 2023 erreicht und sich der konjunkturelle Horizont danach wieder etwas aufhellt.

Hintergrund:

Vorbote konjunktureller Wendepunkte
Der ZEW Indikator gilt als Vorbote konjunktureller Wendepunkte in Deutschland. Die ZEW Konjunkturerwartungen sind ein Frühindikator für die wirtschaftliche Lage, vergleichbar mit den ifo Geschäftserwartungen. Abgefragt werden die Erwartungen für die kommenden sechs Monate.

ZEW Indikator seit 1991
Seit 1991 werden im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests monatlich bis zu 300 Expertinnen und Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen ausgewählter Großunternehmen kontaktiert. Sie werden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung in Deutschland, der Euro-Zone, den USA und China befragt.
Konkret sind es die Erwartungen für die nächsten 6 Monate bezüglich Wirtschaftswachstum, Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes und Wechselkursen.
An der November-Umfrage des ZEW vom 07. bis 14.11.2022 beteiligten sich 193 Personen.