Bank of England erhöht Leitzins auf 2,25%

veröffentlicht am 22. September 2022

Bank of England erhöht Leitzins auf 2,25%

Die Bank of England (BoE) setzte die Serie von Leitzinserhöhungen fort und hob die Bank Rate um weitere 50 Basispunkte auf 2,25% an. Der Beschluss erfolgte mit einer Mehrheit von 5:3:1 Stimmen. Ein Mitglied des Zentralbankrates wünschte lediglich eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,00%, drei Notenbanker hingegen präferierten einen Zinsschritt von 75 Basispunkten auf 2,50%.

Die Bank Rate dürfte weiter steigen. Der Hochpunkt wird gemäß den Markterwartungen mittlerweile bei 4,75% Mitte 2023 gesehen. Ob die BoE tatsächlich so weit gehen wird, darf bezweifelt werden.

Anleihebestände werden abgebaut
Die Bank of England hat noch Anleihen von insgesamt 857 Mrd. Pfund Sterling (GBP) im Portfolio, davon 838 Mrd. GBP Staatsanleihen und 18,9 Mrd. GBP Unternehmensanleihen. Diese Bestände werden ab sofort verringert. Beschlossen wurde eine Reduzierung der Bilanzsumme um 80 Mrd. Pfund in den kommenden zwölf Monaten.

Inflationsgipfel bei 11% erwartet
Ursächlich für die weitere Straffung der Geldpolitik sind die rasant steigenden Verbraucherpreise. So lag die Inflationsrate im August mit 9,9% weit über dem Zielwert von 2,0%. Die Bank of England erwartet den Hochpunkt mittlerweile „nur noch“ bei 11% im Oktober. Ein weiterer Anstieg sollte durch den staatlichen Energiepreisdeckel verhindert werden. Dieser dürfte etwa fünf Prozentpunkte weniger Inflation bedeuten. Zum Jahreswechsel werden die Teuerungsraten voraussichtlich noch einige Monate im Bereich um 10% liegen, ehe sie sich wieder ermäßigen.

BIP 2023: Stagnation
Die Notenbank rechnet mit einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums. Dem guten Jahresauftakt 2022 folgte ein schwächeres Frühjahr. Die BoE rechnet im 3. Quartal beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einem Quartalsminus von 0,1%. Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich ein BIP-Plus von 3,5% ab. In den Jahren ab 2023 rechnet die BoE allerdings nur noch mit BIP-Veränderungen nahe der Nulllinie.

Pfund schwächer

Bis zum Frühjahr 2022 befand sich das Pfund gegenüber dem Euro im Aufwind, ehe es korrigierte. Nach einer kurzen deutlichen Erholung geriet es angesichts stark eingetrübter Konjunkturperspektiven wieder unter Druck. Der Führungswechsel in der Regierung sowie wachsende Zweifel am längerfristigen Erhalt des Vereinigten Königreichs und des Commonwealth nach dem Tod der Queen sorgten zudem für Verunsicherung. Seit Jahresbeginn hat es gegenüber dem Euro gut 5% verloren.
In der Langzeitbetrachtung fehlen dem Pfund immer noch gut 15% zu den Notierungen vor dem Brexit-Votum vom Sommer 2016.

Das Pfund Sterling leidet unter den stark eingetrübter Konjunkturaussichten und den unsicheren politischen Perspektiven des Vereinigten Königreichs und des Commonwealth.