US-Notenbank: Leitzins auf 3,75% bis 4,00% angehoben

veröffentlicht am 3. November 2022

US-Notenbank: Leitzins auf 3,75% bis 4,00% angehoben

Die US-Notenbank (Fed) geht weiterhin sehr entschlossen gegen die hohe Inflation vor und erhöhte den Leitzins um weitere 75 Basispunkte auf 3,75% bis 4,00%. Der Beschluss entsprach den Erwartungen. Die Fed signalisierte weitere Anhebungen, die jedoch etwas moderater ausfallen dürften.

Leitzins im restriktiven Bereich
Die US-Notenbank rechnet in ihren jüngsten Projektionen („Dot Plots“) mit einem Anstieg der Federal Funds Rate auf 4,25% bis 4,50% in 2022. Der Hochpunkt soll 2023 mit 4,50% bis 4,75% erreicht werden, ehe es 2024 mit 3,75% bis 4,00% wieder etwas zurückgeht. Langfristig wird ein Wert von 2,50% angepeilt. Am Markt werden derzeit allerdings höhere Leitzinsen erwartet, als von der Fed projiziert.

Mit der aktuellen Anhebung ist sie weit über den „neutralen“ Zins hinausgegangen. Es ist der Satz, der weder positive noch negative Auswirkungen auf die Konjunktur hat, allerdings nicht gemessen werden kann. Gemäß US-Notenbankpräsident liegt dieser Wert „irgendwo zwischen 2% und 3%“. Die Fed hat also weiterhin die Absicht, die Inflation mit aller Macht zurückzudrängen, auch um den Preis einer Rezession.

Anleihebestände werden reduziert

Die Fed setzt den Abbau der auf rund 9 Bill. USD angeschwollene Bilanzsumme fort. Bereits seit Juni werden nicht mehr alle Rückflüsse und Fälligkeiten aus dem Anleiheportfolio reinvestiert. Von Juni bis August erfolgen monatliche Kürzungen von 47,5 Mrd. USD, verteilt auf 30 Mrd. USD Staatsanleihen und 17,5 Mrd. USD hypothekenbesicherte Anleihen (MBS). Seit September werden die Kürzungen auf monatlich 95 Mrd. USD erhöht. Zurückgehalten werden jeden Monat Rückflüsse von 60 Mrd. USD Staatsanleihen und 35 Mrd. USD MBS zurückgehalten.

Arbeitsmarkt wird unter Druck gesetzt

Die Arbeitslosenquote soll mit den massiven geldpolitischen Straffungen angehoben werden, um die Lohnentwicklung zu dämpfen und die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale zu beseitigen. Bisher zeigte sich der Arbeitsmarkt allerdings sehr widerstandsfähig, die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 3,5%.

Inflationsrate viel zu hoch

Die von der US-Notenbank besonders beachtete Kernrate der Konsumausgaben (Core PCE, Personal Consumption Expenditures) lag im September bei 5,1%. Erst wenn hier eine erkennbare Abwärtsentwicklung erkennbar ist, dürfte die Fed aufhören, die geldpolitischen Zügel anzuziehen.

Fazit: Die Fed avisierte weitere kräftige Leitzinserhöhungen, die allerdings geringer ausfallen dürften als zuletzt. Gleichwohl wird sie eine Rezession in Kauf nehmen, um die Inflationsraten wieder „in den Griff“ zu bekommen.