Einkaufsmanagerindizes: Frankreich besser, Deutschland schlechter

veröffentlicht am 23. September 2022

Einkaufsmanagerindizes: Frankreich besser, Deutschland schlechter

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Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) in Deutschland, Frankreich und der Euro-Zone entwickelten sich im September recht unterschiedlich. Während sie in Deutschland im rezessiven Bereich verharrten, kletterten sie in Frankeich teilweise wieder über die Wachstumsschwelle. Die Euro-Zone insgesamt bleibt etwas „unter Wasser“.

Industrie auf Rezessionskurs

Die Einschätzungen der industriellen Einkaufsmanager trübten sich im September allerdings überall weiter ein. Während der deutsche Wert um 0,8 auf 48,3 Punkte fiel, rutschte der französische PMI sogar um 2,8 auf 47,8 Zähler ab. Für die Euro-Zone ergab sich ein Wert von 48,5 Punkten (-1,1). Damit bleibt der industrielle Sektor auf Rezessionskurs.

Dienstleister uneinheitlich

Die Stimmung der Dienstleister entwickelte sich unterschiedlich. In Frankreich hellte sie sich deutlich auf. Der französische Service-PMI legte um 1,8 auf 53,0 Punkte zu und befindet sich damit weiterhin klar über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. In Deutschland dagegen fiel der Dienstleistungsindex um weitere 2,3 auf nur noch 45,4 Punkte zurück. Hier gibt es unverändert klare Rezessionssignale. Die Euro-Zone verlor einen Punkt und lag mit 48,9 Zählern leicht im rezessiven Bereich.

Composites uneinheitlich

Bei den Gesamtindizes (Composites) fehlte ebenfalls die einheitliche Linie. Während der Composite in Deutschland um 1,0 auf 45,9 Punkte zurückfiel, blieb der französische Gesamtindex mit 51,2 Punkten (+0,8) im expansiven Bereich. In der Euro-Zone gab es ein Minus von 0,7 auf 48,2 Zähler.

Fazit: Die Einkaufsmanagerindizes entwickelten sich im September recht unterschiedlich. Während sie in Deutschland klare Rezessionssignale aussenden, könnte Frankreich auf dem Wachstumspfad bleiben. Für die gesamte Euro-Zone zeichnen sich leicht rezessive Tendenzen ab.

Hintergrund: Was ist ein PMI?

Einkaufsmanagerindizes sind auch als PMI (Purchasing Managers Index) bekannt. Sie gelten als recht zuverlässige Frühindikatoren für die kurzfristige konjunkturelle Entwicklung. PMI werden sowohl für die Industrie als auch für den Dienstleitungssektor erhoben. Sie zeigen an, ob eine Volkswirtschaft wächst, stagniert oder schrumpft.

Einkaufsmanagerindizes basieren auf monatlichen Befragungen von mehreren hundert Unternehmen. Gefragt wird nach der erwarteten Entwicklung von Kenngrößen wie Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Lieferzeiten und Lagerbestand. Aus den Antworten werden die PMI berechnet.

Dabei gilt ein Wert von 50 als Wachstumsschwelle, als neutral. Bei 50 Punkten erwarten die befragten Unternehmen in der Summe keine Veränderung gegenüber dem Vormonat, also Stagnation.

Werte über 50 signalisieren eine Verbesserung, also Wachstum.

Liegt ein industrieller PMI unter 50 Punkten, wird mit einer schrumpfenden Industrieproduktion gerechnet.

Je größer die Abweichung von der Wachstumsschwelle, desto ausgeprägter ist der Aufschwung (über 50) bzw. der Abschwung (unter 50).

PMI für alle wichtigen Volkswirtschaften 

Einkaufsmanagerindizes werden für alle bedeutenden Volkswirtschaften erhoben. Der älteste ist der amerikanische Purchasing Managers Index, erstmals berechnet 1931.

PMI bewegen sich im Normalfall zwischen 40 und 60 Punkten. In Extremzeiten sind vorübergehend auch höhere oder tiefere Werte möglich.

So fielen die Industrie-PMI in der Corona-Krise in den unteren 30-er Bereich, die Dienstleister sogar bis auf die 10-er Linie.

Im März 2021 stellte der deutsche Industrie-PMI mit 66,6 Punkten einen neuen Rekord auf, während der Einkaufsmanagerindex aus Chicago seinen Höchststand von 76,6 Zählern bereits im Februar 1973 markierte.