Australien: Leitzins auf 2,85% erhöht

veröffentlicht am 1. November 2022

Australien: Leitzins auf 2,85% erhöht

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Die Reserve Bank of Australia (RBA) erhöhte den Leitzins Cash Rate erwartungsgemäß um 25 Basispunkte auf 2,85%. Gleichzeitig kündigte sie weitere Anhebungen an, deren Zeitpunkte und Ausmaße von der Einschätzung der Inflations- und der Arbeitsmarktentwicklung abhängen werden.

Inflationsrate weit über der Zielzone

Die australische Inflationsrate soll sich eigentlich in einem Korridor von 2% bis 3% bewegen. Aber auch im 3. Quartal lag sie weit darüber. Die den gesamten Warenkorb umfassende Headline-Inflationsrate markierte mit 7,3% den höchsten Stand seit rund drei Jahrzehnten. Und selbst die ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise berechnete Kernrate der Inflation lag zuletzt bei 6,7%.

Die Inflationsrate dürfte in den kommenden Monaten mit etwa 8% den Hochpunkt markieren und danach wieder zurückkommen. Die mittelfristigen Inflationserwartungen sind nach Einschätzung der Notenbank weiterhin fest verankert.

Die RBA erwartet jahresdurchschnittliche Headline-Inflationsraten von 4,8% in 2023 und gut 3% in 2024.

Wachstum dürfte sich abschwächen

Australien zählt zu den Gewinnern des Rohstoffbooms. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Corona-Jahr 2020 lediglich um 2,1% und wuchs 2021 um 4,8%.

Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ist immer noch sehr hoch. Die Produktionskapazitäten sind in vielen Bereichen ausgelastet und der Arbeitsmarkt ist angespannt. Es herrscht Personalknappheit, so dass die Arbeitslosenquote mit 3,5% auf dem niedrigsten Stand seit 50 Jahren liegt. Die Notenbank rechnet allerdings damit, dass sie im nächsten Jahr auf gut 4% steigen wird, da sie eine Abschwächung der Wirtschaft erwartet.

In den ersten beiden Quartalen 2022 setzte sich der kräftige Aufschwung allerdings noch fort. Das BIP expandierte um 0,7% bzw. 0,9% zum Vorquartal. Im Gesamtjahr 2022 dürfte die Wachstumsrate etwa 3,5% erreichen. Die RBA rechnet allerdings nur mit einem BIP-Plus von etwa 3% in diesem Jahr sowie jeweils 1,5% in 2023 und 2024.

Australischer Dollar mit Potenzial
Die Rohstoff-Hausse verlieh dem Australischen Dollar zunächst starken Auftrieb. Bis April zog er kräftig an, korrigierte danach und erholte sich wieder, ehe im August eine neue Korrekturphase begann. Erst Mitte Oktober konnte er sich stabilisieren. Gegenüber dem Euro liegt er seit Jahresbeginn knapp 2% vorne.

Fazit: Die soliden konjunkturellen Perspektiven Australiens und weitere Leitzinserhöhungen sollten dem Australischen Dollar beachtliches Erholungspotenzial verleihen.