Neuseeland holt auf

veröffentlicht am 15. September 2022

Neuseeland holt auf

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Neuseeland kehrte im 2. Quartal mit einer beeindruckenden Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,7% zum Vorquartal auf den Wachstumspfad zurück.

Tourismus als Wachstumstreiber
Im Frühjahr expandierten die Dienstleistungen, die für rund zwei Drittel des BIP stehen, um 2,7%. Ursächlich war vor allem der Tourismus-Boom nach der Öffnung der Landesgrenzen, die wegen der Pandemie längere Zeit geschlossen waren. So wechselte die neuseeländische Covid19-Ampel Anfang Juni von Rot auf Orange.

Dem schwachen Jahresauftakt folgte also erwartungsgemäß ein sehr starkes Frühjahrsquartal. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage war robust. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte zogen deutlich an und der nach der Pandemie wieder zugelassene Tourismus ließ die Nachfrage steigen. Die Arbeitslosenquote liegt nur noch bei 3,3%.

Die Notenbank Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) rechnet in der laufenden zweiten Jahreshälfte mit leicht positiven Quartalswachstumsraten. Daraus ergibt sich für das Gesamtjahr ein BIP-Plus von 2,2%. Wir halten dies für realistisch.

Für die Jahre 2023 und 2024 erwartet die RBNZ nur noch BIP-Zuwächse von 0,8% bzw. 0,9%. Der 2023er-Wert würde implizieren, dass das BIP im gesamten Jahr 2023 auf der Stelle tritt, denn er entspricht lediglich etwa dem statistischen Überhang aus 2022. Wir halten die RBNZ-Prognosen für zu niedrig.

Inflationsrate weit über dem Zielkorridor
Die Inflationsrate lag im 2. Quartal mit 7,3% weit über dem von 1% bis 3% reichenden Zielkorridor. Sie soll gemäß der RBNZ-Projektion im laufenden Quartal auf 6,4% zurückgehen.
Im nächsten Jahr dürfte der langsame Abstieg vom Inflationsgebirge beginnen. Der obere Rand des Zielkorridors (1% bis 3%) soll Anfang 2024, der Mittelwert von 2% Ende 2025 erreicht werden.
Die RBNZ rechnet mit durchschnittlichen Inflationsraten von 6,9% in 2022, 5,3% in 2023, 3,1% in 2024 und 2,0% in 2025.

Leitzins auf 3,00% erhöht
Die Reserve Bank of New Zealand setzte die vor einem Jahr begonnene Straffung der geldpolitischen Zügel fort und erhöhte die Official Cash Rate (OCR) im August um weitere 50 Basispunkte auf 3,00%.

Leitzins wird weiter steigen
Die RBNZ betonte, dass weitere Leitzinserhöhungen erforderlich sein werden, um den aktuell sehr hohen Preisdruck zu dämpfen und die Inflationsrate in den nächsten beiden Jahren wieder in den Zielkorridor zurückzuführen.
Die Official Cash Rate dürfte gemäß den jüngsten RBNZ-Projektionen Anfang 2023 auf 4% angehoben werden und dort mindestens bis Ende 2024 bleiben.

Haushaltsdefizite nehmen ab
Das Haushaltsdefizit dürfte sich in diesem Jahr noch einmal auf knapp 5% des BIP belaufen und ab 2023 wieder deutlich sinken. Die Notenbank schätzt die Fehlbeträge für 2023 auf 2,5%, für 2024 auf 1,9% und für 2025 auf 0,8% des BIP.

Leistungsbilanz stark defizitär
Der Schwachpunkt des neuseeländischen Datenkranzes bleibt die chronisch defizitäre Leistungsbilanz. Sie dürfte 2022 eine Unterdeckung von 6,4% des BIP aufweisen. Danach sollen sich die Defizite nach Einschätzung der RBNZ auf 7,9% in 2023 und 2024 sowie 7,3% in 2025 belaufen.

Kiwi mit Aufwärtspotenzial
Der Neuseeland Dollar („Kiwi”) weist in diesem Jahr ausgeprägte Schwankungen auf. Er legte im 1. Quartal zunächst sehr stark zu, korrigierte anschließend, erholte sich erneut und fiel zuletzt wieder zurück. Gegenüber dem Euro notiert er seit Jahresbeginn nahezu unverändert.

Fazit: Angesichts solider fundamentaler Rahmendaten und weiter steigender Leitzinsen dürfte der Neuseeland Dollar im Aufwind bleiben.