Japan: Leitzins bleibt bei minus 0,1%

veröffentlicht am 22. September 2022

Japan: Leitzins bleibt bei minus 0,1%

Die Bank of Japan (BoJ) zählt weiterhin zu den wenigen Notenbanken, die bisher keine Leitzinserhöhungen vorgenommen haben. So blieb die Policy-Rate auch im September bei minus 0,1%. Die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe soll weiterhin im Bereich um 0,0% fixiert werden. Zudem begann die BoJ erstmals seit 1998 mit Stützungskäufen für den Japanischen Yen.

Inflationsrate über dem Zielwert
Die Inflationsrate lag im August mit 2,7% deutlich über dem Zielwert von 2,0%. Die BoJ geht sogar davon aus, dass sie in den kommenden Monaten noch etwas weiter steigen wird, danach jedoch wieder zurückkommt. Ursächlich ist nämlich nicht die erhoffte Zunahme der Binnennachfrage, sondern vor allem der kräftige Preisanstieg bei Energie, Lebensmitteln und langlebigen Produkten. Vor diesem Hintergrund erwartet die Notenbank, dass die aktuell überhöhten Inflationsraten nicht nachhaltig sind.

In ihren Projektionen vom Juli rechnet die BoJ bei der als Messlatte genommenen Kernrate (Konsumentenpreisindex ohne frische Lebensmittel: CPI, all items less fresh food) mit Inflationsraten von 2,3% in 2022, 1,4% in 2023 und 1,3% in 2024. Wir halten diese Projektionen für realistisch.

Zinskurvensteuerung bleibt

Auch an der Zinskurvensteuerung wird festgehalten. Seit Ende 2016 verfolgt die BoJ eine „quantitative und qualitative monetäre Lockerung mit Zinskurvensteuerung“ (Quantitative and Qualitative Monetary Easing (QQE) with Yield Curve Control). Dabei werden dem Markt klare Zielwerte vorgegeben.
Der japanische Leitzins liegt seit Anfang 2016 bei minus 0,1%, die Zielrendite für 10-jährige Staatsanleihen bei 0,0%. Letztere kann um 0,25% in beide Richtungen um den Zielwert schwanken. Die Steuerung erfolgt über den Kauf und Verkauf von Anleihen am Markt. Dabei gibt es kein Limit. Aktuell liegt sie mit 0,24% am oberen Rand.

Yen wird gestützt

Das Ausbleiben jeglicher Leitzinsphantasie und der immer größere Abstand zu den Leitzinsen insbesondere in den USA haben den Wechselkurs des Japanischen Yen zuletzt stark belastet. Gegenüber dem US-Dollar fiel er auf ein 24-Jahres-Tief. Selbst gegenüber dem zur Schwäche neigenden Euro hat er seit Jahresbeginn mehr als 6% verloren.
Als Konsequenz aus dem anhaltenden Wechselkursverfall griff die BoJ erstmals seit 1998 wieder in den Devisenmarkt ein und stützte den Yen mit gezielten Käufen.

Fazit: Japan bleibt eine der wenigen bedeutenden Volkswirtschaften ohne Leitzinsphantasie und setzt den Yen damit weiter unter Druck.