Euro-Inflationsrate im Oktober auf 10,7% gestiegen

veröffentlicht am 1. November 2022

Euro-Inflationsrate im Oktober auf 10,7% gestiegen

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Der Preisauftrieb beschleunigte sich im Oktober sehr stark und ließ die den gesamten Warenkorb umfassende Headline-Inflationsrate auf 10,7% steigen.


Im Vergleich zum Vormonat legte der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) der Euro-Zone nach vorläufigen Angaben des europäischen Statistikamtes Eurostat um 1,5% zu. Saisonüblich wäre lediglich ein Anstieg um 0,3% gewesen.

Energie fast 42% teurer
Den größten Anteil im Euro-Warenkorb nehmen mit fast 42% die Dienstleistungen ein. Sie kosteten 4,4% mehr als im Vorjahr und 0,1% mehr als im September. Für „Lebensmittel, Alkohol und Tabak“ (Anteil knapp 22%) mussten 13,1% mehr als im Vorjahr und 1,5% mehr als im September gezahlt werden. Industriegüter ohne Energie (Anteil knapp 27%) waren 6,0% teurer als im Vorjahr und 1,2% teurer als im Vormonat. Die Preise für die mit 9,5% im Euro-Warenkorb gewichtete Energie schnellten im Vorjahresvergleich um 41,9% nach oben und waren 6,5% höher als im September.

Euro-Inflationsrate ohne Energie: 6,9%
Die Teuerungsrate ohne Energiepreise stieg im Oktober von 6,4% auf 6,9%. Etwa ein Drittel der aktuellen Inflation ist also auf den rasanten Anstieg der Energiepreise zurückzuführen.

Euro-Kernrate: 6,4%
Die um die besonders schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kernrate der Inflation kletterte im Oktober von 6,0% auf 6,4%. Dieser Wert wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) besonders beachtet. Er dürfte im Gesamtjahresdurchschnitt 2022 bei etwa 5% liegen.

Euro-Inflationsprognose 2022: 8,7%
Schreibt man die bis Oktober vorliegenden Werte des HVPI mit weiteren deutlichen monatlichen Steigerungen fort, ergibt sich für 2022 eine Inflationsrate von 8,7%. Im nächsten Jahr dürfte sie zwar langsam zurückgehen, jedoch im Jahresdurchschnitt bei 2023 immer noch bei etwa 7,5% liegen. Eine Rückkehr zum Zielwert der EZB von 2% ist vor 2024 kaum vorstellbar.

Fazit: Die Euro-Inflationsrate ist weiter gestiegen und wird voraussichtlich auch nur langsam zurückkommen. Die EZB dürfte daher am 15. Dezember den Leitzins um mindestens 50 Basispunkte anheben.

Wie sieht es in den großen Euro-Ländern aus?

Deutschland 2022: 8,2%
Die deutsche Inflationsrate kletterte im Oktober auf den neuen Höchststand von 10,4%. Sie dürfte zunächst auf diesem Niveau bleiben, im Januar 2023 ihren Hochpunkt erreichen und danach wieder zurückkommen. Im Gesamtjahr 2022 sollte sie bei 8,2% liegen.

Frankreich 2022: 5,3%
In Frankreich ist der Preistrend derzeit wieder leicht aufwärtsgerichtet. Die mit dem Verbraucherpreisindex VPI gemessene Inflationsrate stieg im Oktober von 5,6% auf 6,2%. Für das Gesamtjahr zeichnet sich eine Inflationsrate von 5,3% ab.

Italien 2022: 8,2%
In Italien zogen die Preise im Oktober enorm an (+3,5% zum Vormonat) und ließen die Teuerungsrate von 8,9% auf 11,9% schnellen. Für das Gesamtjahr zeichnet sich ein Wert von 8,2% ab.

Spanien 2022: 8,5%
Die spanische Inflationsrate markierte ihren Hochpunkt im Juni und dreht seither deutlich nach unten. Im Oktober ging sie von 8,9% auf 7,3% zurück. Im Gesamtjahr dürfte sie bei 8,5% liegen.