US-Notenbank: Leitzins auf 3,00% bis 3,25% angehoben

veröffentlicht am 22. September 2022

US-Notenbank: Leitzins auf 3,00% bis 3,25% angehoben

Die US-Notenbank (Fed) geht entschlossen gegen die ausufernde Inflation vor und erhöhte den Leitzins um weitere 75 Basispunkte auf 3,00% bis 3,25%. Der Beschluss entsprach den Erwartungen. Die Fed signalisierte in Form ihrer aktualisierten Projektionen, dass weitere Anhebungen auf der Agenda stehen, um die Inflation zurückzudrängen.

Neutraler Zins wird weit übertroffen
Die US-Notenbank rechnet in ihren aktuellen Projektionen („Dot plots“) mit einem Anstieg der Federal Funds Rate auf 4,25% bis 4,50% noch in diesem Jahr. Der Hochpunkt soll 2023 mit 4,50% bis 4,75% erreicht werden, ehe es 2024 mit 3,75% bis 4,00% wieder etwas zurückgeht. Langfristig wird ein Wert von 2,50% angepeilt.

Bereits mit der aktuellen Anhebung ist sie über den „neutralen“ Zins hinausgegangen. Es ist der Satz, der weder positive noch negative Auswirkungen auf die Konjunktur hat. Gemäß US-Notenbankpräsident liegt dieser Wert „irgendwo zwischen 2% und 3%“. Die aktuellen Projektionen der Notenbank unterstreichen die Absicht der Fed, die Inflation mit aller Macht zurückzudrängen, auch um den Preis einer Rezession.

Anleihebestände werden weiter reduziert
Die auf rund 9 Bill. USD angeschwollene Bilanzsumme wird weiter abgeschmolzen. Bereits seit Juni werden nicht mehr alle Rückflüsse und Fälligkeiten aus dem Anleiheportfolio reinvestiert. Von Juni bis August erfolgen monatliche Kürzungen von 47,5 Mrd. USD, verteilt auf 30 Mrd. USD Staatsanleihen und 17,5 Mrd. USD hypothekenbesicherte Anleihen (MBS). Seit September werden die Kürzungen auf monatlich 95 Mrd. USD erhöht. Zurückgehalten werden jeden Monat Rückflüsse von 60 Mrd. USD Staatsanleihen und 35 Mrd. USD MBS zurückgehalten.

Projektionen angepasst
Die Fed rechnet bei den Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nur noch mit 0,2% in 2022, 1,2% in 2023, 1,7% in 2024 und 1,8% in 2025. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass diese Werte die Veränderungen vom Schlussquartal zum Schlussquartal des Vorjahres darstellen. Bezogen auf die jahresdurchschnittlichen Wachstumsraten entspricht dies BIP-Zuwachsraten von 1,7% in 2022 und gut 1% in 2023.

Arbeitsmarkt wird unter Druck gesetzt
Die Arbeitslosenquote soll auch wegen der massiven geldpolitischen Straffungen von 3,8% in 2022 auf 4,4% in 2023 und 2024 steigen und 2025 auf 4,3% zurückgehen. Langfristig wird mit einer Quote von 4,0% gerechnet. Die Fed setzt den Arbeitsmarkt bewusst unter Druck, um die Lohnentwicklung zu dämpfen und die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale zu beseitigen.

Inflationsrate viel zu hoch
Die von der US-Notenbank besonders beachtete Kernrate der Konsumausgaben (Core PCE, Personal Consumption Expenditures) lag im Juli bei 4,6%. Sie soll gemäß den aktuellen Fed-Projektionen von 4,5% in diesem Jahr auf 3,1% in 2023, 2,3% in 2024 und 2,1% in 2025 sinken.

Fazit: Die Fed avisiert weitere kräftige Leitzinserhöhungen und hat die Wachstumsschätzungen folgerichtig zurückgenommen. Um die Inflationsraten wieder „in den Griff“ zu bekommen, nimmt sie eine Rezession in Kauf.