Wochenausblick Aktien: DAX nimmt Kurs auf Tiefstände

veröffentlicht am 22. September 2022

Wochenausblick Aktien: DAX nimmt Kurs auf Tiefstände

Im Vorfeld der amerikanischen Notenbanksitzung bewegte sich die Börse in einem sehr unruhigen Fahrwasser. Der Deutsche Aktienindex (DAX) gab unter ausgeprägten Tagesschwankungen deutlich nach und näherte sich weiter den sommerlichen Tiefständen.
Einen XXL-Zinsschritt gab es am Dienstag in Schweden, wo die Riksbank den Leitzins um 100 Basispunkte auf 1,75 % erhöhte. Die US-Notenbank und die Schweizerische Nationalbank folgten mit Anhebungen von jeweils 75 Basispunkten auf 3,00 % bis 3,25 % bzw. 0,50 %. Norwegen und Großbritannien erhöhten jeweils um einen halben Prozentpunkt auf 2,25 %.
In China blieb die erhoffte Leitzinssenkung aus, da die Notenbank eine weitere Abschwächung des Renminbi und zusätzliche Kapitalabflüsse fürchtet.
Die inländischen Inflationsängste und damit auch die Leitzinser-wartungen wurden durch den Anstieg des Erzeugerpreisindex im August um 45,8 % (!) zum Vorjahr weiter befeuert.
Positive Meldungen kamen von den Gasspeichern, die in Deutschland mittlerweile zu mehr als 90 % gefüllt sind. Damit nimmt die Gefahr ab, dass es im Winter bei der Gasversorgung zu Engpässen kommt und Unternehmen zu Produktionskürzungen gezwungen sind.
Der Aufwind für den Euro durch die „Jumbo-Zinsanhebung“ der Europäischen Zentralbank verflüchtigte sich, so dass er wieder unter die Parität von 1:1 zum US-Dollar fiel.

Wie geht es weiter?

Trotz des weniger wahrscheinlichen Ausbleibens von Engpässen bei der Gasversorgung dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Winterhalbjahr schrumpfen. So ist bereits jetzt eine spürbare Kaufzurückhaltung bei den privaten Haushalten festzustellen, die sich angesichts steigender Energierechnungen noch verstärken dürfte. Vor diesem Hintergrund rechnen wir beim deutschen BIP 2023 mit einem Rückgang um 2 %.
Bei den Inflationsraten ist kein Ende des Anstiegs in Sicht. Sie dürften zusätzlichen Auftrieb durch Zweitrundeneffekte erhalten, indem die Unternehmen ihre höheren Kosten für Material, Personal, Logistik und Vorprodukte zumindest teilweise an die Verbraucher weitergeben. Wir erwarten den Hochpunkt des aktuellen Inflationsgebirges in Form eines zweistelligen Wertes im Januar. Die jahresdurchschnittliche Teuerungsrate dürfte 2023 in Deutschland bei etwa 8 % liegen.
Das Umfeld des Kapitalmarktes bleibt auf absehbare Zeit von einer Stagflation geprägt, die sich zu einer Rezession auswachsen kann. An den Aktienmärkten dürften der „Bärenmarkt“ anhalten und die Tagesschwankungen hoch bleiben. Ein Test der sommerlichen Tiefstände liegt weiter auf dem Tisch. Der Fokus sollte daher weiterhin auf Aktien von Unternehmen mit robustem Geschäftsmodell und starker Finanzkraft liegen.
Bei den langfristigen Renditen dürfte nach dem erneuten starken Anstieg das „Ende der Fahnenstange“ in Sicht kommen. Die noch zu erwartenden Leitzinsanhebungen sollten weitgehend „eingepreist“ sein. Das konsequente Vorgehen insbesondere der US-Notenbank spricht für den Erwerb qualitativ hochwertiger Anleihen. Sie sind derzeit der „sichere Hafen“, der angesteuert werden sollte.

Stand 22.09.2022