Deutschland: Konsumklima auf neuem Rekordtief

veröffentlicht am 26. August 2022

Deutschland: Konsumklima auf neuem Rekordtief

Die Konsumlaune in Deutschland hat sich weiter massiv eingetrübt und ist auf ein neues Rekordtief gesunken. Der von der Nürnberger GfK berechnete Konsumklimaindex für den September gab um 5,6 auf minus 36,5 Punkte nach und lag damit weit unter der Konsensschätzung.

Sparneigung lässt Konsumklima abstürzen
Die privaten Haushalte erwarten in den kommenden Monaten deutlich höhere Energierechnungen und legen dafür immer mehr Geld zurück. So sprang der Subindex der Sparneigung um 17,6 auf plus 3,5 Punkte und zog damit den Konsumklimaindex nach unten, denn für die übrigen Konsumausgaben stehen immer weniger Mittel zur Verfügung.

Alle Subindizes weit „unter Wasser“
Die Einkommenserwartung stabilisierte sich, allerdings im unterirdischen Bereich. Sie leidet vor allem unter den hohen Inflationsraten, die an der Kaufkraft zehren. Der Subindex legte um 0,4 Zähler zu und blieb mit minus 45,3 Punkten marginal über dem tiefsten bisher gemessenen Wert.

Die Konjunkturerwartung verbesserte sich ebenfalls geringfügig um 0,6 auf minus 17,6 Punkte. Sie liegt damit zwar noch etwas über dem Tiefstand zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020, signalisiert jedoch unverändert die Gefahr eines Abtauchens in die Rezession.

Die Anschaffungsneigung ging zum siebten Mal nacheinander zurück und lag mit minus 15,7 Punkte (-1,2) auf dem niedrigsten Stand seit der Finanzmarktkrise im Oktober 2008. Auch hier belasten die stark gestiegenen Preise für Energie und Nahrungsmittel, die weniger Spielraum für andere Anschaffungen lassen.

Fazit: Die erneute Erosion des Konsumklimas ist ein weiteres Indiz für eine heraufziehende Rezession in Deutschland, denn gut die Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts wird über die privaten Konsumausgaben generiert.

Was sagt der GfK-Wert aus?
Ein Indexpunkt entspricht einem Wachstum des privaten Verbrauchs von 0,1% zum Vorjahr. Der aktuelle GfK-Wert von minus 36,5 signalisiert, dass die privaten Konsumausgaben im September 2022 um 3,65% niedriger sein werden als im September vergangenen Jahres.

Hintergrund
Das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) befragt in der ersten Hälfte eines jeden Monats 2000 repräsentativ ausgewählte Personen im Inland nach ihren Einkommenserwartungen, Anschaffungsneigungen und Konjunkturerwartungen.
Aus den Antworten wird der GfK Konsumklimaindex berechnet. Er erlaubt eine Prognose über die Entwicklung des privaten Verbrauchs im kommenden Monat.