Deutschland: Leichtes Wachstum im Frühjahr

veröffentlicht am 25. August 2022

Deutschland: Leichtes Wachstum im Frühjahr

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands ist nach den aktualisierten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im 2. Quartal doch leicht gewachsen. Die Schnellmeldung Ende Juli enthielt lediglich eine Stagnation. Mit dem Quartalsplus von 0,1% erreichte das reale deutsche BIP wieder das Niveau vom Schlussquartal 2019, dem letzten Jahresviertel vor der Corona-Pandemie.

Binnennachfrage sorgte für Wachstum
Träger des Wachstums war die Binnennachfrage. So legten die Konsumausgaben der privaten Haushalte um beachtliche 0,8% zu. Die Aufhebung nahezu aller Corona-Einschränkungen wurde anscheinend genutzt, um wieder auszugehen und zu reisen.
Noch stärker wuchsen mit 2,3% die staatlichen Konsumausgaben. Beigetragen haben hohe Pflegekosten sowie höhere Kosten für die Krankenversicherung aufgrund der ungewöhnlich hohen Zahl an Infektionskrankheiten.

Investitionen uneinheitlich
Ein gemischtes Bild gab es bei den Investitionen. Während die Ausrüstungsinvestitionen (Maschinen, Geräte, Fahrzeuge) um 1,1% zulegten, gingen die Bauinvestitionen um 3,4% zurück. Berücksichtigt werden muss allerdings, dass das Ausgangsniveau am Bau im Vorquartal angesichts des milden Winters relativ hoch war.

Außenhandel kostete Wachstum
Im Außenhandel gab es lediglich geringe Zuwächse. So expandierten die Exporte gerade einmal um 0,3% und die Importe um 1,6%. Letztere wuchsen auch wegen der deutlich gestiegenen Reisetätigkeit, denn ein Urlaub im Ausland wird als „importierte Dienstleistung“ erfasst.
Der Außenhandel generierte einen negativen Wachstumsbeitrag von 0,6 Prozentpunkten. Mit anderen Worten: Wäre er ausgeglichen gewesen, wäre das deutsche BIP im 2. Quartal nicht um 0,1%, sondern um 0,7% gestiegen.

Sparquote wieder bei 10%
Das verfügbare Einkommen war 6,4% höher als im Vorjahr. Die privaten Konsumausgaben wuchsen in laufenden Preisen allerdings um 14,3%, so dass die Ersparnisse herangezogen wurden. Die Sparquote ging dementsprechend auf 10,1% des verfügbaren Einkommens zurück. Dies entspricht etwa dem Normalniveau vor der Pandemie.

Defizite stark verringert
Dank stark gestiegener Steuereinnahmen ging das staatliche Defizit im gesamten 1. Halbjahr auf 13 Mrd. EUR zurück.

Deutschland im Vergleich
Beim Vergleich mit ausgewählten Industrieländern schlossen im 2. Quartal nur die USA noch schwächer ab als Deutschland. Südeuropa dagegen profitierte vom wieder erwachten Tourismus.

Fazit: Deutschland verzeichnete in den ersten beiden Quartalen abnehmende, aber positive Quartalswachstumsraten. Im laufenden Halbjahr dürfte es konjunkturell unter die Nulllinie gehen. Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich beim deutschen BIP ein Zuwachs von 1,5% ab.