China wieder auf dem Wachstumspfad

veröffentlicht am 24. Oktober 2022

China wieder auf dem Wachstumspfad

Dem konjunkturellen Einbruch im Frühjahrsquartal folgte eine kräftige Erholung, die das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 3. Quartal um 3,9% expandieren ließ. Und zwar sowohl zum Vorquartal als auch im Vergleich zum Vorjahr, wie das Nationale Statistikbüro meldete. Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich damit eine Wachstumsrate zwischen 3,0% und 3,5% ab.

Binnennachfrage wächst langsam
Die Industrieproduktion legte in den ersten neun Monaten um 3,9% zu. Deutlich moderater ging es im Einzelhandel zu, der von Januar bis September lediglich um 0,7% expandierte. Für den gesamten Dienstleistungssektor wurde ein Plus von 2,3% gemeldet.
Ein Pluspunkt blieb die Entwicklung der Verbraucherpreise, denn die Inflationsrate lag in den ersten drei Quartalen lediglich bei 2,0%.
Beim verfügbaren Einkommen meldete das Statistikamt im gleichen Zeitraum einen realen Zuwachs von 3,2%. Die Arbeitslosenquote lag im Durchschnitt bei 5,6%. Für den Außenhandel wurden bisher keine Neun-Monats-Daten vorgelegt.

Dienstleistungssektor dominiert
In den ersten neun Monaten 2022 betrug das BIP insgesamt 87,0 Bill. RMB. 53,5% des BIP (bzw. 46,5 Bill. RMB) wurden im Dienstleistungssektor generiert, 40,3% (35,0 Bill. RMB) entfielen auf die Industrie und 6,3% (5,5 Bill. RMB) auf die Landwirtschaft.

Wie geht es weiter?
Die chinesischen Einkaufsmanagerindizes bewegen sich weiterhin lediglich im Bereich der Wachstumsschwelle und signalisieren keinen bevorstehenden kräftigen Aufschwung.
Gleichwohl halten sich die konjunkturellen Hilfsmaßnahmen von Regierung und Notenbank bisher in Grenzen. Anscheinend ist die Staatsführung mit den sich abzeichnenden Wachstumsraten zufrieden, obwohl sie das ursprünglich gesteckte Ziel eines BIP-Zuwachses 2022 von „etwa 5,5%“ weit verfehlen.

BIP-Prognose 2022: 3% bis 3,5%
Das chinesische BIP wuchs im 1. Quartal um 1,6%, schrumpfte im 2. Quartal um 2,7% und legte im 3. Quartal um 3,9% zu, jeweils im Vergleich zum Vorquartal. Sollte das BIP im Schlussquartal um 1,0% expandieren, ergibt sich für 2022 eine Wachstumsrate von 3,3%. Bei einer Stagnation wären es 3,0% und bei einem Quartalsplus von 2,0% würde sich für das Gesamtjahr 2022 ein BIP-Zuwachs von 3,5% ergeben.

BIP-Prognose 2023: +4,5%
Schreibt man die aktuellen Daten mit angenommenen Quartalswachstumsraten von 1,0% fort, ergibt sich für 2023 eine Wachstumsrate des BIP von etwa 4,5%. Knapp die Hälfte davon entfällt auf den statistischen Überhang aus 2022, der Rest wäre echtes Wachstum.

Fazit: China hat im Sommer trotz der Corona-Probleme auf den Wachstumspfad zurückgefunden und steuert auf eine BIP-Wachstumsrate 2022 von knapp 3,5% zu. Im nächsten Jahr dürfte der Zuwachs sogar deutlich höher ausfallen.