Deutschland: ZEW Indikator nahe historischer Tiefstände

Deutschland: ZEW Indikator nahe historischer Tiefstände

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Der vom Mannheimer Leibnitz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW ermittelte konjunkturelle Frühindikator gab im September kräftig nach und näherte sich mit minus 61,9 Punkten seinen historischen Tiefständen.

Kaum noch Konjunktur-Optimisten

Im September erwarteten nur noch 6,0% der Befragten eine konjunkturelle Verbesserung in den kommenden sechs Monaten, 67,9% dagegen eine Verschlechterung. Daraus errechnete sich der aktuelle ZEW Indikator von minus 61,9 Punkten.

Lage noch schlechter

Auch die aktuelle Lage wurde noch deutlich negativer beurteilt als im Vormonat. Der entsprechende Wert fiel um 12,9 auf minus 60,5 Punkte zurück. Er ist allerdings noch weit entfernt von den historischen Tiefständen.

Inflationserwartungen rückläufig
Nur noch 28,7 der Befragten rechnen in den kommenden sechs Monaten mit weiter steigenden Verbraucherpreise in Deutschland. Deutlich mehr erwarten gleichbleibende (32,9%) oder rückläufige (38,4%) Inflationsraten. Für die USA gehen sogar 64,0% davon aus, dass die Teuerungsraten sinken.

Zinsen steigen weiter
Der Zinstrend dürfte klar aufwärts gerichtet bleiben. 64,4% der Befragten rechnen mit höheren langfristigen Renditen in Deutschland, 59,2% erwarten dies in den USA.
Bei den kurzfristigen Zinsen ist die Meinung noch eindeutiger: 94,5% gehen von einem Anstieg in der Euro-Zone und 90,0% in den USA aus.

DAX unverändert
Die meisten der Befragten (43,0%) rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einem unveränderten Deutschen Aktienindex (DAX). 29,2% sehen ihn steigen und 20,9% erwarten einen Rückgang.

Dollar stabil
Bei der Beurteilung des Euro-Dollar-Kurses bleibt die Tendenz bei „unverändert“, denn 43,0% rechnen mit einem gleichbleibenden Wechselkurs. Immerhin 36,1% der Befragten können sich mittlerweile einen schwächeren Dollar vorstellen, während 20,9% mit einer weiteren Dollar-Aufwertung gegenüber dem Euro rechnen.

Fazit: Die aktuelle ZEW-Umfrage spiegelt die derzeit herrschende rezessive Grundtendenz in Deutschland wider und unterstreicht unsere Einschätzung eines Rezessions-Winters.

Hintergrund:

Vorbote konjunktureller Wendepunkte
Der ZEW Indikator gilt als Vorbote konjunktureller Wendepunkte in Deutschland. Die ZEW Konjunkturerwartungen sind ein Frühindikator für die wirtschaftliche Lage, vergleichbar mit den ifo Geschäftserwartungen. Abgefragt werden die Erwartungen für die kommenden sechs Monate.

ZEW Indikator seit 1991
Seit 1991 werden im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests monatlich bis zu 300 Expertinnen und Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen ausgewählter Großunternehmen kontaktiert. Sie werden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung in Deutschland, der Euro-Zone, den USA und China befragt.
Konkret sind es die Erwartungen für die nächsten 6 Monate bezüglich Wirtschaftswachstum, Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes und Wechselkursen.

An der September-Umfrage des ZEW vom 05. bis 12.09.2022 beteiligten sich 167 Personen.