Kanada: Leitzins auf 3,25% erhöht

veröffentlicht am 8. September 2022

Kanada: Leitzins auf 3,25% erhöht

Die Bank of Canada (BoC) geht bei der geldpolitischen Straffung weiterhin ein sehr hohes Tempo. Der Anhebung der Overnight Rate um 100 Basispunkte im Juli folgte nun eine Erhöhung um 75 Basispunkte auf 3,25%. Die BoC hält weitere Zinsschritte für erforderlich.

Weitere Zinsanhebungen folgen
Der Leitzins muss nach Einschätzung der BoC weiter steigen, auch wenn er sich mit 3,25% bereits oberhalb der „neutralen Zone“ befindet, die laut BoC von 2% bis 3% reicht. Ziel der restriktiven Geldpolitik ist die Dämpfung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, die wieder mit dem Angebot ins Gleichgewicht gebracht werden soll. Ziel der Notenbank ist zudem ein „Soft landing“ der Wirtschaft, also die Vermeidung einer Rezession.

Inflation weit über dem Zielwert
Die kanadische Inflationsrate soll sich in einer Spanne von 1% bis 3% um den Zielwert von 2% bewegen. Der Zielwert ist symmetrisch und flexibel. Abweichungen nach oben sind genauso unerwünscht wie Abweichungen nach unten. Bei Abweichungen soll der Korridor nach spätestens sechs bis acht Quartalen wieder erreicht sein. Das wird derzeit nicht möglich sein.

Die den gesamten Warenkorb umfassende Headline-Inflationsrate ging wegen rückläufiger Treibstoffpreise im Juli zwar von 8,1% auf 7,6% zurück. Gleichzeitig stieg jedoch die ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise errechnete Kernrate der Inflation von 5,0% auf 5,5%. Die kurzfristigen Inflationserwartungen sind weiterhin hoch.

Die Inflationsrate wird nach Einschätzung der BoC noch einige Monate im Bereich um 8% verharren. Ende 2023 soll sie sich allerdings wieder bei 3% befinden und Ende 2024 auf den Zielwert von 2% zurückgefunden haben.

BIP 2022: plus 3,5%
Kanada zählt zu den bedeutendsten Rohstoffproduzenten der Welt und besitzt u.a. umfangreiche Ölreserven. Die kanadische Wirtschaft verzeichnete daher auch in diesem Jahr ein sehr gutes erstes Halbjahr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im 1. und 2. Quartal um jeweils 0,8% zum Vorquartal.
Die Notenbank rechnet für das Gesamtjahr 2022 mit einem BIP-Plus von 3,5%. Die aktuellen Projektionen der BoC beinhalten zudem BIP-Wachstumsraten von 1,8% in 2023 und 2,4% in 2024. Wir halten diese Werte für realistisch.

Leistungsbilanzüberschuss
Dank der florierenden Rohstoffexporte dürfte die kanadische Leistungsbilanz nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in diesem Jahr einen Überschuss von 1,1% des BIP erzielen. In 2023 soll sie ausgeglichen sein und danach leichte Defizite aufweisen.
Das Haushaltsdefizit wird vom IWF in diesem Jahr auf 2,2% des BIP geschätzt und soll 2023 auf 0,8% des BIP sinken. Danach dürfte es sich zwar der Nulllinie annähern, Haushaltsüberschüsse werden allerdings nicht erwartet.
Die kanadische Staatsverschuldung wird vom IWF für 2022 auf 101% des BIP taxiert und soll bis 2027 auf 88% des BIP zurückgehen.

Kanada-Dollar profitiert vom Rohstoffboom
Der Kanadische Dollar – auch „Loonie“ genannt – profitiert von den rasant gestiegenen Öl- und Gaspreisen und wertete im Fahrwasser der Energiepreise kräftig auf. Gegenüber dem Euro legte er seit Jahresbeginn rund 9% zu.

Fazit: Die hohen Öl- und Gaspreise, das gute fundamentale Umfeld Kanadas und weitere Leitzinserhöhungen sollten den Loonie im Aufwind halten.