Schweden erhöht Leitzins um 100 Basispunkte auf 1,75%

veröffentlicht am 20. September 2022

Schweden erhöht Leitzins um 100 Basispunkte auf 1,75%

Die Sveriges Riksbank forcierte das Tempo der Leitzinserhöhungen und hob die Policy Rate um 100 Basispunkte auf 1,75% an. Sie rechnet im Januar mit einem Inflationshochpunkt von 11% und wird den Leitzins in den kommenden sechs Monaten weiter erhöhen.

In den aktuellen Notenbank-Projektionen liegt die Policy Rate im Jahresdurchschnitt bei jeweils 2,5% in 2023 und 2024. Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihe werden bei 1,50% in 2022, 2,10% in 2023 und 2,40% in 2024 gesehen.

Anleihebestände nehmen ab
Bereits Ende 2021 stellte die Schwedische Notenbank ihre Anleihekäufe ein und reinvestiert seither nur noch einen Teil der Rückflüsse und Fälligkeiten aus dem Portfolio. Auch hiermit dürfte am Jahresende Schluss sein. Auf diese Weise sollen sich die Anleihebestände der Riksbank bis Ende 2024 halbieren.

BIP 2023: minus 0,7%
Das schwedische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging im Corona-Jahr 2020 lediglich um 2,3% zurück und wuchs im vergangenen Jahr um 4,8%.
In den ersten beiden Quartalen setzte sich der Aufschwung fort. Das BIP expandierte um 0,2% bzw. 0,9% zum jeweiligen Vorquartal. Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich ein BIP-Plus von knapp 3% ab.
Die Sveriges Riksbank rechnet im Winterhalbjahr mit einem leicht schrumpfenden BIP und hat ihre Wachstumsschätzungen ab 2023 deutlich zurückgenommen. Sie rechnet in ihren aktuellen Projektionen mit BIP-Zuwächsen von 2,7% in 2022, minus 0,7% in 2023 und 1,1% in 2024. Wir halten diese Werte für realistisch.

Inflationsrate von 11% im Januar erwartet
Die schwedische Inflationsrate soll 2% betragen und sich in einer Spanne von 1% bis 3% bewegen. Im August lag sie mit 9,0% weit darüber. Es war der höchste Stand seit 1991. Als Messlatte dient die Inflationsrate ohne Hypothekenzahlungen CPIF.
Die Riksbank geht davon aus, dass die Inflationsrate bis Januar auf 11% steigen und ihren Hochpunkt im Winterhalbjahr markieren wird. Der Zielwert dürfte erst 2024 wieder erreicht werden. Sie rechnete in ihrer aktuellen Projektion mit Inflationsraten von 7,8% in 2022, 5,1% in 2023 und 1,6% in 2024.
Die langfristigen Inflationserwartungen liegen gemäß Riksbank immer noch bei 2%.

Leistungsbilanzüberschuss bleibt hoch
Der Leistungsbilanzsaldo ist einer der wichtigsten Maßstäbe bei der Beurteilung einer Währung. In Schweden weist die Leistungsbilanz traditionell einen Überschuss auf. Die Riksbank rechnet mit Überschüssen von 3,3% des BIP in 2022, 3,5% in 2023 und 4,0% in 2024. Dies sind klare Pluspunkte für den Wechselkurs der Schwedischen Krone.

Haushalt ausgeglichen
Gemäß der aktuellen Notenbank-Projektion soll der Staatshaushalt 2022 einen Überschuss von 0,7% des BIP aufweisen. Im nächsten Jahr wird ein ausgeglichener Haushalt erwartet. 2024 wird mit einem Defizit von 0,4% des BIP gerechnet.

Schwedische Krone mit Erholungspotenzial
Die Schwedische Krone (SEK) litt zu Jahresbeginn unter den fehlenden Leitzinshoffnungen. Seit Jahresbeginn hat die SEK gegenüber dem Euro gut 5% verloren, obwohl der Euro selbst eine Schwächephase durchläuft. Die Riksbank begründet die Schwäche der Krone mit der hohen Volatilität an den Märkten. In einem solchen Umfeld tendiere sie erfahrungsgemäß schwächer.

Fazit: Die Schwedische Krone sollte angesichts des soliden fundamentalen Umfeldes und weiter steigender Leitzinsen über beachtliches Erholungspotenzial verfügen.