EZB mit „Jumbo“-Zinserhöhung

veröffentlicht am 8. September 2022

EZB mit „Jumbo“-Zinserhöhung

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) erhöhte erstmals in seiner Geschichte alle drei Leitzinsen um 75 Basispunkte und kündigte weitere Zinsanhebungen an. Die Entscheidung fiel einstimmig und entsprach den Markterwartungen. Die nächsten Zinsschritte folgen keinem vorher festgelegten Plan, sondern werden abhängig von den dann vorherrschenden Daten sein. Der Einlagesatz für Banken (ehemaliger “Strafzins”) liegt jetzt bei 0,75%, der Hauptrefinanzierungssatz bei 1,25% und der Ausleihsatz bei 1,50%.

Die EZB wird gemäß ihrer Präsidentin „mehrere“ Zinsschritte vornehmen, die „zeitnah“ erfolgen. „Mehrere“ bedeutet „mehr als zwei, aber weniger als fünf“, so Frau Lagarde.

Tilgungsbeträge werden weiterhin reinvestiert
Die Tilgungsbeträge aus dem Pandemie-Notfall-Ankaufprogramm PEPP werden weiterhin „flexibel“ reinvestiert. Die Rückflüsse und Fälligkeiten aus dem „normalen“ Ankaufprogramm APP werden „für längere Zeit“ ebenfalls wieder angelegt. Ein Abbau der Notenbankbestände, also eine Reduzierung der Notenbankbilanz wie in den USA, steht weiterhin nicht im Vordergrund.

Neue Projektionen
Der anhaltende rasante Anstieg der Inflationsraten und der Höhenflug der Energiepreise haben zu Anpassungen bei den Projektionen geführt.

Basis-Szenario
Beim Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone erwartet die EZB Zuwächse von 3,1% in 2022 (vorher 2,8%), 0,9% in 2023 (vorher 2,1%) und 1,9% in 2024 (vorher 2,1%).
Bei den Verbraucherpreisen rechnet die EZB nun mit einem Anstieg von 8,1% in 2022 (vorher 6,8%), 5,5% in 2023 (vorher 3,5%) und 2,3% in 2024 (vorher 2,1%).
Bei der ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise berechneten Kernrate der Inflation erwartet die EZB jetzt 3,4% in 2022 und 2023 sowie 2,3% in 2024.

Von besonderer Bedeutung ist die 2024er-Projektion für die Inflationsrate. Sie liegt deutlich über dem Zielwert von 2% und ist ein Hinweis darauf, dass die EZB bereit ist, die Leitzinsen in den restriktiven Bereich anzuheben. Eine Rezession wird also in Kauf genommen.

„Downside“-Szenario
In einem „Downside“-Szenario liegen die Wachstumsraten des BIP bei 2,8% in 2022, minus 0,9% in 2023 und 1,9% in 2,24. Die Inflationsraten werden auf 8,4% in 2022, 6,9% in 2023 sowie 2,7% in 2024 geschätzt. Die Kernraten sollen bei 3,9% in 2022, 3,5% in 2023 und 2,4% in 2024 liegen.

Fazit: Die EZB hat sich entschieden, entschlossen gegen die ausufernde Inflation vorzugehen und wird die Leitzinsen stärker anheben als bisher von uns erwartet wurde.