EZB mit erneuter „Jumbo“-Zinserhöhung

veröffentlicht am 27. Oktober 2022

EZB mit erneuter „Jumbo“-Zinserhöhung

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) erhöhte zum zweiten Mal in seiner Geschichte alle drei Leitzinsen um 75 Basispunkte und kündigte weitere Zinsanhebungen an. Die Entscheidung entsprach den Markterwartungen. Die nächsten Zinsschritte folgen weiterhin keinem vorher festgelegten Plan, sondern werden von der Entwicklung der Inflation und der Wirtschaftsaussichten abhängen.

Der Einlagesatz für Banken (ehemaliger “Strafzins”) liegt jetzt bei 1,50%, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,00% und der Ausleihesatz bei 2,25%.

Preisstabilität vor Wirtschaftswachstum
Der aktuelle Hauptrefinanzierungssatz befindet sich nun am oberen Rand der „neutralen Zone“. Der neutrale Zins hat auf die Konjunktur weder eine stimulierende noch eine dämpfende Wirkung, sondern ist neutral. Er kann allerdings nicht gemessen werden und wird seitens der EZB im Bereich zwischen 1,50% und 2,00% verortet. Mit der nächsten Zinsanhebung, die am 15. Dezember anstehen dürfte, wechselt der Leitzins also in den restriktiven Bereich. Gemäß ihrem Mandat hat die Bekämpfung der Inflation bei der EZB damit eindeutig Vorrang vor der Konjunktur.

Noch kein Bilanzabbau
Die Tilgungsbeträge aus dem Pandemie-Notfall-Ankaufprogramm PEPP werden noch mindestens bis Ende 2024 weiter „flexibel“ reinvestiert. Die Rückflüsse und Fälligkeiten aus dem „normalen“ Ankaufprogramm APP werden „für längere Zeit“ ebenfalls wieder angelegt. Ein Abbau der Notenbankbestände, also eine Reduzierung der Notenbankbilanz wie in den USA, wurde nicht beschlossen und soll im Dezember auf der Agenda stehen.

TLTROs neu geregelt
Die Kreditinstitute konnten zur Corona-Krisen-Bewältigung bei der EZB im Rahmen „gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte“ (TLTROs) zu sehr günstigen Konditionen umfangreiche Mittel aufnehmen, um die Kreditnachfrage zu stützen. Da die daraus resultierenden liquiden Mittel mittlerweile bei der EZB zu einem höheren Zinssatz angelegt werden könnten, als an die EZB zu zahlen ist, wird eine Anpassung vorgenommen. Ab 23. November wird der Zins für das dritte TLTRO-Geschäft „an den Durchschnitt der maßgeblichen EZB-Leitzinsen indexiert“. Darüber hinaus wird die bei der EZB zu unterhaltende Mindestreserve künftig zum Einlagesatz verzinst.

Fazit: Die EZB hat ihren Kampf gegen die Inflation entschlossen fortgesetzt und dürfte weitere Leitzinsanhebungen vornehmen, auch wenn die Wirtschaft in eine Rezession abgleiten sollte.